Aufsichtsratschef Becker gibt Posten auf Vetorecht von Ecclestone gegen
Kirch-Eintritt bei EM.TV bleibt umstritten

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Der Machtkampf bei EM.TV ist entschieden: Der Aufsichtsratsvorsitzende Nickolaus Becker ist zurückgetreten. Damit hat sich der Vorstandschef Thomas Haffa durchgesetzt.

Ob der Chef der Formel Eins, Bernie Ecclestone, die indirekte Übernahme des Rennsports durch die Kirch-Gruppe verhindern kann, bleibt dagegen weiter offen. Die Kirch Holding GmbH & Co. KG betonte, dass mit dem Geschäft keine neuen Mehrheitsverhältnisse entstünden. Denn der zwischen der EM.TV & Merchandising AG, Unterföhring, und der Kirch-Gruppe, Ismaning, unterschriebene Vertrag sehe lediglich eine Beteiligung von 49 % an der Speed Ltd., Jersey, vor. Speed gehört die Hälfte an der Formel-Eins-Holding SLEC. Laut Kirch könnte Ecclestone sein Vetorecht gegen die Vereinbarung mit EM.TV nur dann geltend machen, wenn es um eine Mehrheitsbeteiligung an Speed gehen würde - was nicht der Fall sei.

Ecclestone sieht das anders. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass Dieter Hahn, rechte Hand von Leo Kirch, versuchen wird, im Gespräch mit Ecclestone die Probleme aus dem Weg zu räumen. Am Wochenende sagte ein EM.TV-Sprecher zum Einstieg von Automobilkonzernen wie Daimler Chrysler, BMW, Ford oder Fiat in die Formel-Eins-Vermarktung: "Die Tür ist offen für Gespräche."

Die neuen Machtverhältnisse bei EM.TV haben unterdessen in Aufsichtsratschef Becker, einem erklärten Gegner des Einstiegs von Kirch, ein erstes prominentes Opfer gefordert. Der Münchner Rechtsanwalt hielt den am 4. Dezember ausgehandelten Vorvertrag zwischen Hahn und Haffa für "keine zufriedenstellende Lösung".

Nach Beckers Aussage ist die seiner Ansicht nach attraktivste Alternative kurz vor der Komplettierung gescheitert: Becker bastelte bis Mittwoch noch an einem Konsortium deutscher Konzerne unter der Führung der finanzstarken Essener WAZ-Gruppe (Westdeutsche Allgemeine Zeitungsverlagsgesellschaft E. Brost & J. Funke mbH & Co. KG). Der Medienkonzern wäre bereit gewesen, EM.TV durch Kapitalzuschüsse zu stabilisieren und auch die Call-Option für weitere 25 % an der SLEC auszuüben. Diese Lösung sei an einem Teilhaber des Stammes Funke der WAZ-Gruppe gescheitert, der 16,7 % hält. Die Alternative sei "eine Sekunde vor 12" geplatzt, sagte Becker dem Handelsblatt. Es sei aber gelungen, "in einigen wesentlichen Punkten eine Nachbesserung" des Vorvertrages mit Kirch zu erreichen. Daher habe der Aufsichtsrat zugestimmt.

Das Verhältnis zwischen Haffa und Becker galt seit Wochen als angespannt. "Ich gehe aber nicht im Groll", sagte der 52-Jährige, der seit der Unternehmensgründung 1997 den Aufsichtsrat anführte und Haffa seit 17 Jahren kennt. Nach eigener Aussage will sich Becker verstärkt seinen Mandaten bei der Immobilienfirma Bauverein zu Hamburg AG, bei dem Systementwickler der Automobilindustrie MT Technologies AG, bei de Textilkette More & More AG und beim E-Commerce Living Systems AG-Unternehmen kümmern. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers bleibt Becker im Amt. Kirch wird künftig auch ein Mitglied des Aufsichtsrates stellen, jedoch nicht den Vorsitzenden.

Becker sagte dem Handelsblatt, dass es zwischen ihm und den an der Formel Eins interessierten Autokonzernen keine Gespräche über einen Einstieg bei EM.TV gegeben habe. Er habe vor allem mit dem US-Investmenthaus Hellman & Friedman verhandelt. Auch der Ex-Vorstandsvorsitzende der Adidas AG, -Salomon Robert Louis Dreyfuss, sei an einem Einstieg bei EM.TV interessiert gewesen.

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