Aufsichtsratschef Wolfgang Böhmert und Ex-Manager Willi Lemke einflussreiche Bedenkenträger: Zwischen Aufbruch und Stillstand

Aufsichtsratschef Wolfgang Böhmert und Ex-Manager Willi Lemke einflussreiche Bedenkenträger
Zwischen Aufbruch und Stillstand

Werder Bremen ist auf dem Weg zum Titel, doch über die Zukunft und den Kauf von Miroslav Klose besteht keine Einigkeit.

BREMEN. Das späte Tor machte den Titel wieder ein Stück wahrscheinlicher. Dritte Minute der Nachspielzeit, Ailton war im Strafraum gefoult und danach drei Minuten lang provoziert worden. Doch der Brasilianer verwandelte den Elfmeter so hart und platziert, dass der Lauterer Torwart Tim Wiese chancenlos war. Ganz Bremen, endgültig spezialisiert auf Last-Minute-Momente, schwelgte ob der ungewohnten Ausgangslage nach dem 1:0-Sieg am Sonntagabend: Liga-Primus mit besten Titelchancen. "Hier leben jetzt alle für den Titel. Die ganze Mannschaft hat diese ungeheure Konzentrationskraft von Ailton", lobt Clubboss Jürgen L. Born am Tag danach, "und einen ausgeprägten Willen."

Was allerdings derzeit von der Geschäftsführung der neu gegründeten Werder Bremen GmbH & Co KgaA nicht behauptet werden kann. Trotz der komfortablen Ausgangslage - in der Liga neun Punkte Vorsprung vor dem Tabellenzweiten Bayern München, im Pokal-Halbfinale ein Heimspiel gegen Zweitligist Lübeck - ist die Führung uneins, ob, wie und wann der Transfer von Miroslav Klose ("Wer mich holt, muss wissen, was ich kann") realisiert werden kann. Dabei besteht mit dem Lauterer Nationalspieler, der beim Spiel in Bremen beste Chancen ausließ, weitgehend Einigkeit über einen Vierjahres-Vertrag bis 2008. Das Gehalt ist abgesteckt: Mit Prämien soll Klose leistungsbezogen bis zu 2,5 Millionen Euro verdienen. Das Problem ist die Finanzierung der Transferrechte, die die Lotto-Gesellschaft Rheinland-Pfalz für fünf Millionen Euro hält. "Wir müssen sehen, dass wir die Ablöse zusammenbekommen", gesteht Sportdirektor Klaus Allofs.

Für die Lösung dieser finanziellen Probleme lassen sich die Bremer weitaus mehr Zeit als in heiklen sportlichen Situationen. Mitunter dauerte es zu lange. Bei Ailton (angebotenes Jahresgehalt 1,8 Millionen Euro), Verteidiger Mladen Krstajic (0,9) und Mittelfeldspieler Krisztian Lisztes (1,2) hatte Werder sich feste Grenzen gesetzt und spielte auf Zeit. Alle drei gaben ihren Abgang aus Bremen bekannt. Ähnliches droht nun bei Ivan Klasnic. Aller Voraussicht nach wird auch der 24-Jährige seinen Vertrag nicht verlängern, die jüngste Verhandlungsrunde verlief erneut ergebnislos. Der Kroate pokert offen mit Angeboten aus der Heimatstadt Hamburg und Gelsenkirchen. "Ich möchte nur honoriert bekommen, was ich bringe und was ich noch bringen werde", sagt Klasnic, der die mehrfach aufgestockte Offerte nicht annahm. Klasnic, der am Mittwoch in Split vor seinem Länderspiel-Debüt gegen Deutschland steht, fordert offenbar ein Salär von zwei Millionen Euro. Eine Summe, die Werder nicht finanzieren kann und will.

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