Aufspaltungs-Pläne
Streit um Gazprom eskaliert

Der Streit um die Aufspaltung des russischen Gasgiganten Gazprom eskaliert: Wirtschaftsminister German Gref verlangt, das Pipelinesystem des weltgrößten Gaskonzerns aus dem Unternehmen heraus zu lösen, die Gasförderung auf verschiedene Firmen zu verteilen und Russlands Ölkonzernen Zugang zum Gas-Röhrennetz zu gewähren.

MOSKAU. Damit stellt sich Gref, der auch für den russischen Staat im Gazprom-Aufsichtsrat sitzt, offen gegen die Konzernführung und Präsident Wladimir Putin. Der Kremlherr hatte auf dem jüngsten Fest zum zehn-jährigen Bestehen Gazproms eine "Kastration Gazproms" ausgeschlossen.

Gazprom-Chef Alexej Miller hatte sich gegen Grefs Pläne gewehrt, den Gassektor - wie in der Erdölbranche bereits geschehen - in Förderung und Transport/Vertrieb zu teilen. Daraufhin hat Gref jetzt nach einem Bericht des russischen Wirtschaftsblattes "Wedomosti" verlangt, auch die Gasförderung Gazproms aufzuspalten in verschiedene Gasproduzenten. Damit soll ebenso die Konkurrenz gefördert und somit die Produktionskosten gesenkt werden wie mit Grefs Forderung, künftig auch den Ölkonzernen Zugang zu den bislang Gazprom gehörenden Gaspipelines für ihre Erdgasmengen zu gewähren.

Am Mittwoch oder Donnerstag soll eine Krisensitzung bei Premierminister Michail Kasjanow die Weichen für die weitere Reform des russischen Gassektors stellen. "Ich will wissen, wie tief der Bruch bei den Ansichten über die Reform ist", sagte der Regierungschef.

Die Moskauer OAO Gazprom, die im vorigen Jahr gut 520 Mrd. Kubikmeter Erdgas gewonnen hat, hat im Vergleich zu kleinen, unabhängigen Gasproduzenten erheblich höhere Förderkosten. Inzwischen kauft der Konzern sogar in Turkmenistan Erdgas zu, weil das billiger sei als eigene Förderung.

Der weltgrößte Gasförderer hatte kürzlich bekannt gegeben, dass der russische Staat, der Konzern und seine Töchter 51 % des Aktienkapitals halten. Der Regierungsanteil direkt betrug 2002 noch 38,37 %. Ausländische Aktionäre halten 10,31 % der Gazprom-Anteile, die als so genannte American Deposit Receipts (ADR) auch an westlichen Börsen gehandelt werden. Größter ausländischer Aktionär ist die Essener Ruhrgas AG mit einem Anteil von 5,7 %. Ruhrgas-Chef Burckhardt Bergmann sitzt auch im Gazprom-Aufsichtsrat.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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