Aufsichtsrat fordert Verkauf des lukrativen Pazifikgeschäfts
United greift zum Tafelsilber

Die ins Trudeln geratene zweitgrößte Fluggesellschaft der Welt denkt über tiefe Schnitte nach, um wieder auf die Beine zu kommen. Wichtige Gremien fordern United Airlines sogar zur Aufgabe des gesamten Asiengeschäfts auf. Auch die Schließung von Drehkreuzen steht auf der Tagesordnung des Lufthansa-Allianzpartners.

NEW YORK. Die schwer angeschlagene US-Fluggesellschaft United Airlines hat erstmals konkrete Pläne zur Sanierung genannt. Aufsichtsrat und Gläubigerausschuss hätten die Schließung der Flughafen-Drehkreuze in Los Angeles, Denver und Washington gefordert, sagte United-Vizepräsident Gregory Taylor vor einem Konkursgericht in Chicago. Außerdem solle United ernsthaft den Verkauf des Geschäfts im Pazifik überdenken. Ein United-Sprecher bestätigte die Forderungen gegenüber dem Handelsblatt. "Wir diskutieren derzeit alle Möglichkeiten zur Kostensenkung", sagte er. Es gebe derzeit jedoch keine Pläne, einen der fünf Hubs zu schließen oder das Pazifikgeschäft aufzugeben. Die Forderungen aus den beiden Gremien machen jedoch deutlich, dass es bei der Sanierung nicht mehr um kleine Einschnitte geht, sondern um grundsätzliche, radikale Veränderungen für das hochdefizitäre Geschäft der Airline.

Vor dem Hintergrund der anhaltend desaströsen Lage im US-Luftverkehr bleibt dem Unternehmen nach Meinung vieler Branchenbeobachter kaum eine andere Chance. Die Muttergesellschaft von United Airlines, UAL Corp., verbuchte im Vorjahr einen horrenden Verlust in Höhe von 3,2 Mrd. $ und musste im Dezember 2002 Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Konkursrechts beantragen. Damit erhält die Fluglinie eine Chance zur Gesundung, ohne in der Zwischenzeit ihre Gläubiger bedienen zu müssen. Nach wie vor ist jedoch unklar, wie die zweitgrößte Fluggesellschaft der Welt in einem derart widrigen Umfeld die Wende schaffen will. Branchenexperten fürchten, dass im Falle eines Irak-Kriegs der ohnehin schwache Passagierverkehr noch einmal um 20 % einbrechen könnte.

Die geforderte Aufgabe des wachsenden und von der Luftfahrtkrise kaum betroffenen Asiengeschäfts käme dem Verkauf von Tafelsilber gleich. United ist besonders auf Tokios Flughafen Narita stark vertreten und hat in Märkten wie Japan, Korea oder Hongkong hohe Marktanteile. "Das ist ein Filetstück - neben dem Nordatlantikverkehr das Werthaltigste, was United zu bieten hat", sagte Thomas Köhler, Luftfahrtexperte der Boston Consulting Group. Weil das Unternehmen mit dem Rücken zur Wand stehe, würde ein Verkauf aus seiner Sicht jedoch nicht überraschen.

Auf die Lufthansa, den engsten United-Partner im globalen Flugbündnis Star Alliance, hätte ein derartiger Schritt keine gravierenden Auswirkungen. Berührungspunkte im Allianz - Netzwerk gibt es dort kaum, weil die Deutschen ihre Asienziele direkt auf der östlichen Route anfliegen. Lufthansa-Chef Jürgen Weber hat zuletzt wiederholt betont, die operative Zusammenarbeit mit United zwar ausbauen zu wollen. Hilfszahlungen für United schließt der Kranich-Konzern jedoch weiterhin aus.

Um sich im US-Verkehr besser behaupten zu können, hat United angekündigt, einen eigenen Billig-Ableger unter dem Arbeitstitel Starfish gründen zu wollen. Das trifft jedoch nicht nur bei der Belegschaft auf harten Widerstand, die eine Aushöhlung des Unternehmens fürchtet. Auch Experten sind äußerst skeptisch. "Bisher sind alle Versuche großer Airlines fehlgeschlagen, eigene Billig-Linien zu gründen", sagte Blair Pomeroy, Luftfahrtexperte der Unternehmensberatung Accenture. Für die Mitarbeiter wird es in jedem Falle hart: In drei Wochen läuft die Frist für die Gehaltsverhandlungen aus. Danach will das United-Management das Gericht bitten, alle bestehenden Arbeitsverträge aufzulösen. Das Unternehmen könnte dann seine eigenen Bedingungen besser durchsetzen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%