Aufsichtsräte diskutieren Bedingungen
RAG und Eon beraten über Tauschgeschäft

Die Aufsichtsräte von RAG und Eon haben gestern ein Konzept für einen Tausch der Ruhrgas- Anteile der RAG gegen die Mehrheit an der Eon-Tochter Degussa beraten. Nun warten sie auf die Ministererlaubnis.

ESSEN/DÜSSELDORF. Die Ruhrkonzerne RAG und die Eon haben gestern die Bedingungen für ein Tauschgeschäft diskutiert, das der Eon AG die Mehrheit an dem Gasversorger Ruhrgas sichern soll. Die Essener RAG AG, der frühere Ruhrkohle-Konzern, wird danach seine durchgerechnet 18 % an Ruhrgas an Eon abgeben und erhält dafür die Mehrheit an dem Chemiekonzern Degussa AG. Gestern Mittag tagte der Aufsichtsrat der RAG unter dem Vorsitz des Eon-Chefs Ulrich Hartmann. Am Abend traf sich dann der Aufsichtsrat der Eon AG.

Der geplante Tausch ist schon seit einigen Wochen in Grundzügen bekannt, drei gewichtige Hindernisse standen ihm aber im Wege: Erstens ist Degussa, die Spezialchemietochter des Eon-Konzerns, an der Börse sieben bis acht Mrd. Euro wert, während das Ruhrgas-Paket der RAG nur rund zwei Mrd. Euro kostet - eine Preisdifferenz, die die RAG nicht aufbringen kann. Zweitens leistete der nach Eon (39 %) zweitgrößte RAG-Aktionär RWE AG (30 %) Widerstand gegen den Tausch; RWE-Chef Dietmar Kuhnt hat sogar bei Bundeskanzler Gerhard Schröder dagegen interveniert, dass Eon die Ruhrgas-Mehrheit bekommt. Drittens hat das Bundeskartellamt der Eon AG die Ruhrgas-Übernahme verboten; der Konzern hofft jedoch, im Juli eine Ministererlaubnis aus Berlin zu bekommen.

Um das erste Hindernis zu beseitigen, hat Eon der finanzschwachen RAG bereits einen Kreditrahmen von zwei Mrd. Euro zugesagt. Darüber hinaus ist nun nach Angaben aus dem Umfeld der betroffenen Unternehmen geplant, dass RAG die Kraftwerkstochter Steag an RWE verkauft. Das würde weitere zwei Mrd. Euro für den Degussa-Kauf bringen. So würde auch RWE von dem Tausch profitieren - ein Schritt zur Lösung des zweiten Problems.

Übernahme in zwei Schritten

RAG soll Degussa den Angaben zufolge in zwei Schritten übernehmen. Zunächst soll das Unternehmen nach der erhofften Ministererlaubnis ein Übernahmeangebot an die 35 % freien Aktionäre machen. Die zur Mehrheit fehlenden Aktien soll sie dann von Eon erhalten.

Doch all das kann erst umgesetzt werden, wenn sich die Bundesregierung zur Ministererlaubnis durchringt. Staatssekretär Alfred Tacke, der an Stelle des Wirtschaftsministers Werner Müller über die Erlaubnis zu entscheiden hat, würde sich damit über das Kartellamt hinwegsetzen. Die Behörde moniert, dass Eon mit Ruhrgas die dominante Position auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt noch ausbauen würde. Die Monopol-Kommission wird voraussichtlich diese Bewertung unterstützen, wenn sie im Laufe der Woche ihr Gutachten abgibt.

Mit dem Tauschgeschäft mache Eon aber einen wichtigen Schritt, um die Bundesregierung zu einer Ministererlaubnis zu bewegen, verlautete aus Berliner und Düsseldorfer Regierungskreisen. Die Lösung des dritten Problems rückt also näher. Auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) sieht das so. Wichtig sei vor allem, dass die RAG mit dem Tausch eine neue Perspektive bekomme. Der Mischkonzern, der mit der Tochter Ruetgers bereits im Chemiegeschäft aktiv ist, würde sich nach dem Beteiligungstausch auf Chemie und Kohle konzentrieren.

Mit der Mehrheit an Degussa bekäme er Zugriff auf Gewinne, die zur Finanzierung von Subventionen von 100 Mill. Euro im Jahr für den heimischen Steinkohlenbergbau beitragen könnten.

Auch in der Energiebranche heißt es deshalb, Eon habe "einen klugen, aber teuren Schachzug" gemacht und für eine Ministererlaubnis gut vorgearbeitet. Der "Interministerielle Ausschuss" unter Leitung von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, der seit dem Kohlekompromiss von 1997 mit den Subventionsregelungen bis zum Jahr 2005 über Veränderungen des RAG-Beteiligungsportefeuilles befinden muss, hatte vor vier Wochen grünes Licht für den Tausch gegeben.

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