Aufschlag machte Ferrero schwer zu schaffen
Roddick auf dem Weg zum Tennis-Thron

Die Tennis-Experten sind sich einig: Mit dem ersten Grand-Slam-Sieg des 21 Jahren alten US-Amerikaners Andy Roddick könnte eine ganz große Karriere beginnen. Juan Carlos Ferrero kam unter die Räder.

HB NEW YORK. Andy Roddick gab dem US-Open-Pokal ein dickes Küsschen, Juan Carlos Ferrero kniff die Lippen zusammen und wollte ganz schnell weg: Mit dem 6:3, 7:6 (7:2), 6:3-Sieg des US-Amerikaners endete am Sonntagabend die seit Wochen generalstabsmäßig geplante Operation Grand-Slam-Sieg. Nach dem Rücktritt von Pete Sampras zu Beginn des Turniers und dem Halbfinal-Aus von Altmeister Andre Agassi gegen Ferrero ist der 21-Jährige auf dem besten Weg, das Erbe einer großen amerikanischen Tennis-Generation anzutreten.

"Ein besseres Drehbuch hätte man nicht schreiben können", sagte Roddick, der in den beiden Vorjahren an den späteren Siegern Lleyton Hewitt und Sampras gescheitert war. "Ich kann es nicht glauben", rief er auf dem Platz im Arthur-Ashe-Stadium, Sekunden nachdem er mit seinem 23. As, dem dritten nacheinander, die einseitige Begegnung gegen French-Open-Sieger Ferrero beendet hatte.

Auch mit ein wenig zeitlicher Distanz hatte der Spitzenreiter im Champions Race Mühe, den größten Triumph seiner Karriere in Worte zu fassen. "Es ist wie ein kleiner Schock. Ich habe als Kind so oft auf der Tribüne gesessen und die Spiele hier verfolgt. Ich habe gesehen, wie andere Spieler ihren ersten Grand-Slam-Titel feierten. Mir schießen gerade eine Million Gedanken durch den Kopf", sagte Roddick, dem die Organisatoren des tagelang verregneten Turniers jeden möglichen Vorteil eingeräumt hatten.

Im Arthur-Ashe-Stadium war er als erstes auf die Tribüne zu seinen Eltern und seinen zwei älteren Brüdern gelaufen, dann umarmte er seinen neuen Trainer Brad Gilbert und hatte einen Moment lang Mühe, sich nicht von Freudentränen übermannen zu lassen. Der langjährige Coach von Agassi und Nachfolger von Roddicks französischem Mentor Tarik Benhabiles hat entscheidenden Anteil an der Leistungsexplosion des Amerikaners in diesem Sommer.

Roddick verlor in Wimbledon erst im Halbfinale gegen den späteren Sieger Roger Federer und gewann die Masters-Turniere in Montreal und Cincinnati. Während der US-Hartplatzsaison verlor er nur gegen den Briten Tim Henman, den er in New York in der ersten Runde souverän ausschaltete. Zwei Niederlagen unter Gilbert stehen stolze 37 Siege gegenüber, seit 19 Partien ist der Hobby-Fallschirmspringer ungeschlagen und rückt damit in der Weltrangliste auf Rang zwei vor.

"Er ist erst 21. Es gibt nichts, was er nicht besser machen könnte, zum Beispiel mehr Serve und Volley spielen", meinte Gilbert, der sich stets positiv gibt und Roddick eingeimpft hat, auf dem Platz ruhiger zu werden und seinen Kopf zu benutzen. Roddick hatte ihn im Juni aus England angerufen, Gilbert packte sofort seine Sachen und flog aus Kalifornien ein. Das machte großen Eindruck auf Roddick, der die Beziehung als locker und spaßig beschreibt.

Die Taktik für das Finale war einfach: Gilbert hatte Ferreros Return als schwächsten Schlag ausgemacht - und dies ausgerechnet gegen Roddicks Aufschlag, der zwei Sätze regelmäßig mit bis zu 227 Kilometern pro Stunde auf den neuen Weltranglisten-Ersten zugerauscht kam. Ferrero vergab seine wenigen Chancen mit ungewohnten Fehlern und musste nach dem nur 1:42 Stunden langen Match konstatieren: "Wenn er so aufschlägt, ist es schwer, ihn zu schlagen. Vielleicht habe ich deswegen meinen Rhythmus nicht gefunden."

Dennoch zog der 23-Jährige nach dem vierten Match binnen vier Tagen ein positives Fazit: "Jetzt bin ich ein wenig traurig, aber ich habe am Anfang des Turniers nicht erwartet, die Nummer eins zu werden und ins Finale zu kommen." Schön und gut. Aber den Pokal holte sich wie am Samstag bei den Damen die neue Nummer zwei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%