Aufsichtsrat tagt am Donnerstag
Bayer steht vor ungewisser Zukunft

Für Bayer-Chef Manfred Schneider ist die Sache klar: "Die Pharmasparte des Unternehmens wird nicht verkauft", wiederholt der Vorstandsvorsitzende in diesen Tagen fast schon gebetsmühlenartig. Doch seit der spektakulären Rücknahme des Cholesterinsenkers Lipobay steht die Frage nach künftigen Strategien im Pharmabereich mehr denn je im Raum: Wie will sich Bayer künftig in der Sparte aufstellen, nachdem Milliardenumsätze über Nacht weggebrochen sind?

dpa LEVERKUSEN. Wenn der Aufsichtsrat an diesem Donnerstag zusammentritt, könnten Weichen für die künftige Ausrichtung des Chemie- und Pharmariesen tatsächlich neu gestellt werden. Zumindest Eckpunkte der Strategie will der Vorstand nach Informationen aus Branchenkreisen dem Kontrollgremium präsentieren.

"Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich nicht so viel ändert", gibt sich Andreas Theisen, WestLB-Analyst für Pharmawerte, eher skeptisch. Nichts Spektakuläres von der Sitzung der Räte erwartet auch sein Kollege Nasseer Banju von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. "Das Unternehmen wird sich Zeit lassen mit einer grundlegenden Entscheidung".

Branchenbeobachter rechnen unterdessen fest damit, dass Bayer seine Vier-Säulen-Strategie (Gesundheit, Landwirtschaft, Chemie, Polymere) nicht aufgeben wird. Forderungen des Kapitalmarktes nach einer Aufteilung des Konglomerats hatte Schneider bislang eine klare Abfuhr erteilt. Und die Lipobay-Affäre sieht er geradezu als Argument für das gemischte Bayer-Portfolio.

Denn durch die Rücknahme des Medikaments wäre ein aufgeteilter Konzern ungleich härter getroffen worden, glaubt Schneider. Auch sein Nachfolger, den die Aufsichtsräte am Donnerstag ebenfalls ernennen wollen, wird diesen Kurs voraussichtlich fortsetzen. Werner Wenning, Finanzvorstand und Topfavorit auf den Posten des Konzernchefs, hat die Strategie eines integrierten chemisch-pharmazeutischen Konzerns bislang mitgetragen.

Doch seit dem 8. August ist bei Bayer die Welt nicht mehr in Ordnung. An dem Tag schockierte das Unternehmen die Öffentlichkeit mit der Ankündigung, den Cholesterinsenker Lipobay wegen möglicher tödlicher Nebenwirkungen vom Markt zu nehmen. Die Folgen: Binnen weniger Tage verlor die Aktie fast ein Viertel ihres Werts. Strafanzeigen wurden erstattet und Schadenersatzklagen angekündigt.

Angesichts der Reaktionen verschob Bayer den für Ende September geplanten Börsengang in den USA. Für die Bayer-Aktionäre folgte eine weitere Hiobsbotschaft: Wegen der Ergebnisbelastungen müsse die Dividende für 2001 gekürzt werden. Dabei hatten die Leverkusener ihre Anteilseigner in den vergangenen Jahren stets mit Höchstgewinnen und Rekorddividenden verwöhnt.

Die gesamte Pharmasparte komme auf den Prüfstand, kündigte Schneider an. Und schon begann die Gerüchteküche zu brodeln. Als mögliche Käufer wurden nur die ersten Adressen der Branche genannt: Glaxo Smith-Kline, Novarits und Pfizer, American Home Products, Roche oder Aventis.

Bayer könne seine Pharma-Sparte gegen die Aktitiväten von Aventis im Pflanzenschutzbereich tauschen, hieß ein anderes Gerücht. Dass die Leverkusener die Aventis-Tochter CropScience übernehmen, ist so gut wie sicher - aber nicht in einem Tauschgeschäft. Die Akquisition ist mit 7,5 Mrd. Euro die teuerste der Firmengeschichte, aber sie bringt Bayer an die Weltspitze.

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