Aufsichtsrat tagt am Mittwoch
Bahnchef Mehdorn drückt aufs Tempo

Die Deutsche Bahn ist im Umbruch. Sechs Jahre nach der Bahnreform wird an allen Ecken und Enden "gebaut". Auf seiner letzten Sitzung in diesem Jahr wird sich der Aufsichtsrat des größten europäischen Verkehrsunternehmens an diesem Mittwoch mit einigen Neuerungen befassen müssen.

dpa BERLIN. Da ist zum einen die veränderte Finanzplanung. In diesem Jahr wird die Bahn bei einem Umsatz von mehr als 15,3 Mrd. Euro weitaus weniger Verluste machen als bisher eingeplant: Statt einer Dreiviertel Milliarde DM wohl nur eine halbe Milliarde DM. Die Bahn bestätigt diese Zahlen nicht. Dass die Finanzlage besser als erwartet ist, hatte sich aber schon vor Monaten abgezeichnet. Für 2002 muss der Aufsichtsrat das Budget am Mittwoch genehmigen. Steigende Umsätze sollen in den kommenden Jahren ausgleichen, dass die Kosten nicht so stark sinken wie geplant. Enorme Investitionen reißen die Bilanz in die roten Zahlen.

Loks und Waggons, Gleise und Stellwerke sind in der gesamten Republik veraltet. Das will Bahnchef Hartmut Mehdorn mit Milliarden- Investitionen so schnell wie möglich beheben. Nach einigen Verzögerungen will er jetzt Vollgas geben. Ab durch das Tal der Tränen, um dann vielleicht schon von 2003 an "nachhaltig profitabel zu sein". Auf dem Weg wird es mehr Schulden geben als bisher geplant.

Die überarbeitete Finanzplanung bis 2005 wird im Aufsichtsrat für einigen Zündstoff sorgen, sind darin doch auch Mehrkosten für umstrittene Großprojekte wie den Lehrter Bahnhof in Berlin enthalten. Auf den Tisch kommen dürfte auch das Großprojekt "Stuttgart 21". Sowohl Gewerkschaftschef Norbert Hansen als auch der Verkehrsexperte der Grünen, Albert Schmidt, beide im Aufsichtsrat, äußerten sich skeptisch. "Man muss sich gründlich überlegen, ob man das Risiko eines neuen Milliardenlochs wirklich eingehen will", sagte Schmidt. Bescheidenere Varianten müssten zumindest geprüft werden.

Heiße Diskussionen sind auch über den geplanten Stellenabbau im kommenden Jahr zu erwarten. Ende 2001 hat die Bahn noch 214 000 Beschäftigte - rund 8 000 weniger als am Jahresanfang.

Sanierung geht nicht so schnell voran wie gewünscht

Trotz großer Umbrüche geht die Sanierung nicht so schnell wie gewünscht voran. In diesem Jahr können die Milliardenzuschüsse des Bundes nicht ganz verbaut werden. Jetzt ist Bauen und Planen Chefsache, in direkter Verantwortung Mehdorns in einer neuen Gesellschaft gebündelt. Unter ihm soll es einen Generalbevollmächtigen geben, der wohl am Mittwoch berufen wird.

Dem bisher für Investitionen zuständigen Vorstand der DB Netz AG, Thilo Sarrazin, hatte Mehdorn nach einem Streit über die Bundesmittel für den Netzausbau den Laufpass gegeben. "Wir haben gesagt, das bringt auf Dauer nichts, wenn einer in einer Mannschaft steckt, sich mit seinen Kollegen nicht verträgt und glaubt, alles besser zu wissen als die anderen", erläuterte er in einem dpa-Gespräch. Nach Vorwürfen Sarrazins, die Finanzplanung der Bahn sei geschönt, fordert die FDP jetzt eine Sonderprüfung.

Auch im Konzernvorstand räumt Mehdorn auf: Personalchef Horst Föhr und Bahnhöfe-Chef Dieter Ullsperger verlassen das Spitzengremium. Während Ullspergers Aufgaben an Mehdorn gehen, wird Föhrs Nachfolger am Mittwoch berufen. Föhr wird Chef einer DB-Tochter für Gebäudeverwaltung - abgeschoben heißt es in der Branche.

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