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Aufschwung?

Einige Indikatoren deuten auf eine bald boomende Weltwirtschaft hin. Auf den ersten Blick zumindest. Wer genauer hinschaut, der sieht - dass es damit wohl nichts werden wird.

Welcher Markt hat in diesem Jahr die höchsten Steigerungsraten produziert? Dax, Dow Jones & Co.? Falsch. Der Markt mit den wohl höchsten Zuwachsraten ist der für Schiffsfrachtraten. Gemessen am Baltic-Dry-Index - das ist der führende Indikator für Frachtraten - haben sich die Preise seit Jahresbeginn verdreifacht. In den vergangenen zwei Monaten allein haben sie sich verdoppelt. Die Hausse für Schiffsladeraum auf Massengutfrachtern aber gibt nur oberflächlich betrachtet Grund zur Freude.

Der Baltic-Dry-Index (BDI) wird nicht nur von Schiffseignern und deren Kunden, sondern auch von Ökonomen genau beobachtet. Denn der Index signalisiert mit einigem zeitlichen Vorlauf, ob der Welthandel zunimmt oder nicht. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, müsste uns die Entwicklung des BDI eine schon bald boomende Weltwirtschaft vorhersagen. Doch so wird es wohl nicht kommen, denn die Zuwachsraten beim BDI erklären sich vor allem aus der starken Nachfrage Chinas nach Rohstoffen aller Art - vor allem nach Eisenerz und Kupfer. Dies ist also nur ein Aufschwung in einem Winkel der Wirtschaft. Und: Weil Chinas Nachfrage soviel Frachtraum bindet, steht er anderswo derzeit nur zu exorbitanten Preisen zur Verfügung.

Die steigenden Rohstoff- und Transportpreise sorgen also mindestens dafür, dass die Gewinnmargen der produzierenden Industrie fallen. In nicht wenigen Fällen aber, werden die Preissteigerungen sicherlich auch weitergegeben. Sie erhöhen damit die Inflationsgefahr und könnten Notenbanken zum Gegensteuern bewegen - zu einer Zeit, wo die Wirtschaft im Prinzip noch niedrige Zinsen benötigt.

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