Aufsichtsrats-Chef tritt zurück
Haffa gewinnt Machtkampf gegen Becker

Der Aufsichtsratsvorsitzende Nickolaus Becker hatte bis zuletzt versucht, den Einstieg der Kirch-Gruppe bei dem angeschlagenen Lizenzrechte-Händler zu verhindern. Angeblich soll zeitweise die WAZ-Gruppe bereit gewesen sein, EM.TV aus der Klemme zu helfen.

rtr FRANKFURT. Nach dem verkündeten Einstieg der Kirch-Gruppe bei dem Münchener Filmrechtehändler EM.TV & Merchandising AG ist dessen Aufsichtsratschef Nickolaus Becker zurückgetreten. In einer Pflichtmitteilung der Gesellschaft vom Freitag hieß es, Becker habe sich zu diesem Schritt entschlossen, um die Neupositionierung von EM.TV nach dem Einstieg der Kirch-Gruppe nicht zu belasten. Dem Vorstand sei es gelungen, wesentliche Nachbesserung in der Vereinbarung mit Kirch durchzusetzen, schrieb Becker in einer getrennten Stellungnahme. Weiter unsicher ist, ob die Vereinbarung zwischen Kirch und EM.TV noch am Widerstand des Briten Bernie Ecclestone scheitern könnte.

Becker erklärte, er habe sich in den vergangenen Wochen bemüht, Alternativen zu einem Einstieg des Medienkonzerns von Unternehmer Leo Kirch bei der finanziell angeschlagenen EM.TV zu entwickeln, ohne die Exklusivitätsklausel der Gespräche zu verletzen. Die aus seiner Sicht attraktivste Lösung sei kurz vor Abschluss überraschend gescheitert. Demnach wäre ein Konsortium deutscher Großkonzerne unter Führung der WAZ-Gruppe bereit gewesen, den Filmrechtehändler durch eine entsprechende Kapitalzufuhr zu stabilisieren und auch eine Option zum Kauf von weiteren 25% an der Formel-Eins-Holding SLEC sicherzustellen. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers soll Becker sein Amt kommissarisch weiterführen.

Vereinbarung nachgebessert

Mit dem Rücktritt Beckers ist nach Angaben aus Branchenkreisen der Machtkampf in der EM.TV Führung zu Gunsten von Vorstandschef Thomas Haffa entschieden, der einen Einstieg der Kirch-Gruppe favorisiert hatte. Becker erklärte, für ihn sei die im Dezember ausgehandelte Absichtserklärung mit Kirch keine zufriedenstellende Lösung gewesen. Nachdem wesentliche Punkte nachgebessert worden seien, habe der Aufsichtsrat der Vereinbarung am Mittwoch schließlich doch zugestimmt. Ein Kirch-Sprecher widersprach dieser Darstellung. Die am Donnerstag unterschriebene verbindliche Vereinbarung entspreche in den Eckpunkten dem Verhandlungsergebnis vom Dezember.

Kirch steigt demnach mit 16,74% bei EM.TV ein und erhält für 550 Mill. Dollar einen knapp 25 prozentigen Anteil an der Formel-Eins-Holding SLEC aus dem Besitz von EM.TV. Nach der geplanten Ausübung der Kaufoption würden EM.TV und Kirch dann zusammen 75% der SLEC kontrollieren, die restlichen 25% blieben bei Formel-Eins-Mogul Ecclestone. Dieser hat allerdings ein Veto gegen den Einstieg der Kirch-Gruppe bei der Formel Eins eingelegt, weil er Nachteile bei der Vergabe der Fernsehrechte an der Rennsportserie befürchtet.

Ecclestone legte Veto ein

Kirch betreibt die Privatsenderfamilie ProSiebenSat.1 und das Pay-TV Premiere und will vor allem deshalb bei EM.TV einsteigen, weil der Filmrechtehändler Zugang zur Formel Eins und damit zu den begehrten Fernsehrechten hat. Bis 2003 liegen die TV-Rechte an der Formel Eins noch beim Konkurrenten RTL. An einem Einstieg bei der Formel-Eins-Holding sind aber auch die an der Rennsportserie beteiligten Autohersteller interessiert. Nach früheren Angaben wollen sie jedoch nur dann einen Anteil erwerben, wenn dieser mehr als 25% beträgt.

Kirch bestreitet die Rechtmäßigkeit des Vetos von Ecclestone, da der Medienkonzern durch die Vereinbarung mit EM.TV keinen kontrollierenden Einfluss auf die Formel Eins erhalten würde. "Dies aber wäre Voraussetzung, um ein Vetorecht gegen diese Vereinbarung ausüben zu können", hieß es in einer Mitteilung.

Die Aktie des ehemaligen Anlegerlieblings EM.TV stand um 10.45 Uhr MEZ mit knapp einem Prozent im Plus bei 7,67?. Der alle Werte des Neuen Marktes umfassende Nemax All Share-Index lag zur gleichen Zeit 2,76% im Minus. EM.TV hatten im Februar vergangenen Jahres ein Rekordhoch von 120? markiert und waren nach drastischer Reduzierung der Ergebnis- und Umsatzziele für 2000 Anfang Januar auf ein Tief von 4,03? eingebrochen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%