Aufsichtsrat berät Neuausrichtung des Informationsdienstleisters
Hunzinger-Gruppe steht vor ungewisser Zukunft

Moritz Hunzinger, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Hunzinger Information AG, wirkt schlecht gelaunt. "Ich bin jetzt seit 23 Jahren hier, und die letzten drei Monate hat es keinen Spaß gemacht. Dafür bin ich nicht auf der Welt", meint der PR-Profi.

lip HB HAMBURG. Dass der Beziehungskünstler derzeit wenig Freude an seiner Arbeit hat, liegt aber nicht an der Politik. "Da gibt es außer Zuspruch nichts zu hören", beschwichtigt Hunzinger. Dabei war der PR-Manager nach dem Skandal um die Honorare an den inzwischen entlassenen Verteidigungsminister Rudolf Scharping in der Öffentlichkeit erheblich unter Beschuss geraten.

Hunzigers Laune wird vornehmlich durch die Auswirkungen der Skandale auf sein Geschäft getrübt: So hatte beispielsweise der Software-Riese Microsoft die Zusammenarbeit mit Hunzinger nicht verlängert. Der bis zum 31. Juli 2002 gültige Vertrag sei planmäßig ausgelaufen, teilte die deutsche Niederlassung von Microsoft mit. Auch der Aktienkurs von Hunzinger gab weiter deutlich nach. Er sank in den vergangenen drei Monaten von 1,06 auf gestern zeitweise unter 0,70 Euro.

Dass sich Auftraggeber und Anleger offenbar von dem Kommunikationsdienstleister abwenden, stellt vor allem die weitere strategische Ausrichtung des Unternehmens in Frage. Doch wie die Gesellschaft künftig aussehen soll, will Hunzinger nicht verraten. Damit beschäftige sich der Aufsichtsrat, der gestern zusammentraf, wiegelt er ab. "Vielleicht haben wir nachmittags alles filetiert und dann wird aus der Aktiengesellschaft eine Immobiliengesellschaft. Das ist mein Ernst", meinte der Vorstandschef noch vor Beginn der Sitzung.

Die Hunzinger AG besitzt derzeit drei Standbeine. Über die Hunzinger PR organisiert sie Parlamentarische Abende, Politische Salons sowie Pressekonferenzen. Zweites Standbein ist die Hamburger Foto-Agentur Action Press, die unter anderem digitale Bilderdienste anbietet. Drittes Bein ist das Infas-Institut, das unter anderem Meinungs- und Marktforschung betreibt. Welche dieser Gesellschaften langfristig bei Hunzinger bleiben, ist noch unklar.

In einer Mitteilung anlässlich der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen hieß es lediglich, dass der Aufsichtsrat "über mögliche Deinvestments des Unternehmens" berät. An der Börse kursieren hingegen seit Wochen die Spekulationen. Dort ist unter anderem von einem Verkauf von Action Press sowie von Infas die Rede. Hunzinger will dies nicht bestätigen.

Unterdessen droht dem börsennotierten Informationsdienstleister neuer Ärger. Danach wird am 13. November vor dem Landgericht Frankfurt eine Anfechtungsklage gegen Beschlüsse der Hauptversammlung verhandelt, die am 31. Mai stattgefunden hat. Dies bestätigt ein Sprecher des Gerichts dem Handelsblatt.

Die Klage hat Ende Juni der Hunzinger Aktionär Michael Gehrckens eingereicht. Er wendet sich dem Vernehmen nach gegen den Wechsel der Gesellschaft vom Neuen Markt in den Geregelten Markt, die Entlastung des Vorstands und Aufsichtsrats sowie die Wahl neuer Mitglieder in das Kontrollgremium. Ein Rechtsanwalt von Gehrckens wollte hierzu nichts sagen.

An der Hunzinger ist nach letzten Informationen mit 21,01 % die Gold AG-Zack und mit 11,16 % die Agathon GmbH beteiligt. Weitere 31,74 % besitzt der Firmengründer Hunzinger. Die restlichen Aktien sind breit an der Börse gestreut.

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