Aufschub für zur Tatzeit Minderjährigen
Texas: Hinrichtung vier Stunden vor Exekution ausgesetzt

Knapp vier Stunden vor der geplanten Vollstreckung des Todesurteils hat ein Berufungsgericht in Texas einem zur Tatzeit minderjährigen Mörder Aufschub gewährt. Nach der Aussetzung der Hinrichtung am Mittwochabend wird das Gericht nun prüfen, ob der zehn Punkte umfassende Einspruch von Napoleon Beazley gegen das Todesurteil gerechtfertigt ist.

ap AUSTIN. Der Fall hatte internationales Aufsehen erregt. Erst am Dienstag hatte der Europarat den Gouverneur von Texas, Rick Perry, aufgefordert, Beazley nicht hinrichten zu lassen.

Beazleys Anwalt Walter Long zeigte sich erleichtert. Das Gericht habe richtig entschieden, sagte er. "Aber dies ist ein anhaltender Kampf." Bislang wurden in den USA seit Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1976 insgesamt 18 Personen hingerichtet, die zur Tatzeit jünger als 18 Jahre waren. Allein in Texas waren es neun.

Staatsanwalt Jack Skeen äußerte hingegen Enttäuschung. Er halte die Hinrichtung weiterhin für angemessen und das Urteil für gerecht, erklärte er.

Der 25 Jahre alte Beazley sollte in der Nacht zum Donnerstag in Huntsville mit der Giftspritze getötet werden. Er wurde zum Tode verurteilt, weil er im April 1994 bei einem Autoraub den Besitzer des Fahrzeugs erschossen hatte. Damals war Beazley 17 Jahre alt. Bei dem Mordopfer handelte es sich um den Vater eines Richters am Vierten US-Bundesberufungsgerichts.

Beazley hat die Tat nie abgestritten, aber Einwände geltend gemacht, warum die Exekution ausgesetzt werden sollte. Vor dem Obersten Gericht der USA ist noch ein Antrag auf Überprüfung des Falles anhängig. "Ich bin jetzt ein anderer Mensch", erklärte Beazley kürzlich in einem Interview. Der zum Tode Verurteilte schrieb in einer kleinen Zelle neben der Hinrichtungskammer einen Brief, als er von der Aussetzung der Exekution erfuhr. "Ich muss dies jetzt erst einmal begreifen", sagte er zu den Aufsehern.

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