Aufschwung in Sichtweite
Greenspan deutlich optimistischer

Die Wall Street ist vor einer weiteren Rede von Fed-Chef Alan Greenspan mit marktbreiten Gewinnen gestartet, handelt eine halbe Stunde nach Börsenöffnung aber schwächer. Der Dow Jones verliert 30 Punkte zu, die Nasdaq handelt nahe der Null-Linie.

Notenbankchef Greenspan spricht am Vormittag vor dem Finanzausschuss des Senats über die konjunkturellen Aussichten, wie er das schon vor zwei Wochen vor dem Kongress getan hatte. Ungewöhnlich dabei: Normalerweise sind die Greenspan-Berichte vor beiden Kammern gleich. Laut ersten Auszügen aus der Rede zeigt sich Greenspan nach einer Flut positiver Fundamentaldaten in den vergangenen Tagen deutlich optimistischer, und stellt die bisher erwähnten Risiken für den ökonomischen Turnaround zurück. "Wir haben in den letzten Tagen ermutigende Zahlen gesehen, die auf eine deutliche Verbesserung der Nachfragesituation schließen lassen", sagt der Fed-Chef. Von selbiger hatte er in seiner letzten Rede die Qualität des Aufschwungs abhängig gemacht. Und noch ein Detail macht dem Markt Mut: Von der Rezession spricht Greenspan erstmals in der Vergangenheitsform.

Weitere Konjunkturdaten untermauern die These von der neuen Stabilität am Morgen: Die Produktivität im 4.Quartal wurde auf ein Plus von 5,2 % revidiert. Das zeigt, das sich die US-Unternehmen schneller als erwartet restrukturiert haben. Die höhere Produktivität bringt höhere Gewinnmargen mit sich. Nachrichten gibt es auch aus dem Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung ist im Rahmen der Erwartungen gesunken, ein besserer Überblick steht indes am Freitag an, wenn die Arbeitslosenquote bekannt gegeben wird.

Mit dem selben Optimismus wie vor der Greenspan-Rede sehen Anleger und Analysten zwei Konferenzen am Abend entgegen: Der Hardware-Hersteller Sun Microsystems wird sich zu den revidierten Aussichten äußern. Die Aktie klettert im Vorfeld um 3 %. Allein die Experten vom Brokerhaus Soundview geben sich pessimistisch. Eine Umfrage bei Händlern habe ergeben, dass die Geschäft schlechter liefen als im Januar. Soundview erwartet, dass Sun Micro die Gewinnerwartungen heruntersetzen wird.

Auch der Chip-Gigant Intel wird am Abend einen Quartalszwischenbericht vorlegen. Für den Branchenführer gibt sich nur die UBS Warburg skeptisch. Doch gehen die Analysten von Morgan Stanley, Bear Stearns, Lehman Brothers und der Bank of Amerika davon aus, dass Intel die Erwartungen auf das obere Ende der ursprünglichen Prognosen einengen werde. Intel legt 1,6 % zu.

Auch andere Chipwerte handeln im Plus. Intel-Konkurrent AMD verbessert sich um 3,8 %. Der Speicherchip-Riese EMC macht Verluste aus dem Mittwochshandel teilweise wieder gut. Die Aktie, die am Vortag durch die Ertragswarnung von McData unter Druck geraten war, notiert mit 3,5 % im Plus.

Die übrigen Tech-Branchen beginnen den Handel ebenfalls auf grünem Terrain: Der Netzwerkriese Cisco verbessert sich um 2 % und zieht die Konkurrenten JDS Uniphase und Juniper Networks mit. Auch die Software-Hersteller notieren branchenweit mit bis zu 2 % in grünem Terrain.

Eine Ausnahme indes ist Microsoft . Nach japanischen Presseberichten muss der Konzern die in Japan verkaufte XBox Spielkonsole zu Reparaturen zurück zu rufen. Der Software-Konzern habe in den ersten 10 Tagen nach Markteinführung fast 250 Beschwerden über zerkratzte CDs und DVDs erhalten, heißt es. Die Aktie verliert 0,7 %.

Größter Dow-Gewinner ist am frühen Morgen die Aktie von General Motors , die 2,3 % zulegt. Der weltgrößte Automobilkonzern wird bei Merrill Lynch auf "kaufen" gesetzt. Die Analysten erwarten "solides Gewinnwachstum in 2002". Der einzige Risikofaktor sei ein zyklisch bedingter Einbruch der Pkw Absatzzahlen in den USA. Dieses Szenario sei in Anbetracht der sich abzeichnenden Konjunkturerholung allerdings unwahrscheinlich.

Ebenfalls auf der Gewinnerseite notiert das Papier von Wal-Mart . Die größte US-Einzelhandelskette berichtet, der Umsatz in Läden, die schon ein Jahr geöffnet sind, seien im Februar um 10,2 % gestiegen. Das ist deutlich mehr als die Analysten erwartet hatten. Wal-Mart verbessert sich um 1,4 %.

Erneut im roten Bereich handelt hingegen die Aktie von Hewlett-Packard . Nachdem die Anlegervertretung ISS ihren Klienten empfohlen hat, für einen Merger mit dem Computerhersteller Compaq zu stimmen, und auch die Wettbewerbsbehörde keine Einwände hat, sind Analysten immer noch geteilter Meinung: Dan Niles, Tech-Analyst bei Lehman Brothers, sowie die Experten von Merrill Lynch sprechen sich für eine Fusion aus. Die UBS Warburg ist weiterhin gegen den Deal, ebenso die Bank of America, die Anlegern empfiehlt, sich von beiden Aktien zunächst fernzuhalten. HP verliert 0,5 %, Papiere von Compaq gewinnen 1,5 %.

Die Aktien von Merrill Lynch belasten am Donnerstag den Finanzsektor. Das Brokerhaus hat am Mittwoch nach Handelsschluss bekannt gegeben, dass man Wandelanleihen im Wert von 2 Milliarden Dollar ausgeben werde, um an Cash zu kommen. Anlegern gefällt nicht, dass auf diese Weise Gewinne verwässert werden. Sie gehen auf Distanz von der Aktie, die um 1,6 % fällt.

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