Aufsichtsratssitzung
MobilCom-Chef Schmid bleibt an der Spitze

Im Streit von MobilCom-Chef Gerhard Schmid mit der France Telecom über die finanziellen Bedingungen für seinen Rückzug aus dem von ihm gegründeten Telekomunternehmen hat eine Aufsichtsratssitzung am Freitag keine Einigung gebracht.



Reuters /vwd HAMBURG/PARIS. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Freitagabend aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, bleibt Schmid vorerst MobilCom-Aktionär und auch weiter Vorstandschef der Büdelsdorfer Mobilfunkfirma. "Dieser Zustand ist allerdings begrenzt", hieß es im Anschluss an die Sitzung des Gremiums, die an einem geheim gehaltenen Ort stattfand. Auf einer weiteren Aufsichtsratssitzung solle ein neuer Anlauf für einen Kompromiss gemacht werden. Ein Termin steht nach Angaben von Unternehmenssprecher Matthias Quaritsch noch nicht fest.

Offen blieb vorerst, ob Schmid den Aufsichtsrat darüber in Kenntnis setzte, wann er nach Ablauf einer Frist ein von der Hauptversammlung kritisiertes Aktiengeschäft mit seiner Ehefrau rückgängig machen wird. Auch wurde nichts über den Stand der Verhandlungen zwischen den Banken und France Telecom bekannt. Einem Medienbericht zufolge, hatte Schmid gesagt, er werde sich erst aus MobilCom zurückziehen, wenn France Telecom ihm und den anderen Aktionären ein faires Angebot mache.

Schmid hatte sich im März nach einem wochenlang öffentlich geführten Streit mit seinem zweitgrößten Aktionär France Telecom bereit erklärt, seine Anteile für 22 Euro an ein Bankenkonsortium abzugeben und sich aus dem Unternehmen zurückzuziehen. Diesen Preis ist der französische Staatskonzern aber offenbar nicht bereit zu zahlen. Die mit 28,5 Prozent an MobilCom beteiligte France Telecom versucht, Schmids Anteile zu übernehmen, ohne dass der eigene Schuldenstand dadurch steigt. Dazu könnten die MobilCom-Schulden möglicherweise im Gegenzug für eine Wandelanleihe auf Aktien der France Telecom oder deren Mobilfunk-Tochter Orange umstrukturiert werden. Dem bisher bekannten Plan zufolge sollen Schmids Anteile einige Zeit bei den Banken geparkt werden, bevor 2005 France Telecom die Anteile durch Ausgabe von Orange-Aktien erwerben könnte. Darüber wird seit längerem verhandelt.

Schmid kommt zusammen mit seiner Frau auf knapp 50 Prozent der Anteile an MobilCom. Von 6,1 Milliarden Euro Schulden stehen bei der Büdelsdorfer Firma Ende Juli fällige Verbindlichkeiten von rund 4,7 Milliarden Euro zur Umschuldung an.

Finanzchef soll doch informiert worden sein

Unterdessen berichteten das "Manager Magazin" und die im Internet erscheinende "Netzeitung", dass der als möglicher Nachfolger Schmids an der Unternehmensspitze geltende Finanzchef Thorsten Grenz vermutlich doch von dem vom Aufsichtsrat kritisierten Aktiengeschäft Schmids wusste. Nach Angaben der "Netzeitung", die sich dabei auf nicht näher bezeichnete informierte Kreise berief, soll Grenz eine Zahlungsanweisung bei dem Geschäft sogar selbst unterschrieben haben. MobilCom-Sprecher Matthias Quaritsch sagte, davon wisse er nichts.

Beide Medien bezogen sich auf eine E-Mail, die ihnen offenbar aus Schmids Umfeld zugespielt wurde. Darin nenne Schmid seinem Finanzchef am 24. Juli 2001 Details des Optionsprogramms zur Ankurbelung des MobilCom-Vertriebs. Erst einige Monate später hatte Schmid 68,4 Millionen Euro an eine von seiner Ehefrau kontrollierte Gesellschaft als Prämie dafür überwiesen, dass sie 3,6 Millionen Aktien für ein Optionsprogramm zur Ankurbelung des MobilCom-Vertriebs bereitstellte.

Die Hauptversammlung hatte Schmid in der vergangenen Woche die Entlastung verwehrt, weil ein Gutachten zu dem Ergebnis gekommen war, dass er bei diesem Geschäft gegen Aktienrecht verstoßen hat, indem er Grenz nicht informierte. Schmid gestand den Fehler vor den Aktionären ein und sagte zu, die Transaktion innerhalb einer Woche rückgängig zu machen. Grenz erteilten die Aktionäre die Entlastung.

France Telecom "sehr enttäuscht" über AR-Sitzung von MobilCom

=

Die France Telecom SA, Paris, hat sich "sehr enttäuscht" über den Ausgang der Aufsichtsrat-Sitzung der MobilCom gezeigt. Der Sprecher der France Telecom Bruno Janet sagte, es sei "äußerst schwerwiegend", dass der Firmengründer der MobilCom Gerhard Schmid weiter an der Spitze des Vorstandes belassen werden soll. Nach Ansicht der France Telecom, die mit 28,5 Prozent an MobilCom beteiligt ist, sollte Schmid entlassen werden. Die Pariser Firmengruppe und ihre Mobilfunktochter Orange würden "in den kommenden Tagen ihre Optionen prüfen", sagte Janet weiter. Bis Donnerstag Mitternacht hätte Schmid dem Unternehmen 68 Mio EUR zurückzahlen sollen. Dieser Aufforderung sei er nicht nachgekommen, sagte Janet. Sein Unternehmen sei daher "sehr enttäuscht" über das Abstimmungsergebnis im Aufsichtsrat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%