Aufschwung der Wirtschaft noch nicht gefestigt
Deutscher Konjunktur fehlt Schwung

Der Konjunktur in Deutschland fehlt es noch immer an Schwung. Nach einem geschätzten Zuwachs der gesamten Wirtschaftsleistung von 0,25 % im zweiten Quartal erwartet die Deutsche Bundesbank nur eine leichte Besserung im Sommer.

Reuters FRANKFURT. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) sieht die Wirtschaft in einer anhaltenden Phase schwachen Wachstums und halbierte seine Prognose für 2002 auf 0,5 %.

"Solange die Konjunktur noch nicht an Kraft und Dynamik gewonnen hat, bleibt die Wirtschaft gegenüber neuen Belastungen, ob von außen oder hausgemacht, störanfällig", hieß es in dem am Montag veröffentlichten Bundesbank-Monatsbericht August. Im zweiten Vierteljahr hat sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) saison- und kalenderbereinigt nach Schätzung der Bundesbank um 0,25 % zum Vorquartal erhöht nach 0,2 % im ersten Quartal. Im Vergleich zum Vorjahr blieb das BIP der Bundesbank zufolge kalenderbereinigt unverändert nach einem leichten Rückgang um 0,25 % in den ersten drei Monaten. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die BIP-Daten zum zweiten Quartal am Donnerstag. Von Reuters befragte Volkswirte erwarten einen Anstieg um 0,2 % zum Vorquartal.

Bundesbank: Wirtschaft noch immer am Anfang der Erholung

Wie zu Jahresbeginn sei die Erholung verhalten geblieben. Dies habe auch an durch Streiks verursachten Produktionsausfällen in der Metall- und Elektroindustrie sowie in der Bauwirtschaft gelegen, hieß es im Monatsbericht. Etwas mehr Wachstum erwartet die Bundesbank im dritten Quartal, auch wenn von einem gefestigten Aufschwung noch keine Rede sein könne. Die Wirtschaft sei "derzeit immer noch nicht über die Anfangsphase einer zyklischen Erholung hinausgekommen." Der Arbeitsmarkt bleibe schwach. Die Unternehmen hielten sich mit Investitionen weiterhin zurück. Absatz- und Ertragsaussichten hätten sich wegen hoher Tarifabschlüsse, Firmenpleiten und dem unsicheren internationalen Umfeld nicht gebessert.

Durch die massiven Kursverluste an den internationalen Aktienmärkten haben sich die weltweiten Konjunkturaussichten eingetrübt, stellte die Bundesbank fest. Die Stimmung der Konsumenten und Investoren in den USA und Westeuropa habe sich dadurch verschlechtert. "Die Aktienbaisse könnte, wenn sie länger anhält, den globalen Wachstumsprozess belasten." Auch in Deutschland könnten das Vertrauen in der Wirtschaft und die Exporte leiden. Die US-Konjunktur wird nach Einschätzung der Bundesbank aber derzeit vom robusten Immobilienmarkt gestützt und das Wachstum dort sich deshalb verhalten fortsetzen.

Banken erwarten nur noch wenig Wachstum

Nachdem bereits mehrere Mitgliedsinstitute in den vergangenen Wochen wegen der weltweit trüberen Aussichten ihre Prognosen für das deutsche Wachstum in diesem Jahr deutlich gesenkt haben, erwartet auch jetzt ihr Verband BdB nur noch 0,5 Wachstum. Das BIP würde damit nur so wenig wie im vergangenen Jahr wachsen, als es nur um 0,6 % zulegte. Das Wachstum werde 2002 nicht für eine Wende am Arbeitsmarkt ausreichen, saisonbereinigt werde die Arbeitslosigkeit bis Jahresende weiter steigen. Die schwache US-Wirtschaft werde Deutschland stärker belasten als die europäischen Nachbarn, erklärte der BdB.

Für eine Gesamtjahresrate von 0,6 % muss die Wirtschaft im zweiten Halbjahr etwas stärker zulegen als im ersten, sagte Andreas Scheuerle von der DekaBank. Dies sei wegen der stärkeren Industrieproduktion auch zu erwarten. Für das kommende Jahr erwartet die DekaBank eine Konjunkturbelebung aif 2,0 % Zuwachs. "Von einem überschäumenden Aufschwung bleiben wir aber weit entfernt", sagte Scheuerle.

Für die Euro-Zone erwartet der BdB ein Wachstum von rund 1,0 % in diesem Jahr nach 1,5 % im vergangenen Jahr. Auch die Bundesbank stellt für das Euro-Währungsgebiet fest, dass sich die Konjunktur im ersten Quartal fast nur dank der Exporte erholt hat, während die Inlandsnachfrage rückläufig war. Auch im zweiten Quartal habe der Schwung gefehlt.

Mit Blick auf die rasche Euro-Aufwertung in den vergangenen Monaten stellt die Bundesbank fest, dass sich die günstige internationale Wettbewerbsposition der deutschen Wirtschaft kaum geändert habe. Der Anteil der Einfuhren, deren Preise der höhere Euro dämpft, sei größer als der Ausfuhranteil, der weniger wettbewerbsfähig wird. "Der Stabilitätsimport, durch den die Kostenrechnung der Unternehmen entlastet und die Kaufkraft der Konsumenten gestärkt wird, kommt in einem keineswegs geringen Umfang der schwachen Inlandsnachfrage zugute.

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