Aufsichtsbehörde FCC verschiebt Entscheidung über Fusion mit Time Warner
Behörden lassen AOL zappeln

Eigentlich wollten AOL und Time Warner ihre Fusion bereits abgeschlossen haben. Doch die US-Telekomaufsichtsbehörde FCC will nun erst im Januar entscheiden, ob sie die Fusion erlaubt.

HB WASHINGTON. Die US-Telekomaufsicht Federal Communications Commission (FCC) hat ihre Entscheidung über die Fusion des Internetpioniers America Online (AOL) Inc. mit dem Medienkonzern Time Warner Inc. auf Anfang Januar verschoben. Eigentlich wollten die Wettbewerbshüter bei ihren Beratungen bis Silvester zu einem Ergebnis kommen. Für die beiden Unternehmen bedeutet die Vertagung nicht nur eine längere Ungewissheit, sondern auch höhere Kosten.

Erst vor zwei Wochen hatte die Kommission die Empfehlungen ihrer Experten zu der Übernahme erhalten. Um die von ihr selbst gesetzte Frist einzuhalten, hätten die Mitglieder der Kommission weniger als einen Monat Zeit gehabt, um eine Entscheidung zu treffen.

Warten auf Kartellamt kostete Zeit

Ein Grund für die Verspätung ist, dass die FCC auf die Entscheidung der Kartellbehörde Federal Trade Commission (FTC) gewartet hat. Diese genehmigte die Fusion mit Auflagen am 14. Dezember. Obwohl die Behörden eng zusammen arbeiten, will die FCC die Entscheidung der FTC zunächst prüfen, ehe sie ihre eigene bekannt gibt. Jetzt diskutieren die fünf Mitglieder der FCC die Fakten. Mindestens drei müssen der Fusion zustimmen.

In der vergangenen Woche teilte AOL der FTC mit, dass eine Verschiebung der Genehmigung in das nächste Jahr "wesentliche Belastungen und Kosten" für die beiden Fusionspartner nach sich ziehen würde. Ein Anwalt von AOL sagte, das Unternehmen müsse in diesem Falle signifikante Änderungen in der Buchhaltung vornehmen. Auch die getrennten Steuererklärungen und Bekanntmachungen an Behörden für das Teil-Geschäftsjahr würden zusätzliche Kosten verursachen.

Ursprünglich wollte AOL die Fusion bis Ende dieses Jahres, spätestens aber Anfang 2001 abschließen. Der bereits im Januar 2000 angekündigte Zusammenschluss hat derzeit einen Wert von 78 Mrd. $.

Kritik am populären AOL Instant Messenger

Die FCC untersucht vor allem AOLs populären Instant Messenger (AIM). Dieser Service ermöglicht es Computernutzern, zu sehen, welche ihrer Bekannten gerade online sind, und diesen Nachrichten zu senden, die schon einen Augenblick später auf dem Bildschirm des Empfängers erscheinen. Auch andere Firmen bieten einen solchen Service; AIM ist jedoch mit weitem Abstand Marktführer. Die Konkurrenten kritisieren, dass AIM nicht mit ihren Systemen kompatibel ist. AOL begründet das mit Sicherheitsbedenken. Experten erwarten, dass die FCC von AOL fordern wird, AIM für mindestens einen Konkurrenten zu öffnen oder einen gemeinsamen Standard zu vereinbaren.

Auch den AOL-Service für interaktives Fernsehen, AOL TV, wird die FCC genau unter die Lupe nehmen. Die FTC hatte bereits verfügt, dass AOL und Time Warner ähnliche Dienstleistungen, die Konkurrenten über das Kabelnetz von Time Warner anbieten, nicht beeinträchtigen dürfen.

Dagegen wird nicht erwartet, dass die Kommission die Verflechtungen zwischen Time Warner und dem Telekomkonzern AT&T Corp. lösen wird. Die beiden Konzerne sind die größten TV-Kabelbetreiber der USA. Da AT&T an der Fusion jedoch nicht beteiligt ist, ist die Zuständigkeit der FCC in diesem Falle begrenzt.

Unabhängig von der Fusion von AOL und Time Warner hat AT&T bereits damit begonnen, einige Verbindungen zu dem Medienkonzern zu kappen. Das Justizministerium hatte verfügt, dass der Telekommunikationsriese seinen Anteil an Time Warners Hochgeschwindigkeits-Internetzugang Road Runner verkauft. Die FCC könnte nun verlangen, dass AT&T auch seine Beteiligung an Time Warner Entertainment veräußert. Das Unternehmen besitzt einen großen Teil des Fernsehkabelnetzes der Konzernmutter Time Warner.

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