Aufsichtsrat will das Management vorerst nicht entlasten
Bankgesellschaft verschiebt Dividende

Der Vorstand der Berliner Bankgesellschaft will auf der Hauptversammlung zwei Varianten einer Kapitalerhöhung vorschlagen. Nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Rupf belasten die enormen Schwierigkeiten der Bank auch das Kerngeschäft im ersten Halbjahr 2001.

cd/va/nw BERLIN/FRANKFURT/M. Frühestens im Jahr 2003 ist bei der Bankgesellschaft Berlin (BGB) wieder eine Ausschüttung möglich. Eingeplant sei sie für 2005, sagte Vorstandschef Wolfgang Rupf bei der Bilanzvorlage.

Den Aktionären will der Vorstand bei der Hauptversammlung zwei Varianten einer Kapitalzufuhr in Höhe von 2 Mrd. Euro vorschlagen: Favorisiert wird eine Beteiligung aller drei Hauptgesellschafter entsprechend ihrer Anteile an der Bankgesellschaft an einer Kapitalerhöhung von 1 Mrd. Euro sowie einer stillen Beteiligung im Konzern von ebenfalls 1 Mrd. Euro. Bei der Kapitalerhöhung würde die Bank die neuen Aktien im Verhältnis 1:2 anbieten. An der stillen Beteiligung sollen auch Kleinaktionäre teilhaben können, sagte Rupf. Sollten die Anteilseigner nicht an einem Strang ziehen, werde die zweite Variante vorgeschlagen: eine Kapitalerhöhung des Mehrheitsaktionärs Berlin im Verhältnis 1:4.

Volle Billigung des Landes Berlin

Beide Konzepte fänden die "volle Billigung" des Landes Berlin, sagte die Berliner Finanzsenatorin Christiane Krajewski dem Handelsblatt. Keinesfalls wolle Berlin sich durch frühzeitige Änderungen der Eigentümerstruktur einengen lassen. Die NordLB werde erst nach weiteren Gesprächen mit ihren Gewährträgern Auskunft über ihr Vorgehen geben, sagte ein Sprecher des Kreditinstituts. Parion verwies auf ihren bisherigen Standpunkt. Demnach will sich der Kölner Versicherungskonzern nur an einer Kapitalerhöhung beteiligen, wenn ein Gesamtkonzept für die Bankgesellschaft steht. Das Land Berlin hält 56,6 % an der Bankgesellschaft, die NordLB 20 % und die Versicherung Parion 7,5 %.

Die Bankgesellschaft ist im wesentlichen wegen überhöhter Risiken bei Immobiliengeschäften in Schwierigkeiten geraten. Sie weist einen Konzernverlust von 1,6 Mrd. Euro für das Jahr 2000 aus. Die in der Bilanz berücksichtigten Risiken belaufen sich insgesamt auf 2,6 Mrd. Euro.

Rupf räumt Versäumnisse im Management ein

Die Schwierigkeiten haben Rupf zufolge auch das laufende Geschäftsjahr belastet. So seien in den ersten fünf Monaten 2001 die Zins- und Provisionserträge weiter gesunken. Am Ende des Jahres erwartet Rupf "natürlich schwarze Zahlen". Über die Höhe des Jahresgewinns machte er keine Angaben.

Für das katastrophale Ergebnis wird sich der Vorstand bei der Hauptversammlung am 29. August verantworten. Rupf räumte Versäumnisse im Management ein. Einige Schwachpunkte habe man erst aus den Medien erfahren. Andere habe der Konzernvorstand zwar erkannt und ihre Änderung in Auftrag gegeben. Dies sei aber nicht geschehen. "Die Erkenntnisse sind erschütternd", sagte Rupf. Entsprechende personelle Konsequenzen seien gezogen worden.

Vorstand noch nicht entlastet

Auf die Frage, ob auch er Konsequenzen ziehen werde, sagte Rupf: "Ich klebe weder an meinem Sessel, noch verlasse ich ihn nach dem Motto: Ich bin es leid." Die Entlastung des Vorstandes will der Aufsichtsrat erst nach der laufenden Sonderprüfung durch die Bankenaufsicht vorschlagen, die vermutlich erst im September und damit nach der Hauptversammlung enden wird.

Dem Vorstand zufolge wird die Kernkapitalquote der Bankgesellschaft mit der Kapitalzufuhr auf über 5 % steigen. Dies ermögliche über die Bildung von Nachrangkapital eine Gesamtkapitalquote von rund 8,5 %.

Allerdings fordere das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen eine Quote von mehr als 9,5 % für die Bankgesellschaft, sagte Vorstandsmitglied Norbert Pawlowski, zuständig für die BGB-Tochter Landesbank Berlin. Dies solle erreicht werden, indem die Landesbank Berlin Genussscheine in einem Volumen von 1 Mrd. Euro ausgibt. Dies sei aber nicht Thema auf der Hauptversammlung.

Eigentümerstruktur unklar

Nach wie vor sind die Eigentümerstruktur - und damit das zukünftige Konzept unklar. Grundsätzliches Interesse hat die Sparkassenorganisation für einen Einstieg signalisiert. Allerdings ist sie nur am Retailgeschäft interessiert - und damit im wesentlichen an der Landesbank.

Die Immobiliengeschäfte sehen die Interessenten dagegen als Belastung. Dies gilt nicht nur für die Konzern- Tochter IBAG, die das größte Geschäftsrisiko der Bank ausmacht. Auch die Berlin Hyp ist für andere Hypothekenbanker unattraktiv: Auf Anfrage äußerten sie daran kein Interesse. Das Geschäft sei von zu großen Risiken belastet, hieß es. Außerdem sei sie zu stark auf die Region Berlin konzentriert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%