Aufsteiger im Mittelstand
Ohne Geld - aber mit guten Ideen

Oft mischen gerade kleine Unternehmen den Markt auf. Mit wenig Geld in der Tasche, dafür mit einer guten Idee und viel Engagment ausgestattet, erobern Start-ups erfolgreich Marktlücken. Handelsblatt.com stellt die pfiffigsten Geschäftsmodelle vor.

UNTERFÖHRING. Über 48 Jahre alt und ohne Job? An dem Punkt, an dem andere verzweifeln, ging es für Ex-Manager Reinhold Pill und Bauingenieur Axel Weih noch einmal von vorne los: Gemeinsam mit dem Architekten Ewald Waldmann gründeten sie im August 2005 das Unternehmen Häusercheck und beraten seitdem Laien beim Immobilienkauf. Anhand von 150 Kriterien überprüfen sie die Objekte auf ihren wahren Marktwert. "Die meisten Leute haben nämlich keine Ahnung", sagt Pill. Der schöne Pool täusche leicht über den verdeckten Dachschaden hinweg. Makler wissen das zu nutzen: Zehn bis 15 Prozent ungerechtfertigter Preisaufschlag seien in manchen Gegenden keine Seltenheit, sagt Pill. "Der Käufer ist immer in der schwächeren Position."

375 Euro kostet die Beratung. Wenn vom Kunden gewünscht, übernehmen die Experten gegen ein Erfolgshonorar anschließend auch die Kaufverhandlungen für das Haus oder die Wohnung. Andere Gutachter könnten schon mal acht Wochen für eine Bewertung brauchen, sagt Pill. " Wir machen das in vier bis fünf Tagen." Die Idee kam ihm während seiner früheren Tätigkeit für eine amerikanische Firma. "In manchen Staaten sind so genannte Home Inspectors gesetzlich vorgeschrieben", sagt er. In Deutschland habe sich bisher nur eine weitere Firma auf diesem Gebiet versucht.

Der Markt biete aber einiges Potenzial: Es gebe etwa 20 Mill. private Immobilien in Deutschland und 2,5 Prozent davon würden jedes Jahr verkauft. Mit einer Art Franchise-System will er nun das ganze Land erobern - fünf Prozent Marktanteil sind sein Ziel. Dafür sind 16 Standorte bis Ende nächsten Jahres geplant, rund 220 Berater sollen dann für Häusercheck arbeiten. Die Auswahl erfolgt nach einem außergewöhnlichen Prinzip: "Wir suchen ausschließlich Leute über 50", sagt Pill. Nur diese vermittelteten die für die Firma nötige Glaubwürdigkeit. "Außerdem wollen wir andere unterstützen, etwas aufzubauen." Die Berater bleiben selbstständig. Neben einer Art Franchisegebühr führen sie einen bestimmten Anteil der Honorare an die Zentrale ab.

Nach einer HäuserCheck-Annonce sucht man vergeblich. Statt Werbung setzt das Unternehmen auf die telefonische Kontaktaufnahme zu Immobiliensuchenden, die eine Anzeige geschaltet haben. Bisher scheint das zu funktionieren. "Wir schreiben schwarze Zahlen", sagt Pill. Mit einer Sache hatte er jedoch nicht gerechnet: Über 60 Prozent der Kunden sind weiblich. Dass Frauen beim Immobilienkauf vorsichtiger sind, glaubt er nicht. "Männer geben nur einfach nicht zu, dass sie nichts von Immobilien verstehen."       fh

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