Aufsichtsrat steht weiter hinter dem Vorstandsvorsitzenden der krisengeschüttelten Filmrechtefirma
EM.TV-Chef Thomas Haffa lehnt Rücktritt ab

Thomas Haffa, Vorstandsvorsitzender der angeschlagenen Filmrechtefirma EM.TV, lehnt einen Rücktritt wegen des ungenehmigten Verkaufs von Aktien im Wert von annähernd 40 Millionen DM ab. Der umstrittene EM.TV-Chef weiß dabei den Aufsichtsrat auf seiner Seite.

HB MÜNCHEN/DÜSSELDORF. EM.TV kommt nicht zur Ruhe. Nach Gerüchten um einen Rücktritt von Thomas Haffa, Vorstandschef und Großaktionär der EM.TV & Merchandising AG, Unterföhring, sank der Aktienkurs gestern um mehr als 3 % auf rund 6 Euro. Ein EM.TV-Sprecher dementierte den Rücktritt des umstrittenen Firmenchefs. Haffa fühlt sich sicher und genießt weiter das Vertrauen des Aufsichtsrats.

Ob die Banken West LB Panmure, Düsseldorf, und Merrill Lynch, Frankfurt, privatrechtliche Schritte gegen dem EM.TV-Chef unternehmen, ist völlig offen. Ein Sprecher der West LB betonte, dass die "Marktschutzklausel", die die kritisierten Aktienverkäufe hätte verhindern sollen, keine unmittelbar rechtlichen Sanktionen vorsehe. Ob die Bank privatrechtliche Schritte gegen den EM.TV unternimmt, wollte die West LB nicht kommentieren.

Haffa hatte am Dienstag zugegeben, ohne die Genehmigung der beiden Konsortialbanken Mitte Februar 200 000 Aktien im Wert von rund 100 Euro pro Stück verkauft zu haben. EM.TV erreichte sein Jahreshoch am 14. Februar 2000 bei 144,90 Euro. Das Tief lag 2000 bei 4,03 Euro. Anlässlich einer Kapitalerhöhung im November 1999 wurde aber laut Börsenprospekt folgende "Marktschutzklausel" vereinbart: "Die Aktionäre Thomas und Florian Haffa haben sich gegenüber dem Bankenkonsortium verpflichtet, ohne vorherige schriftliche Zustimmung der Globalen Koordinatoren innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten ab dem Datum der Aufnahme des Handels der Aktien im Neuen Markt (...), keine Aktien direkt oder indirekt anzubieten, zu veräußern, dieses anzukündigen oder sonstige Maßnahmen zu ergreifen, die einer Veräußerung wirtschaftlich entsprechen." Haffa behauptet, in einem Telefongespräch mit der West LB den Verkauf innerhalb der Sperrfrist von sechs Monaten erwähnt zu haben.

Das Klima ist gereizt. Dutzende von Anlegern lassen derzeit prüfen, welche juristischen Schritte gegen Thomas Haffa und den früheren Finanzchef Florian Haffa, der ebenfalls EM.TV-Papiere in unbekannter Höhe verkauft hatte, unternommen werden können. EM.TV versuchte am Mittwoch die Wogen zu glätten. Michael Birnbaum, Sprecher der krisengeschüttelten Firma, erklärte, dass den Anlegern durch Thomas Haffas Aktienverkauf Mitte Februar 2000 kein Schaden entstanden sei.

Rechtsanwalt Andreas Tilp aus Kirchentellinsfurt, der zurzeit die Erfolgsaussichten einer Klage der Aktionäre aus Prospekthaftung prüft, erklärte, das Eingeständnis des EM.TV-Vorstands bestätige, was bereits klar war: Zum Zeitpunkt, als Haffa die Aktien verkaufte, habe er gegen die Vereinbarung im Geschäftsbericht verstoßen, da EM.TV keinen korrigierenden Nachtrag geliefert habe. Haffas Äußerungen stützten daher einen möglichen Anspruch gegen EM.TV und Haffa persönlich, da veröffentlichte Geschäftsberichte auch zu den Prospekten gehörten. Tilp will auch die Konsortialbanken mit ins Boot holen, die seiner Auffassung nach ebenfalls für die Prospekte verantwortlich sind, wenn sie von dem Verstoß gegen die Lock-Up-Klausel wussten. Da Haffa nach eigener Aussage von "institutionellen Kreisen" und "strategischen Investoren" zum Verkauf der Aktien gedrängt worden sei, könne Tilp sich nicht vorstellen, dass die WestLB davon nichts gewusst habe.

Diese Ansicht teilt sein Kollege Klaus Rotter aus Grünwald nur bedingt: Er räumt Ansprüchen aus Prospekthaftung nur geringe Aussichten auf Erfolg ein. Rotter setzt auf deliktische Schadensersatzansprüche. Der Anwalt meint, dass die EM.TV AG mit ihrer Gewinnprognose die Anleger getäuscht habe oder diese Täuschung zumindest "billigend in Kauf" genommen hätten. Am kommenden Montag tritt der Vorstand zusammen und am Dienstag wird der Aufsichtsrat unterrichtet. Nickolaus Becker, Chef des Kontrollgremiums, erklärte am Mittwoch: "Thomas Haffa hat das volle Vertrauen des Aufsichtsrates." Die anderen beiden Aufsichtsratsmitglieder, Ex-West-LB-Vorstand Axel Kollar und der frühere Kirch-Rechtsexperte Matthias Schwarz, waren am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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