Auftakt nach Maß
Duell Thorpe – Phelps nähert sich Höhepunkt

Ian Thorpe und Michael Phelps haben einen Auftakt nach Maß erwischt: Beide holten sich zum Auftakt der Schwimm-Wettbewerbe die Goldmedaille. Jetzt wartet alles auf ihr direktes Aufeinandertreffen über die 200 Meter Freistil.

HB ATHEN. Es war spät geworden, bevor Ian Thorpe zur Pressekonferenz im Aquatic Center von Athen erschien. Der Australier musste zuvor zur Dopingkontrolle. So, wie es alle Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen müssen. Doch als der für die Schwimm-Wettbewerbe zuständige Pressesprecher noch am Hintereingang auf den 21 Jahre alte Superstar wartete, saß Thorpe bereits auf dem Podium. «Oh, ich dachte Sie kommen aus dieser Tür », sagte der griechische Öffentlichkeitsarbeiter überrascht. «Tja, ich habe halt viele, viele Geheimnisse», antwortete Thorpe.

Der dreimalige Olympiasieger aus Sydney hatte einen grandiosen Auftakt bei diesen Olympischen Schwimm-Wettbewerben erwischt. Zumindest was den Gewinn der Goldmedaille über die 400 Meter Freistil in 3:43,10 Minuten betraf, die er sich vor seinem Teamkollegen Grant Hackett sicherte. Denn mit seiner Siegerzeit konnte Thorpe nicht zufrieden sein, lag sie doch über drei Sekunden über seinem am 30. Juli 2002 in Manchester aufgestellten Weltrekord.

«Es ist halt schwerer, einen Olympischen Titel zu verteidigen, als ihn zu erringen», sagte Thorpe. «Ich hoffe aber, dass ich über die 200 Meter Freistil schneller schwimmen kann.» Am Montagabend wird Thorpe über diese Strecke auf Michael Phelps treffen, seinen Gegner aus den USA.

In den Vorläufen an diesem Sonntag waren Thorpe und Pieter van den Hoogenband über 200 Meter Freistil aber schon einmal schneller als Michael Phelps. Im letzten der acht Erstrundenrennen am Sonntagmorgen trieben sich der Australier (1:47,22 Minuten) und der Sydney-Olympiasieger aus den Niederlanden (1:47,32) gegenseitig zu Spitzenzeiten, Phelps ließ es in 1:48,43 Minuten als Sieger seines Vorlaufs etwas ruhiger angehen.

Am Samstagabend war das allerdings ganz anders gewesen. Da sorgte Phelps bei seinem ersten von insgesamt acht Starts in Athen über die 400 Meter Lagen gleich für einen Paukenschlag. In 4:08,26 Minuten verbesserte er seinen eigenen Weltrekord um 15 Hunderstel. Sein Teamkollege Erik Vendt musste sich in 4:11,81 Minuten vor dem Tschechen Laszlo Cseh mit Platz zwei zufrieden geben.

«Ich habe den ganzen Tag an das Rennen gedacht und konnte die Nacht zuvor kaum schlafen», sagte der US-Amerikaner, der bei diesen Spielen zum Superstar avancieren kann. Aber bei seiner ersten Pressekonferenz vor den Spielen hatte er sich noch bescheiden gezeigt. Eine Medaille sei sein großes Ziel, ließ Phelps wissen. Die hat er nun und jeder fragt sich, ob er am Ende dieser Spiele insgesamt sieben oder acht Goldmedaillen mit auf die Heimreise nach Baltimore/Maryland nehmen kann.

Ian Thorpe interessiert das nur wenig, auch wenn er ständig danach gefragt wird. «Michael ist ohne Frage ein Sportler, mit einem außergewöhnlichem Talent. Er hat eine ganz große Zukunft vor sich», sagte Thorpe. Doch wie der Australier sagte, schaue «er nur auf sich selbst, nicht auf meine Konkurrenten». Dass derzeit immer wieder die besondere Rivalität zwischen den USA und Australien und ihm und Phelps bei diesen Spielen herausgestellt wird, nimmt Thorpe gelassen. «Die USA ist ebenso eine große Sportnation wie Australien.»

In Athen zollte Thorpe auch noch einmal Craig Stevens seinen Dank. Denn erst Stevens hatte es ihm mit seinem Startverzicht über diese Strecke ermöglicht, seinen Titel über die 400 Meter Freistil zu verteidigen. Thorpe hatte sich bei den Trials in Sydney über diese Strecke nicht qualifizieren können, da er wegen einer Unachtsamkeit vom Startblock gefallen war. «Ich danke allen, die es mir ermöglicht haben, über diese Strecke zu starten, vor allem meinem Freund Craig, aber auch meinem Coach und meiner Eltern.»

Für Spannung dürfte übrigens bereits schon an diesem Sonntagabend gesorgt sein. Dann steht die 4 x 100 Meter Freistil-Staffel auf dem Programm. Mit dabei: Michael Phelps und Ian Thorpe.

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