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Aufstand der Schiiten weitet sich aus

Der Aufstand der Schiiten-Milizen des radikalen Predigers Muktada el Sadr hat sich über den ganzen Südirak ausgeweitet. Britische Truppen gingen gegen Milizen in Basra, Amara, Nassirija, Samawa und Diwanija vor.

dpa BAGDAD. Der Aufstand der Schiiten-Milizen des radikalen Predigers Muktada el Sadr hat sich über den ganzen Südirak ausgeweitet. Britische Truppen gingen gegen Milizen in Basra, Amara, Nassirija, Samawa und Diwanija vor.

El Sadrs "Mahdi- Armee" liefern sich bereits seit einer Woche in der Pilgerstadt Nadschaf mit US-Truppen Kämpfe. Das US-Militär in Nadschaf traf am Mittwoch nach eigenen Angaben letzte Vorkehrungen für eine Offensive gegen die schiitische Miliz. Derweil kehrte der per Haftbefehl gesuchte frühere Exilpolitiker und US-Verbündete Ahmed Chalabi nach Bagdad zurück.

El Sadr rief seine Truppe dazu auf, auch dann weiterzukämpfen, wenn er selbst gefangen genommen oder getötet werde. "Kämpft weiter, selbst wenn ihr mich als Gefangenen oder als Märtyrer seht", ließ er in einer Erklärung verbreiten.

Ein britischer Militärsprecher in Basra sagte, die Behörden hätten in den südlichen irakischen Provinzen Verstärkung angefordert. Zu den heftigsten Kämpfen kam es in Amara. Laut Gesundheitsministerium in Bagdad wurden hier 15 Iraker getötet und 78 verletzt. In Basra starben bei bewaffneten Auseinandersetzungen vier Menschen, in Diwanija drei.

In der Pilgerstadt Nadschaf dauerten die Gefechte den siebten Tag in Folge an. US-Panzer drangen erneut auf den schiitischen Friedhof vor, auf dem sich Milizionäre verschanzt haben. Ein örtlicher Führer erklärte, das mehrere Quadratkilometer große Gräberfeld, das den Schiiten heilig ist, werde weiter von seinen Kämpfern kontrolliert.

Das US-Militär teilte unterdessen mit, irakische und amerikanische Truppen bereiteten sich darauf vor, "diesen Kampf, den El Sadrs Milizen begonnen haben, zu beenden." Augenzeugen in Nadschaf berichteten von neuen US-Angriffen auf Stellungen der Milizionäre. Etwa 80 % der Bewohner des Altstadtkerns hätten der Aufforderung des US-Militärs vom Vortag Folge geleistet, ihre Wohnungen zu verlassen, um bei einer Offensive nicht zwischen die Fronten zu geraten. Bei den Kämpfen kamen bis Mittwochabend in 24 Stunden zwölf Menschen ums Leben, 27 wurden verwundet.

Der Vize-Präsident der irakischen Übergangsregierung, Ibrahim el Dschafari, verlangte den Abzug aller US-Truppen aus Nadschaf sowie den der Sadr-Milizen. Die Anwesenheit der regulären irakischen Sicherheitskräfte reiche aus, meinte er.

In Iran wurden für Freitag staatlich organisierte Massendemonstrationen gegen die Angriffe auf die für Schiiten heiligen Stätten angekündigt. Das Geistliche Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Chamenei, verurteilte das Vorgehen der US-Armee scharf. Weder die irakische Nation noch die islamische Welt werde die offensichtliche Verletzung von islamischen Heiligtümern vergessen.

In Bagdad nahm die irakische Polizei nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna den Büroleiter der Agentur sowie irakische Mitarbeiter fest. Die Polizei habe zudem Unterlagen und Teile der Ausrüstung im Büro beschlagnahmt.

In Washington erklärte Tamara Chalabi, ihr nach Bagdad zurückgekehrter Vater Ahmed wolle sich dem Vorwurf der Geldfälschung stellen. Ein Richter im Irak hatte am Samstag Haftbefehl gegen Chalabi, ein einstiges Mitglied des Provisorischen Regierungsrats, erlassen. Tamara Chalabi sagte, ihr Vater habe bei einem US- Bundesgericht in Washington im Zusammenhang mit der Schließung einer von ihm gegründeten Bank in Jordanien vor etwa 15 Jahren Sachdensersatzklage gegen die jordanische Regierung eingereicht.

In Mahmudija, 30 Kilometer südlich von Bagdad, wurde ein Funktionär der regierungsloyalen Schiiten-Partei Sciri (Oberster Rat der Islamischen Revolution im Irak) ermordet. Bei der Explosion einer Bombe auf einem Marktplatz in der Ortschaft Chan Bani Saad wurden mindestens sechs Menschen getötet. Bei zwei Überfällen auf irakische Polizisten im Raum Hilla südlich von Bagdad wurden vier Polizisten und einer der Angreifer getötet.

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