Aufsichtsratschef steht Ablösung der Doppelspitze nicht im Weg
Kriwet treibt Neuordnung von Thyssen-Krupp voran

Heute tagt der Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp. Wichtigster Diskussionspunkt wird neben der Bilanzfeststellung das Thema Personalien sein - offiziell nicht auf der Tagesordnung. Es bahnt sich an, dass die Doppelspitze im Vorstand fällt. Gerhard Cromme wird Chef im Aufsichtsrat, Ekkehard Schulz im Konzern.

DÜSSELDORF. Heinz Kriwet, Aufsichtsratsvorsitzender der Thyssen-Krupp AG, Düsseldorf, will die Diskussion um personelle Änderungen an der Spitze des Unternehmens nach eigenen Aussagen "rasch vom Tisch bringen". Seine Vorstellung sei, dass der Hauptversammlung am 2. März eine entsprechende Lösung vorgelegt werde, ohne dass konkrete Vorschläge in der Tagesordnung festgelegt sein müssten, sagte Kriwet im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Aktionäre hätten "Anspruch und ein legitimes Recht" darauf, in solch wichtigen Fragen zügig informiert zu werden. Kriwet, der im November 70 Jahre alt wird, betonte weiter, er werde einer Neuregelung grundsätzlich nicht im Wege stehen. Allerdings sei noch eine Reihe von wichtigen Fragen zu klären.

"Der Vorstand arbeitet gut zusammen"

Spekuliert wurde bisher, dass der frühere Thyssen-Chef Kriwet den Vorsitz im Aufsichtsrat aufgeben wird, um damit Platz für Gerhard Cromme zu machen. Cromme, der in diesem Jahr 58 wird, ist gemeinsam mit Ekkehard Schulz (60) derzeit Vorstandsvorsitzender des Stahl-, Verarbeitungs- und Handelskonzerns.

Diese so genannte Doppelspitze war in der letzten Zeit insbesondere bei Analysten in die Kritik geraten;. sie hatten unter anderem bemängelt, dass neben den beiden Vorstandsvorsitzenden noch weitere sieben Vorstände im Konzern tätig sind. Dabei seien, so die Kritiker auch aus Aufsichtsratskreisen, Entscheidungsprozesse verlängert oder gar blockiert worden.

Nach Kriwets Worten hat der Vorstand bisher "gut und vertrauensvoll" zusammengearbeitet. "Es gibt keine Führungsprobleme im Vorstand. Dies versichern mir auch alle Mitglieder." In allen Sachfragen wie etwa Atecs, dem gescheiterten Übernahmeversuch der Mannesmann-Automotive - und Maschinenbauaktivitäten, oder dem abgeblasenen Börsengang der Stahlsparte habe es zwischen Cromme und Schulz keine unterschiedliche Auffassungen gegeben. Kriwet hob hervor, dass ohne die Doppelspitze - jeweils einer der Manager wurde von Krupp und von Thyssen berufen - eine Fusion im März 1998 nicht durchsetzbar gewesen sei.

Um die Integration der beiden unterschiedlichen Firmenkulturen voranzutreiben, sei sie ebenfalls zweckmäßig gewesen. Auch jetzt sei die Integration "mit Sicherheit" noch nicht völlig abgeschlossen. "Doch wenn eine friedliche Ablösung möglich ist, dann kann die Doppelspitze als Integrationsidee zurücktreten", sagte Kriwet.

Die Folgen des Umbaus sind noch offen

Allerdings gebe es eine "ganze Latte" von Fragen, die behandelt werden müssten, ehe er sich ein abschließendes Urteil bilden könne. Dabei sehe er sich zwar "als einen Baustein" innerhalb einer konstruktiven Lösung. Doch sei bisher noch nicht diskutiert worden, welche konkreten Folgerungen ein solcher Wechsel in den Gremien mit sich bringe. Er verwies darauf, dass Schulz als alleiniger Vorstandsvorsitzender der Holding nicht der Chef im Stahl bleiben könne und Cromme naturgemäß die Führung bei Automotive abgeben müsse.

Kriwet ist zuversichtlich, dass bis zur Hauptversammlung ein schlüssiges Konzept vorgelegt wird, damit der Konzern weiter vorankomme. Auf sein Aufsichtsrats-Mandat will er nicht verzichten, so dass ein anderes von den Anteilseignern benanntes Mitglied ausscheiden müsste. Der Aufsichtsrats-Chef betonte, dass das Ergebnis im abgelaufenen Jahr 1999/2000 (30. September) das zweitbeste in der "jüngeren addierten Geschichte" der beiden Konzerne gewesen sei. Kriwet: "Von Führungsschwäche und dringend notwendiger Neuordnung kann also keine Rede sein".

Vor Steuern wird ein Konzernergebnis von knapp 1,1 nach 0,62 Mrd. Euro ausgewiesen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg auf 3,4 (2,6) Mrd. Euro. Die Dividende soll auf 0,75 (0,72) Euro je Aktie erhöht werden. Für das laufende Jahr hat der Vorstand sich als Ziel einen Abbau der Finanzschulden um 2 Mrd. auf 5 Mrd. Euro gesetzt. Nachdem die Daten Anfang Dezember präsentiert worden waren, erholte sich der Aktienkurs vom absoluten Tief von 13,50 Euro auf aktuell um die 18,50 Euro. Vor genau einem Jahr notierte die Aktie bei stolzen 34 Euro. Die Analysten stufen das Papier derzeit noch überwiegend auf neutral ein.

Der rapide Fall hatte im Herbst die Spekulationen über die Doppelspitze und den üppig besetzten Vorstand angefacht. Vergleichbare Konzerne kommen mit fünf Vorstandsmitgliedern aus, lautete die Kritik. Mit der Neuordnung dürfte sich auch dieses Problem bei Thyssen-Krupp lösen, zumal fast alle Vorstände 60 Jahre und älter sind - mit Ausnahme von Eckhard Rohkamm (58) und Ulrich Middelmann (56). Eine jüngeres Team ist allerdings noch nicht ins Blickfeld der Öffentlichkeit getreten.

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