Aufsichtsrat billigt Konzernumbau
RWE wird deutlich verschlankt

Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE soll kräftig verschlankt werden. Schwerpunkt der am Donnerstag veröffentlichten neuen Konzernstruktur ist die Zusammenführung der bislang getrennten Strom- und Gasaktivitäten sowie der damit einher gehenden Bündelung von Erzeugung und Vertrieb in jeweils einer großen Führungsgesellschaft.

Reuters ESSEN. Von dem Umbau, der mit der Streichung von rund 1000 Stellen verbunden sein soll, verspricht sich RWE bis 2006 jährliche Kosteneinsparungen von 300 Mill. ?. Insgesamt soll die Zahl der Führungsgesellschaften von 13 auf sieben verringert werden. "Unsere starke regionale Kundenorientierung ist der wichtigste Eckpunkt unserer neuen Konzernstruktur", erklärte Vorstandschef Harry Roels im Anschluss an die Sitzung der Aufsichtsräte in Essen.

Den Umbau des Ruhrkonzerns mit seinen zahlreichen Führungsgesellschaften und Zwischenholdings hatte der neue Konzernchef schon kurz nach seinem Wechsel an die Spitze des Konzerns im Frühjahr angekündigt. Überraschend kam die Ankündigung damals nicht, da schon Roels Vorgänger Dietmar Kuhnt nach der milliardenteuren Einkaufstour des vergangenen Jahres die Strategie der Eingliederung und Verschlankung vorgegeben hatte.

Merck Finck-Analyst Philip Bonhoeffer sagte, die Restrukturierung sehe positiv aus. Die angekündigten Kosteneinsparungen von 300 Mill. ? jährlich seien mehr als er erwartet habe.

In die neue Erzeugungsgesellschaft RWE Power werden den Angaben zufolge die bisherigen Geschäftsbereiche Rheinbraun (Braunkohle) und die Steinkohle- und Atomkraftstromerzeugung der ehemaligen RWE Power sowie die auf regenerative Energien spezialisierte Harpen eingegliedert. Die neue Gesellschaft mit einem Umsatz von rund zehn Mrd. ? und rund 26 000 Mitarbeitern soll einen Doppelfirmensitz in Köln und Essen haben.

In der neuen Vertriebsgesellschaft RWE Energy werden die bisherigen Führungsgesellschaften RWE Plus, RWE Gas und RWE Net gebündelt. Dabei sollen die Übertragungsnetze von RWE Net in drei getrennten Gesellschaften für Strom, Gas und das tschechische Ferngasnetz betrieben werden. Mit dieser Lösung habe man die Weichen für die von der EU bis 2007 geforderte Verselbstständigung der Netze (unbundling) gestellt. RWE Energy wird mit rund 42 000 Mitarbeitern über 18 Mrd. ? umsetzen.

In puncto RWE Gas gibt es RWE zufolge noch eine Reihe offener Fragen zu klären. Auch müsse man noch die Zustimmung der kommunalen Aktionäre von RWE Gas einholen. In der Branche hatte es zuvor geheißen, Roels und seine Kollegen hätten bis zur letzten Minute versucht, die Kommunen zu einer Zustimmung zum Umbaukonzept zu bewegen. Die Kommunen, die noch 20 % an RWE Gas halten, fürchteten offenbar, ihren Einfluss zu verlieren.

Weiterhin eigenständig bleiben die beiden britischen Töchter Innogy und Thames Water. Dabei soll die Kooperation des Stromversorgers mit dem Wasserversorger intensiviert werden. Das Handelsgeschäft der RWE Trading bleibt ebenfalls als "Schnittstelle des Konzerns zum Energie-Großhandelsmarkt" auf eigenen Beinen stehen.

RWE hatte in letzter Zeit unter anderem das tschechische Ferngasunternehmen Transgas, den britischen Versorger Innogy und in den USA American Water Works übernommen. In Deutschland hat das Essener Unternehmen zusätzlich zahlreiche Beteiligungen an Stadtwerken erworben. Auch der große Düsseldorfer RWE-Konkurrent E.ON arbeitet derzeit an einer neuen Konzernstruktur. Sie soll im August vorgestellt werden. Die RWE-Aktie notierte am Nachmittag rund 0,4 % schwächer bei 26,70 ?.

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