Aufsichtsrat entscheidet heute über die Zukunft der Kölner Telefongesellschaft
Arcor muss Kosten senken und opfert dafür die Marke Otelo

Die Zukunft der Kölner Telefongesellschaft Otelo scheint besiegelt: Nach Informationen aus Unternehmenskreisen soll die Marke ganz vom Markt verschwinden, die Mitarbeiter sollen ab Januar 2002 in die Muttergesellschaft Arcor integriert werden. Dies sehen nach Handelsblatt-Informationen die Pläne von Arcor-Chef Harald Stöber vor. Otelo gehört seit 1999 zur Arcor-Gruppe, der Festnetztochter des britischen Konzerns Vodafone.

cha/slo DÜSSELDORF. Offiziell wollte Arcor das geplante Aus von Otelo nicht kommentieren. Man werde nach der für heute vorgesehenen Aufsichtsratssitzung über die Zukunft von Otelo entscheiden. Nach Informationen aus dem Unternehmen werden bereits heute auf einer Versammlung die knapp 600 Beschäftigten von den Veränderungen informiert. Am Donnerstag sollen die rund 1,2 Millionen Otelo-Kunden offiziell erfahren, dass sie künftig unter der Marke Arcor telefonieren werden. Für die Umstellung bekommen sie einmalig 10 DM gutgeschrieben.

Wie aus dem Unternehmen verlautete, steht Arcor-Chef Stöber unter enormem Druck, die Ergebnisse seines Unternehmens zu verbessern und es für einen Börsengang vorzubereiten - angesichts der Probleme im Festnetzgeschäft ein schwieriges Unterfangen. Die Margen in dem Sektor sind kontinuierlich gesunken. Arcor muss sich neben dem Marktführer Deutsche Telekom behaupten und bekommt dem Vernehmen nach nicht die notwendige Unterstützung des Mutterkonzerns Vodafone, der sich auf den Mobilfunk konzentriert. Im ersten Halbjahr dieses Jahres hat die Arcor-Gruppe mit 793 Mill. Euro weniger umgesetzt als im Vorjahreszeitraum. Der für das Jahresende geplante Break-even scheint dadurch gefährdet. Da der Preisverfall nicht ohne weiteres durch Wachstum kompensiert werden kann, will Stöber jetzt offenbar die Kosten senken und dafür die Marke Otelo opfern, die in Umfragen bisher höhere Sympathiewerte erhält als Arcor.

Otelo soll immer benachteiligt worden sein

Bei Otelo sind seit längerem Klagen über die Beziehungen zur Mutter laut geworden. Die Tochter sei im internen Konkurrrenzkampf immer benachteiligt worden. Beispielsweise müsse Otelo weitaus höhere Gebühren für die Nutzung des Telekom-Netzes zahlen, als Arcor selbst an die Telekom abführen müsse. Der Deckungsbeitrag nach Netzkosten falle daher bei Otelo mit 20 % wesentlich geringer aus als bei Arcor mit 70 %. Das lasse Otelo sehr unwirtschaftlich aussehen, klagt ein Mitarbeiter. Dabei sei der durchschnittliche Umsatz der Otelo-Kunden mit 19 Euro um einiges höher als der der Arcor-Kunden (16 Euro). Die Ineffizienzen gebe es eher bei Arcor als bei Otelo.

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