Aufsichtsbehörde nimmt Untersuchungen auf
Insiderhandel mit Mobilcom-Aktien

Wegen Verdachts auf illegalen Insiderhandel mit Mobilcom-Aktien hat die deutsche Wertpapieraufsicht förmliche Ermittlungen aufgenommen.

Reuters HAMBURG. Das um sein Überleben kämpfende Mobilfunkunternehmen teilte unterdessen mit, zumindest noch für einige Tage ausreichend Liquidität zu haben und deshalb am Freitag noch nicht zur Insolvenz gezwungen zu sein. Unklar blieb zunächst der Stand der seit Tagen geführten Verhandlungen zwischen Mobilcom-Hauptaktionär Gerhard Schmid und der Bundesregierung.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) erklärte am Freitag, im Vorfeld der Bekanntgabe schwacher Geschäftszahlen durch Mobilcom im März 2002 seien auffällige Aktienverkäufe festgestellt worden. Außerdem gehe die BAFin dem Verdacht der Kursmanipulation nach, sagte ein Sprecherin. Ausgang dieses Verdachts sei die Meldung einer Nachrichtenagentur im Internet vom vergangenen August über eine angeblich unmittelbar bevorstehende Übernahme von Mobilcom durch France Telecom, die sich später als Fälschung herausgestellt hatte. Gegen wen sich der Verdacht richte, sagte die BAFin nicht.

Mobilcom lehnte einen Kommentar zu den Ermittlungen ab. Firmensprecher Matthias Quaritsch sagte, das Unternehmen sei seines Wissen nach nicht von den Untersuchungen der Behörde betroffen.

Zur Liquiditätslage bei Mobilcom sagte der Mobilcom-Sprecher: "Wir haben noch ein paar Tage Luft, bevor wir Insolvenz anmelden müssen." In den vergangenen Tagen war erwartet worden, Mobilcom könnte bereits am Mittwoch oder Donnerstag den Gang zum Insolvenzgericht antreten müssen. Quaritsch trat dem Eindruck entgegen, das Unternehmen wolle durch Hinweise auf die drohende Insolvenz Einfluss auf die Verhandlungen mit Schmid nehmen: "Die Insolvenz ist keine Karte im Pokerspiel, die wir bei Bedarf ziehen oder dann doch im Ärmel behalten", sagte er.

Mobilcom wartet dringend auf die weitere Zufuhr von Liquidität, die dem Unternehmen im Rahmen eines von der Bundesregierung im September vermittelten Rettungspakets in Aussicht gestellt worden war. Zur Zeit zehrt das Unternehmen noch von einer Soforthilfe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) von 50 Millionen Euro, die die Bundesregierung kurz vor der Bundestagswahl vermittelt hatte.

Unklar blieb zunächst, ob Mobilcom-Hauptaktionär Schmid weiter mit der Bundesregierung über die Treuhänderschaft für seine Aktien verhandelte. Während ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, die Verhandlungen darüber würden am Freitag fortgesetzt, sagte eine Sprecherin Schmids am Nachmittag, bislang habe es keinen Kontakt zur Regierung gegeben. Als enttäuschend bezeichnete die Sprecherin die Reaktion von Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD), der sich nicht zu einem öffentlichen Hilferuf Schmids an ihn äußern wolle. "Das ist keine Art", sagte die Schmid-Sprecherin. Schmid hatte Clement am Mittwochabend aufgefordert, persönlich Initiative zu ergreifen und bei den Verhandlungen zu vermitteln. "Ich lege das Schicksal von Mobilcom in Ihre Hände", hatte Schmid formuliert.

Das Rettungspaket für Mobilcom kann erst dann umgesetzt werden, wenn Schmid der Übertragung seiner Aktien auf einen Treuhänder zugestimmt hat. Wer dieses Amt übernehmen soll, ist aber zwischen Schmid und der Bundesregierung stark umstritten.

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