Aufsichtsrat will engeren Schulterschluss mit Generali
Commerzbank-Kurs profitiert von Gerüchten

Die Spekulationen um die Commerzbank haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Übernahmegerüchte beflügelten gestern die Aktie des viertgrößten deutschen Finanzinstituts. Sie legte bis zum frühen Abend um gut 2,4 % auf knapp 27 Euro zu.

mab/rob/lip/po/nw FRANKFURT/HAMBURG/MAILAND. Am Markt kursierten die Namen mehrerer Übernahme-Interessenten; unter anderem wurden der italienische Versicherungskonzern Generali, die Deutsche Bank, die britische HSBC-Gruppe, die italienische Unicredito und die niederländische ABN Amro genannt. Mit einem Börsenwert von 14 Mrd. Euro ist die Commerzbank im europäischen Vergleich ausgesprochen günstig, der Konkurrent Deutsche Bank bringt es auf eine Marktkapitalisierung von 46 Mrd. Euro.

Gewerkschaften: Generali ist die beste Lösung

"Für den Aufsichtsrat und die Gewerkschaft ist ein Schulterschluss mit der Generali die beste Lösung", sagte Uwe Foullong, in der Gewerkschaft Verdi verantwortlich für die Banken und Mitglied im Aufsichtsrat der Commerzbank, dem Handelsblatt. "Wir haben uns im Aufsichtsrat darauf verständigt, dass die Commerzbank eine europäische Allfinanzstrategie verfolgt." Der stärkste Allfinanzpartner sei Generali, diese Verbindung müsse man ausbauen. Dies sichere eine hohe Beschäftigung und einen intensiven Wettbewerb. Nach Informationen des Handelsblatts soll bis Ende der Woche eine Entscheidung über die Zukunft der Commerzbank gefunden werden.

Auch in Finanzkreisen gilt ein Zusammenschluss mit Generali als sinnvoll. Der Versicherer aus Triest ist bisher mit knapp 10 % an der Commerzbank beteiligt und denkt offensichtlich über eine Erhöhung seiner Beteiligung nach. In diesen Überlegungen spielt die Beteiligungsgesellschaft Cobra, die seit längerem einen Käufer für ihre Aktienpaket von 9,98 % sucht, eine wichtige Rolle. Ein Sprecher der Commerzbank wollte sich gestern zu den Spekulationen nicht äußern. Cobra-Geschäftsführer Hansgeorg Hofmann betonte, die Anteile seien noch nicht verkauft.

Einsparungen bei IT deuten Verhandlungen an

Die von der Commerzbank kürzlich angekündigten massiven Einschränkungen bei IT-Projekten sehen Investment-Banker und Berater indes als ein Indiz für Verhandlungen in einem fortgeschrittenen Stadium. Das Ausmaß der Kürzungen im IT-Bereich sei für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich hoch, hieß es. Dies könne darauf hindeuten, dass die Commerzbank sich auf mehr vorbereite, denn im Falle eines Schulterschlusses mit einem Partner würden die Plattformen ohnehin zusammengelegt.

Neben Generali spricht auch die Bank Unicredito mit der Commerzbank. Die Italiener wollten sich gestern aber nicht dazu äußern. Bei IntesaBci, dem bisherigen Bankpartner der Commerzbank in Italien, scheint sich die Überraschung über das Verhalten der Frankfurter Bank in Grenzen zu halten. Dem Institut nahe stehende Kreise glauben, dass die Beziehung zur Commerzbank seit Monaten mehr oder minder auf Eis liege. IntesaBci war der einzige "Wahlverwandte", der im letzten Sommer seinen Anteil an der Commerzbank im Rahmen der Rettungsaktion vor Cobra nicht erhöht hatte. IntesaBci warte jetzt auf den geeigneten Zeitpunkt, ihr Paket von 0,8 % an den Frankfurtern zu verkaufen, so die Kreise. Umgekehrt besitzt Commerzbank 4,3 % an der größten Bank Italiens. Wichtiger als Deutschland soll IntesaBci im Moment Frankreich sein, wo die Bank sich voraussichtlich mit ihrem Großaktionär Crédit Agricole an der Privatisierung des Crédit Lyonnais beteiligen wird.

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