Aufsichtsrat tagt – Führungswechsel rückt näher
Opel fährt auch 2000 in die Verlustzone

Die vorzeitige Ablösung von Opel-Chef Robert Hendry (Foto) scheint nur noch eine Frage der Zeit. Auch im vergangenen Jahr sah der Autohersteller von der Konkurrenz nur die Rücklichter. Wenn der US-Manager am Mittwoch die Bilanz 2000 vorlegt, wird Opel einen Jahresfehlbetrag ausweisen. 1999 stand in der Bilanz ein Jahresfehlbetrag von 81 Mill. DM.

HB FRANKFURT/M. Beim Betriebsergebnis schneidet Opel noch viel schlechter ab. Wie in den Vorjahren wird auch für 2000 ein Minus in dreistelliger Millionenhöhe erwartet. Der Opel-Vorstandsvorsitzende Robert Hendry hatte noch zu Beginn des vorigen Jahres gesagt, das Unternehmen werde 2000 wieder Gewinne schreiben.

Unmittelbar vor der Bilanzpressekonferenz kommt der Opel-Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung zusammen. Wie es bei der GM-Tochter dazu heißt, soll über die Zukunft des angeschlagenen Vorstandsvorsitzenden Hendry beraten werden. Seit Wochen wird darüber spekuliert, dass der Amerikaner seinen bis 2003 laufenden Vertrag nicht mehr erfüllen werde. Als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge gilt der frühere BMW-Produktionsvorstand Carl-Peter Forster. BMW will Forster jedoch nicht sofort aus dem weiter gültigen Vertrag entlassen. Deshalb würde der stellvertretende Opel-Vorstandschef Wolfgang Strinz nach einem Hendry-Ausscheiden befristet an die Spitze des Unternehmens rücken.

Hendry wird in der GM-Zentrale in Detroit für die anhaltene Misere der Tochtergesellschaft verantwortlich gemacht. Während Konkurrenten wie VW das schwache Inlandsgeschäft über einen florierenden Export wettmachen und Rekordzahlen vorlegen, schreibt Opel abermals operativ rote Zahlen. Die Rüsselsheimer Zentrale räumte bereits ein, dass das Unternehmen auch 2000 wieder einen deutlichen Verlust gemacht hat. Nur ein Minus von 450 Mill. DM, über das spekuliert wurde, bezeichnete das Management als "etwas zu hoch". Schon für 1999 und 1998 mussten operative Verluste von 225 Mill. DM und 344 Mill. DM verkraftet werden.

Ursprünglich hatte Hendry für 2000 wieder schwarze Zahlen in Aussicht gestellt. Im Unterschied zu den Vorjahren greift Opel dieses Mal nicht zu Bilanztricks, um die Zahlen zu schönen: Auch unter dem Strich wird der Autohersteller nach Handelsblatt-Informationen einen Jahresfehlbetrag ausweisen.

Hendrys Position ist bereits seit Monaten umstritten. Der im November 1998 von der GM-Tochter Saab geholte Manager konnte die von ihm mehrfach angekündigte Trendwende bei den Marktanteilen bisher nicht erreichen. GM-Konzernchef Rick Wagoner sprach gegenüber dem Handelsblatt unverhohlen von Fehlern bei der deutschen Tochter.

Es gilt deshalb als ausgemacht, dass Forster, der nach dem Rover-Desaster als Produktionsvorstand des Münchener Autokonzerns BMW überraschend entlassen worden war, Hendry beerben wird. Auch Wagoner deutete bereits den Wechsel an: Es solle bei Opel mehr Deutsche in führenden Positionen geben, sagte er vergangene Woche auf der Detroit Motor Show.

Doch Opel muss auf BMW Rücksicht nehmen. Die bayerische Motorschmiede pocht auf eine Konkurrenzklausel im Vertrag mit ihrem Ex-Manager. Sie besagt, dass ein BMW-Vorstand frühestens ein Jahr nach seinem Ausscheiden bei einem Wettbewerber anfangen darf. Der Diplom-Volkswirt und Ingenieur war noch bis März 2000 Produktionsvorstand bei den Bayern. Frühestens im April dürfte Forster darum das Steuer bei Opel in die Hand nehmen. Möglicherweise muss sich der ehemalige McKinsey-Mann auch noch länger gedulden. Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder musste immerhin eine Frist von 17 Monaten verstreichen lassen, ehe er zu VW gehen durfte.

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