Aufsichtsrat tagt am Mittwoch
Gewinneinbruch bei Deutscher Bank im Quartal erwartet

Die Deutsche Bank wird nach Einschätzung von Analysten wegen der schwachen Weltwirtschaft und dem schlechten Umfeld an den Kapitalmärkten im dritten Quartal einen deutlichen Ergebniseinbruch verzeichnen.

Reuters FRANKFURT. Auch die größte Bank Deutschlands könne sich nicht dem allgemeinen Trend entziehen, stehe aber beim Ergebnis und der strategischen Ausrichtung immer noch deutlich besser da als seine deutschen Mitbewerber. Auch einen großangelegten Stellenabbau, wie bei HypoVereinsbank, Commerzbank und der zum Allianz-Konzern gehörenden Dresdner Bank werde die Deutsche Bank wohl nicht bekannt geben. Es ist aber denkbar, dass der Aufsichtsrat am Mittwoch in Berlin zusätzliche Stellenstreichungen zumindest erörtert. Ihre Zahlen will die Bank am Donnerstag vorlegen.

17 von Reuters befragte Analysten gehen im Schnitt von einem Rückgang des Gewinns nach Steuern im dritten Quartal um 49 % auf 299 (Vorjahresquartal 581) Mill. Euro aus. Das Vorsteuerergebnis wird den Schätzungen zufolge um rund 40 % auf 466 Mill. Euro sinken. "Die Deutsche Bank arbeitet im gleichen Umfeld wie die anderen und wird sich dem allgemeinen Trend nicht entziehen können", sagte Georg Kanders von WestLB Panmure. Dennoch gilt die Bank unter Analysten als die deutsche Bankenadresse, die gegen das schwache Umfeld am besten gewappnet ist: "Bei einem Wirtschaftswachstum nahe Null in Deutschland und der Gefahr einer weiteren Abschwächung gehen wir davon aus, dass die Investoren eine Bank bevorzugen werden, die über die Finanzkraft und die notwendige Diversifikation ihrer Geschäfte verfügt, um dem Abschwung und potenziellen Kreditrisiken am besten widerstehen zu können", heißt es in einem Kommentar von Schroder Salomon Smith Barney.

Bereits veröffentlichte Zwischenergebnisse von Hypovereinsbank und Commerzbank waren von sinkenden Erträgen und einer erhöhten Risikovorsorge geprägt. Beide Häuser hatten umfangreiche Stellenkürzungen angekündigt. So will die Commerzbank bis 2003 rund 3 400 ihrer insgesamt 40 000 Arbeitsplätze streichen. Dabei wird das Haus erstmals in seiner Geschichte auch um betriebsbedingte Kündigungen nicht herum kommen.

Ähnlich drastische Schritte sind bei der Deutschen Bank nach Einschätzung von Experten nicht zu erwarten, obwohl das Geldhaus wie andere Banken auch unter dem Druck steht, bei sinkenden Erträgen die Kosten zu reduzieren. Bankchef Rolf Breuer hatte vor drei Wochen allerdings eingeräumt, dass die Bank bis 2003 möglicherweise mehr als die bislang angekündigten 2600 Stellen streichen werde.

"Der Personalabbau bei der Deutschen Bank ist schon weiter fortgeschritten als bei anderen deutschen Großbanken", sagte Kanders. Gerade beim Filialgeschäft der Deutsche Bank 24 sei der Konzern weiter als die Konkurrenz. Auch sei davon auszugehen, dass die Deutsche Bank über die Stärke verfüge, in anderen wichtigen Bereichen - wie etwa dem Investmentbanking - kein Personal abzubauen, sondern eine Besserung der Situation abzuwarten. "Im Investmentbankbereich werden sie wohl eher noch Personal aufbauen", sagte Kanders. Auch andere Analysten gehen davon aus, dass die Deutsche Bank das schwache Umfeld ausnutzen und Teams von anderen Banken abwerben könnte.

Gerade im Investmentbanking trauen Analysten der Bank auch im dritten Quartal vergleichsweise starke Ergebnisse zu, die die gefestigte Rolle der Bank im internationalen Geschäft unterstreichen könnten. Auch insgesamt müsse die Deutsche Bank wohl mehr mit Häusern wie UBS oder Credit Suisse verglichen werden als mit ihren deutschen Konkurrenten. Ihre Position im internationalen Investmentbanking hatte die Bank in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut.

Aufschluss erhoffen sich Analysten von den Zahlen auch über die Auswirkungen der Anschläge in den USA vom 11. September. Einige Aktivitäten der Bank waren durch die Zerstörung des World Trade Centers und umliegender Gebäude in New York stark beeinträchtigt worden. Allerdings wird davon ausgegangen, dass ein Großteil des entstandenen Schadens durch Versicherungen gedeckt wird.

Breuer hatte die Aussichten für seine Bank angesichts des weiter schwachen Geschäftsumfeldes im vierten Quartal in der Vergangenheit aber bereits deutlich gedämpft. Auf die Frage nach den Aussichten seines Hauses für das vierte Quartal hatte er Mitte September gesagt: "Schwach.

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