Aufsichtsrat "fackelte" nicht lange
Für die Allianz beginnt eine neue Ära

F ür die Allianz ist die Übernahme der Dresdner Bank der Beginn einer neuen Ära in der 111-jährigen Konzerngeschichte. Mit dem milliardenschweren Zukauf mausert sich das Unternehmen zum ersten Allfinanzkonzern in Deutschland, der Finanz- und Versicherungsprodukte aus einer Hand anbietet. Größere Diskussionen gab es im Allianz-Aufsichtsrat trotz der Tragweite der Entscheidung nicht. "Wir waren uns alle einig", sagte ein Aufsichtsrat hinterher. So ging die Entscheidung, wie üblich bei der Allianz, schnell und still über die Bühne. Nach nicht einmal drei Stunden konnten sich die Aufsichtsräte nach Informationen aus dem Gremium am Samstagabend wieder auf den Heimweg machen. Das Übernahmeangebot für die freien Aktionäre werde bei etwa 53 ? liegen, verlautete aus dem Aufsichtsrat.

dpa-afx MÜNCHEN. Erst vor wenigen Tagen hatten sich die Gerüchte über eine Übernahme der Dresdner durch die Allianz verdichtet. Über mehrere Wochen konnte Konzernchef Henning Schulte-Noelle die Verhandlungen geheim halten. "Auch wir wurden, wie eigentlich meistens, im Vorfeld nicht informiert", klagte ein Aufsichtsrat. Doch ein zu frühes Bekanntwerden, sind sich Branchenkreise einig, hätte die Übernahme verhindern oder deutlich teurer machen können.

Für Schulte-Noelle und seinen Finanzvorstand Paul Achleitner stand nach Einschätzung in Branchenkreisen viel auf dem Spiel. Nach den geplatzten Bankenfusionen im vergangenen Jahr musste es diesmal klappen. Gerade Achleitners Ruf war angeschlagen. Als der Österreicher im Herbst 1999 von Goldman Sachs zur Allianz wechselte, war er ein gefeierter Investmentbanker. Vereinzelt wurde nun bereits spekuliert, das Verhältnis zwischen Schulte-Noelle und Achleitner sei spürbar abgekühlt.

Wenn nichts mehr dazwischenkommt, hat sich Achleitner mit dem Dresdner Bank-Coup jetzt eindrucksvoll zurückgemeldet. Intern wurde das Projekt Dresdner Bank-Übernahme laut übereinstimmenden Presseberichten mit dem Codenamen "Umbrella" versehen. Die Allianz soll der Schirm sein, unter den sich die Dresdner Bank stellen soll. Die Dresdner Bank weiß endlich, wohin die Reise geht und muss vermutlich weniger Filialen schließen, als bisher geplant. Die Beteiligten seien sich einig gewesen, dass die Allianz mit der Übernahme ihren Vertrieb ausbauen und neue Geschäftsfelder erschließen könne. Wegen der unterschiedlichen Schwerpunkte der beiden Konzerne erfolge der Zusammenschluss nicht aus Synergiegründen. Daher sei der Abbau von Arbeitsplätzen kein Thema.

Lob für die strategische Perspektive

Strategisch mache die Übernahme der Dresdner Bank Sinn, wurde Schulte-Noelle bei der Aufsichtsratssitzung von allen Seiten gelobt. Für die Arbeitnehmer-Vertreter besonders wichtig: Da es kaum Überschneidungen bei den beiden Konzernen gibt, sind Arbeitsplätze kaum in Gefahr.

Nach Einschätzung von Branchenkennern ist das Risiko für die Allianz bei der Übernahme der Dresdner überschaubar. Den Kaufpreis von etwa 23 Mrd. ? will der Konzern weitgehend mit eigenen Aktien und durch den Tausch von Beteiligungen bezahlen. Dabei kommt man auch gleich bei der mit der Münchener Rück vereinbarten Entflechtung gemeinsamer Beteiligungen ein gutes Stück voran. Die Münchener Rück will ihr Engagement bei der Hyp-Vereinsbank nach Angaben eines Sprechers auf 26 % aufstocken.

Einstieg oder sogar Übernahme von Consors

Mit dem Dresdner Bank-Coup ist der Expansionsdrang der Allianz noch lange nicht gebremst. Schon sind neue Akquisitionskandidaten im Gespräch. Den Nürnberger Discount-Broker Consors habe Achleitner ins Visier genommen, berichteten Medien am Wochenende. Schließlich ist der Konzern seit seiner Gründung schon immer vor allem durch Übernahmen und Kooperationen zur weltgrößten Versicherung geworden. Damit könnte der neue Allfinanz-Konzern durch einen etablierten Online-Broker ergänzt werden. Zur Dresdner Bank gehört bereits die Advance Bank.

Der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Frank Heintzeler, sagte der "Welt am Sonntag", der Privatkunde könne von der Verschmelzung von Banken und Versicherungskonzernen profitieren. "Die neuen und alten Finanzdienstleister werden sich verstärkt mit einem allumfassenden Finanzdienstleistungsangebot um sie bemühen." Auch der Mittelstand habe keine negativen Auswirkungen zu befürchten.

Bei einer Übernahme durch die Allianz könnte nach den Worten des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden der Dresdner Bank, Peter Haimerl, rund die Hälfte jener 200 Bank-Filialen gerettet werden, die eigentlich nach einem Strategiepapier der Bank aufgelöst werden sollten. Haimerl sagte nach einem Gespräch mit Fahrholz der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", die Allianz setze auf einen starken Vertrieb über das Geschäftsstellennetz der Dresdner für ihre Produkte. Daher gehe man davon aus, dass die Reduzierungspläne nicht in vollem Umfang umgesetzt würden.

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