Aufseher und Regulierer nehmen Schwachstellen des Weltfinanzsystems ins Visier
Nach den Wirtschaftsprüfern kommen die Ratingagenturen auf den Prüfstand

Seit den jüngsten Bilanzskandalen in den USA wird über eine verschärfte Aufsicht und Kontrolle nicht nur der Wirtschaftsprüfer, sondern auch der Aktienanalysten diskutiert.

egl BERLIN So auch im Forum für Finanzstabilität (FSF), das 1999 unter dem Eindruck der damaligen Finanzkrise von den Finanzministern und Notenbankchefs der sieben führenden Industrienationen (G7) zur Verbesserung des internationalen Krisenmanagements gegründet wurde. In dieser Woche nahmen die Finanzaufseher und Regulierer bei ihrem Treffen in Toronto über Wirtschaftsprüfer und Analysten hinaus zum ersten Mal auch die umstrittene Rolle der Ratingagenturen für die Finanzmärkte aufs Korn.

Die laufenden Analysen der Ratingagenturen, so heißt es in der Abschlusserklärung des Forums, hätten einen "perversen Einfluss" auf die Finanzmärkte. Das Gremium wolle die bereits eingeleiteten Untersuchungen der US-Börsenaufsicht, Securities and Exchange Commission (SEC) über die Praktiken der Ratingagenturen abwarten. Aufbauend auf den von den US-Aufsichtsbehörden entwickelten neuen Aufsichtsprinzipien und Arbeitsanforderungen wolle das Forum dann auf seiner nächsten Sitzung am 24. und 25. März 2003 in Berlin die Problematik der Ratingagenturen weiter beraten.

Um das erschütterte Vertrauen der Anleger in die Finanzmärkte zurückzugewinnen, fordern die Finanzaufseher und Regulierer entschlossene Schritte zur Stärkung des Finanzsystems. Nur durch eine weitere Verschärfung von Aufsicht und Standards im Bereich Corporate Governance, der Bilanzierungs-und Prüfungsvorschriften sowie der Transparenz könnten das bei den Anlegern beschädigte Vertrauen wiederherstellen, das durch die jüngsten Bilanzskandalen und Unternehmenszusammenbrüche erschüttert worden sei.

Für das kommende Treffen der G7-Finanzminister Ende September wird das Forum einen Bericht vorlegen und dabei den Schwerpunkt darauf legen, wie die so genannten "Best-Practice-Regeln" zur Transparenz und Führung von Unternehmen umgesetzt werden, erklärte Andrew Crockett, Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, BIZ, und Leiter des Forums zum Abschluss der Tagung in Toronto. Dies werfe in der Folge natürlich auch die Frage auf, welchen Beitrag die europäischen Behörden bei der Entwicklung neuer Arbeitsstandards für die Ratingagenturen spielen.

Nicht veröffentlicht wird allerdings eine in Toronto diskutierte Studie des Forums, die die vermuteten Systemrisiken des Rückversicherungssektors beleuchten soll. Weil Banken immer mehr Kreditrisiken auf den weniger stark regulierten Versicherungssektor übertragen, fürchten Aufseher um die Solidität des Rückversicherungsektors.

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