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Auftakt ohne Strom - Valdez stiehlt Klose die Show

Bremen (dpa) - «Joker» Nelson Valdez hat nach der peinlichen Strompanne in Bremen für einen Lichtblick gesorgt und den deutschen Meister vor einem Fehlstart in die 42. Saison der Fußball-Bundesliga gerettet.

Bremen (dpa) - «Joker» Nelson Valdez hat nach der peinlichen Strompanne in Bremen für einen Lichtblick gesorgt und den deutschen Meister vor einem Fehlstart in die 42. Saison der Fußball-Bundesliga gerettet.

Der quirlige Stürmer aus Paraguay, der von Werder-Trainer Thomas Schaaf für Nationalspieler Miroslav Klose eingewechselt wurde, nutzte seine Chance und sorgte in der 84. Minute für den 1:0 (0:0)-Siegtreffer gegen den FC Schalke 04. So fand die Saison-Eröffnung, die erst mit 65-minütiger Verspätung angepfiffen werden konnte, doch noch ein versöhnliches Ende für den Titelverteidiger und die 42 109 Zuschauer im ausverkauften Weserstadion.

Als die Lichter, Monitore und TV-Bildschirme schwarz wurden und die Uhren fünf Minuten vor dem Anpfiff um 20.25 Uhr stehen blieben, drohte die größte Panne der Bundesliga-Geschichte. Die Stadt, der Verein und auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) gerieten in helle Aufregung. Der Grund: Eine Verbindungsstelle im Stromnetz, die bei Bauarbeiten beschädigt worden war und von den Stadtwerken erst nach 65 Minuten «geflickt» werden konnte.

Während der alte Bremer Torjäger Ailton bei seinem neuen Verein Ladehemmung hatte, stahl Valdez dem designierten Nachfolger Klose die Show. Der Fünf-Millionen-Einkauf blieb blass und musste ihm nach 73 Minuten den Platz frei machen. Mit dem «Stürmer zweiter Wahl» kam indes Schwung in das stockende Spiel des Titelverteidigers. «Das war für mich ein perfekter Abend. Ich will in meinem ganzen Fußballer-Leben aber nicht ein Joker sein», meldete Valdez Ansprüche auf einen Stammplatz an.

Schaaf lobte den Nationalspieler aus Südamerika: «Er ist ein Junge mit Herz, der den Erfolg sucht.» Der Werder-Coach wird wohl nicht umhin kommen, ihm im kommenden Auswärtsspiel bei Hansa Rostock den Vorzug vor Klose und Europameister Angelos Charisteas zu geben. Denn der Kroate Ivan Klasnic scheint dank seiner prächtigen Frühform gesetzt zu sein. «Wir können froh sein, dass wir ein derartiges Luxus-Problem mit vier hochkarätigen Stürmern haben», meinte Schaaf und fügte lächelnd hinzu: «Wir brauchen sie doch alle.»

Jupp Heynckes machte trotz des «Pannenspiels» eine gute Miene. Der Schalke-Trainer hatte sich schon mit einem Punkt abgefunden und wäre damit auch hochzufrieden gewesen: «Ich habe so etwas wie hier in Bremen schon einige Male in Spanien erlebt. Die Strompleite konnte mich nicht aus der Ruhe bringen.» Für die mäßige Leistung auf dem Platz hatte er Verständnis: «Beide Teams hatten Spannung aufgebaut, die beim tatsächlichen Beginn nicht mehr da war. Trotzdem haben beide Mannschaften ein relativ gutes Spiel gezeigt.»

Den vergebenen Chancen trauerte Heynckes aber schon nach. «Wenn man in einem Spitzenspiel zwei Tor-Möglichkeiten bekommt, dann muss man sie auch verwerten.» Gemeint war der Brasilianer Ailton, der nach dem Rückstand mit einer Riesenchance an Torhüter Andreas Reinke gescheitert war. «Er muss sich erst an die Laufwege innerhalb der Mannschaft gewöhnen», nahm Heynckes den Neu-Einkauf in Schutz.

Die besten Noten verdienten sich die Zuschauer, die während der Wartezeit im wahrsten Wortsinn im Dunkeln tappten, aber trotzdem die Ruhe bewahrten und die Angst der Verantwortlichen vor einer Panik beseitigten. «Das war Klasse, wie sich die Zuschauer verhalten haben», meinte Schaaf und Kollege Heynckes stimmte ihm voll und ganz zu. DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub gestand hinterher: «Es war eine schwierige Situation. Wir hatten an Abbruch gedacht, denn wir hätten die Sicherheit der Leute im Stadion nicht gefährdet.»

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