Aufrufe zum verstärkten Kampf gegen die Armut
IWF-Tagung beginnt mit massiven Protesten

Zum Auftakt der Konferenz in Prag gab es Ausschreitungen zwischen Globalisierungsgegnern und Sicherheitskräften. IWF-Generaldirektor Horst Köhler sagte, es gehe jetzt unter anderem darum, das internationale Finanzsystem in ein stabiles Gleichgewicht zu bringen.

dpa PRAG. Begleitet von massiven Protesten hat am Dienstag in Prag die Jahresversammlung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank begonnen. Während die Redner im Saal zur Sicherung des Weltfriedens durch verstärkten Kampf gegen Armut aufriefen, machten auf der Straße rund 7 000 Demonstranten ihrem Protest gegen die Politik der internationalen Organisationen Luft. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, nachdem Randalierer Steine geworfen hatten.

"Die Welt ist nicht zu verkaufen", stand auf dem Transparent einzelner Kritiker, die bis vor die Tore des Tagungsortes vorgedrungen waren. Weit weniger friedlich ging es vor den im weiten Abstand errichteten Straßensperren zu. Demonstranten und Sicherheitskräfte lieferten sich heftige Gefechte. Es gab mehrere Verletzte und Festnahmen. Dennoch blieb die Konferenz ungestört. Allerdings blieb den Teilnehmern der Weg aus dem geschützten Bereich versperrt.

Der tschechische Präsident Vaclav Havel forderte zu Beginn der Tagung eine Neubesinnung auf grundlegende Werte in den Beziehungen zwischen den Staaten. Das sei noch wichtiger als wirtschaftliche Hilfe. In seiner sehr nachdenklichen Eröffnungsrede sagte Havel: "Die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft sich, und während die Menschen an einem Ort vor Hunger sterben, gilt an einem anderen Ort Vergeudung (...) fast als soziale Pflicht". Eine Lösung der Probleme könne nicht gelingen, "ohne etwas an der Ideenbasis zu ändern".

Ungleichheit bedroht den Weltfrieden

Weltbank-Präsident James Wolfensohn sagte, der Weg zu einer gerechteren Welt führe über mehr Mitspracherechte der Armen und Benachteiligten nicht nur in den Entwicklungs- sondern auch in den Schwellenländern. Er glaube daran, dass es jetzt eine reale Chance gebe, im Kampf gegen die Armut einen großen Schritt voran zu kommen. Die gegenwärtige Ungleichheit bedrohe den Weltfrieden, sagte Wolfensohn. "Es ist etwas falsch, wenn die reichsten 20 % der Weltbevölkerung mehr als 80 % des globalen Einkommens zur Verfügung haben".

Für die künftige Arbeit des IWF sieht dessen neuer Generaldirektor Horst Köhler im wesentlichen zwei große Herausforderungen. Das internationale Finanzsystem müsse in ein stabiles Gleichgewicht gebracht werden. Die neuen wirtschaftlichen und technologischen Möglichkeiten müssten für alle erschlossen werden. Der Fonds solle eine offene Institution sein, die aus Erfahrung und Dialog lernen und sich geänderten Umständen anpassen solle. "Ich sehe den IWF als aktiven Teil der Kräfte, die die Globalisierung zum Nutzen Aller gestalten wollen", sagte der Deutsche, der dem Fonds erst seit Mai vorsteht.

Dennoch gebe es einen Menge ungelöste Probleme: "Das Bedrückendste unter ihnen ist die Armut, die zur größten Bedrohung für die politische Stabilität der Welt wird." Sie zu bekämpfen, gehöre auch zu den Aufgaben des IWF, betonte Köhler ausdrücklich.

Verständnis für Globalisierungsgegner

Köhler und Wolfensohn äußerten zugleich Verständnis für die Sorgen von Gegnern der Globalisierung, die zu Protesten nach Prag gekommen waren. «Ich glaube fest, dass viele von ihnen berechtigte Fragen stellen und ich teile das Bekenntnis einer neuen Generation zum Kampf gegen die Armut», sagte der Weltbankpräsident. Fortschritte seien aber nur bei einem konstruktiven Umgang miteinander und gegenseitigem Respekt möglich. Köhler sagte, wenn es den Fonds nicht gebe, müsste man ihn gerade jetzt gründen. Denn die weltweite, wirtschaftliche Verflechtung erfordere Zusammenarbeit und Institutionen, die dieses Kooperation organisierten.

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