"Aufspüren" und "Ausschalten"
US-Spezialeinheiten in Afghanistan verstärkt im Einsatz

Die Männer springen über den Wolken ab. Sie öffnen den Fallschirm bis kurz vor dem Boden nicht, um ungesehen im feindlichen Gelände landen zu können. Die mit "HALOP´s": "High Altitude Low Opening Parachutes" ausgestatteten Eliteeinheiten der USA sind nach dem Rückzug der Taliban in Afghanistan jetzt vor allem gefragt. Zwar hält sich das Pentagon in Washington bedeckt, welche Einheiten ihrer "special forces" nach dem rasanten Bodengewinn im Norden Afghanistans und dem überhasteten Rückzug der Taliban im Süden verstärkt eingesetzt werden.

ddp WASHINGTON. Eines jedoch ist klar: Die Stunde der Spezialeinheiten bei der "Aufspürung und Ausschaltung" des Terroristen Osama Bin Laden sowie seiner Gefolgsleute im Netzwerk Al-Qaida und dem Taliban-Regime ist gekommen.

US-General Tommy Franks, Kommandeur für den Krieg in Afghanistan, räumte ein, dass die Aufgaben für die Elitetruppen jetzt weit über die bisherige Militär-Drill-Hilfe für die Nordallianz oder reine Informationsbeschaffung für die Bombardierung aus der Luft hinausgehen. Es gebe nunmehr "direkte Aktionen", sagt Franks. US-Präsident George W. Bush betont: "Unser Militär und unsere Truppeneinheiten am Boden sind auf der Jagd, um das Ziel zu verwirklichen." Gemeint ist die Ergreifung bin Ladens.

Bei aller Erleichterung über die militärischen Fortschritte der letzten Tage ist das Pentagon doch beunruhigt über das Tempo und die möglichen Gründe für den schnellen Rückzug der Taliban. In der Vergangenheit haben sich afghanische Kämpfer schon taktisch motiviert vor einer übermächtigen Invasionsmacht zurückgezogen, um dann neu formiert die Guerilla-Offensive aus dem Hinterhalt zu beginnen.

Zwar geht das Pentagon derzeit davon aus, dass keine unmittelbare Gefahr durch einen massiven Taliban-Gegenangriff droht. "Wenn es sich um einen organisierten Rückzug handelte, hätten wir sehr viel mehr mögliche Angriffsziele aus der Luft", sagt ein hoher Pentagon-Beamter. In der Tat sind in den letzten Tagen viele Flugzeuge mit voller Munitionsladung zurückgekommen. Allerdings bestand auch das Problem, Freund und Feind bei der dynamischen Entwicklung am Boden zu unterscheiden.

Die Gefahr eines Guerilla-Krieges, bei dem sich der Feind im unwirtlichen Gebirge in Höhlen verschanzen und Überraschungsangriffe starten kann, nimmt dennoch immer mehr Konturen an. Die USA rechnen damit, dass die Taliban die noch aus dem Krieg gegen die Sowjetunion stammenden und mit Waffen bestückten Höhlensysteme weiter ausgebaut haben.

Mit Blick auf die Verluste im «Höhlenkampf» mit afghanischen Rebellen in den 80er Jahren warnen russische Militärexperten davor, allein Spezialeinheiten in die "Todesfallen" zu schicken. Kämpfe im Inneren würden unweigerlich viele Opfer fordern. Stattdessen raten sie, die Höhleneingänge mit Sprengstoff oder mit einer Präzisionsbombardierung zu "versiegeln". Zunächst müssen dazu die Verstecke, die über uralte Bewässerungssysteme, den "Karez", miteinander verbunden sind, aber geortet werden. Auch bei dieser äußerst schwierigen Aufgabe sollen die Spezialeinheiten eingesetzt werden.

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