Aufsichtsrat-Sondersitzung am 2. Juli
WestLB: BaFin-Prüfbericht offenbar sehr negativ

Der mit Spannung erwartete Prüfbericht der Bankenaufsicht zu einem verlustreichen Auslandsgeschäft der WestLB AG ist offenbar sehr negativ für das Kreditinstitut ausgefallen.

vwd/rtr DÜSSELDORF. In gut unterrichteten Kreisen war am Freitag von einem "Horrorszenario" die Rede. Der Bericht sei inzwischen den Mitgliedern des WestLB-Aufsichtsrats zugestellt worden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat darin das Engagement der Bank bei dem britischen TV-Geräteverleih BoxClever untersucht, das bei der WestLB für das vergangene Jahr einen zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf von 430 Mill. Euro verursacht hat.

Der Ausgang der Sonderprüfung könnte über die Zukunft von Bankchef Jürgen Sengera und weiteren Vorstandsmitgliedern entscheiden. Die WestLB hatte bereits angekündigt, der Aufsichtsrat werde sich bei einer Sondersitzung am 2. Juli mit dem Prüfbericht und möglicher Konsequenzen befassen.

"Es werden Mängel aufgezeigt", hieß es in den Branchenkreisen am Freitag unter Berufung auf den Bericht weiter, den die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young im Auftrag des BaFin erstellt hatten. Den Kreisen zufolge rügt der Bericht das Vorgehen in der Risikoeinschätzung und-kontrolle der Bank. Der Bericht war am Mittag Aufsichtsratsmitgliedern der Bank überstellt worden. Unmittelbare personelle Konsequenzen würden aber in dem Bericht nicht gefordert, hieß es weiter.

Über diese könnte aber der Aufsichtsrat in seiner Sondersitzung entscheiden. Zuvor soll in der kommenden Woche der Risiko- und Prüfungsausschuss des Instituts über den umfangreich ausgefallenen Bericht beraten, der derzeit noch im Aufsichtsrat ausgewertet wird. Ein WestLB-Sprecher wollte diese nicht kommentieren und verwies auf die anstehende Sondersitzung des Aufsichtsrats.

Saunders-Aktivitäten Grund für Sonderprüfung

Grund für die Sonderprüfung der BaFin sind umstrittene Aktivitäten der für die WestLB in London tätigen Investmentbankerin Robin Saunders. Sie gilt als verantwortlich für Millionenverluste in Zusammenhang mit der von ihr betreuten britischen Leasinggesellschaft Boxclever. Die Bank wies für 2002 einen Vorsteuerverlust von rund 1,7 Mrd.? aus, nachdem sie Ende Februar noch von rund einer Milliarde Euro Verlust ausgegangen war. Die BaFin hatte die Sonderprüfung von Saunders-Geschäften eingeleitet, weil die WestLB-Bankerin für die Vermittlung von Krediten offenbar mit besonders günstigen Aktien der betreffenden Firmen belohnt wurde. Das Interesse der Prüfer galt auch der Frage, ob die Risikovorsorge für die teilweise hochriskanten Geschäfte von Saunders und die Kontrolle ihrer Tätigkeiten ausreichend war.

Saunders selbst prüft einen Erwerb des von ihr geführten Finanzierungsgeschäfts des Düsseldorfer Bankhauses. In mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen hatte es geheißen, Saunders habe die Investmentbank Houlihan Howard&Zukin hinzugezogen, die sie beim Kauf eines Teils des WestLB-Finanzierungsgeschäftes beraten solle. WestLB-Chef Sengera hatte kürzlich angekündigt, die Bank lasse derzeit den Wert des von Saunders geführten Portfolios durch zwei Investmentbanken bewerten. Dies biete viele Optionen, auch einen Verkauf.

Aus den Reihen der Minderheitsaktionäre der West LB-Mutter Landesbank NRW war zuletzt Unmut über die Geschäftspolitik des Düsseldorfer Bankhauses geäußert worden. In der vergangenen Woche hatte unter anderem der Vorstandschef der Stadtsparkasse Köln, Gustav Adolf Schröder, bei der Jahresversammlung des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes (RSGV) eine "Rückbesinnung auf das Kerngeschäft" gefordert und dabei viel Beifall erhalten. Auch in den Landschaftsverbänden Rheinland sowie Westfalen-Lippe war Kritik laut geworden. In Kreisen der Minderheitsaktionäre hieß es bereits, der Prüfbericht sei ein "dickes Ding". Ein Sprecher der nordrhein-westfälischen CDU dementierte indes, dass Vertreter der Partei bereits ein Nachfolger für Sengera suchten.

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