Aufträge sinken weniger stark als befürchtet – Ökonomen rechnen erst 2004 mit mehr Konjunkturdynamik
Schwache Erholung in den USA

Die US-Konjunktur kommt nicht recht vom Fleck - ein erneutes Abgleiten in die Rezession befürchten aber die wenigsten Volkswirte. Immerhin wurden Investitionsgüter im August wieder stärker nachgefragt. Die Rüstungsindustrie hat dagegen deutlich weniger Aufträge bekommen.

pbs DÜSSELDORF. Die Lage der US-Wirtschaft ist ernst - aber nicht hoffnungslos. "Die Erholung dürfte sich fortsetzen, aber eben ohne Schwung", bringt es Holger Bahr, Volkswirt bei der Deka-Bank auf den Punkt. "Erst 2004 wird es eine wirklich bessere Entwicklung geben, bis dahin wird die Erholung schwach verlaufen", meint Patrick Franke von der Commerzbank.

Wie angeschlagen die Stimmung ist, zeigt sich, wenn Ökonomen beginnen, eigentlich schlechte Nachrichten positiv zu interpretieren - bloß weil die Verschlechterung bereits erwartet wurde. Die Aufträge für langlebige Güter - ein wichtiger Frühindikator für die Investitionen - sind im August weniger stark zurück gegangen als erwartet. Die US-Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe bekamen 0,6 % weniger Orders als im Juli, berichtet das US-Handelsministerium. Im Vormonat waren die Auftragseingänge um 8,6 % gestiegen - allerdings wurde damit der vorläufige Wert von 9,2 % leicht nach unten korrigiert.

Die Aufträge für Investitionsgüter stiegen um rund 8 %. Die Rüstungsindustrie bekam dagegen rund 20 % weniger Orders als noch im Juli. Die Aufträge für Militär-Flugzeuge brachen sogar um fast 50 % ein. Insgesamt stiegen die Aufträge für Transportgüter jedoch leicht an, weil Boeing aus dem Ausland einen Großauftrag über 13 Zivil-Flugzeuge bekam. Zurück gingen dagegen die Aufträge für Computer, Maschinen und Pkw. "So lange die Investitionen nicht in Schwung kommen, bleibt der Aufschwung ohne Schwung", sagt Bahr. Letztlich sind höhere Aufträge noch keine Garantie für mehr Investitionen. Denn noch leidet die Wirtschaft unter Überkapazitäten.

Die Rüstungsindustrie hat zwar im August weniger Orders bekommen, Ökonomen rechenen aber mit weiterhin steigenden Verteidigungsausgaben. David Milleker von der Dresdner Bank schätzt, dass der Anteil der Verteidigungsausgaben am US-Bruttoinlandsprodukt bis 2006 auf 5,5 % von 3 % im Jahr 2001 steigen wird. Das werde sich auch negativ auf die Verschuldung auswirken: Das Budgetdefizit des Bundeshaushaltes wird sich bis 2007 auf rund 3,5 % ausweiten, schätzt Milleker.

Volkswirte kritisieren die hohen Verteidigungsausgaben: Der Staat könne die Gelder produktiver verwenden, zum Beispiel für den Ausbau der Infrastruktur, meint Commerzbank-Ökonom Franke. Allerdings sei der volkswirtschaftliche Nutzen einer "erhöhten Sicherheit nur schwer zu quantifizieren," gibt Milleker zu Bedenken.

Die Hoffnungen der Ökonomen ruhen weiter auf dem privaten Verbrauch, der zu zwei Dritteln der Wirtschaftsleistung beiträgt.

Wirklich gute Nachrichten sind aber auch hier Mangelware: Das Vertrauen der US-Konsumenten in die Wirtschaft hat auch im September weiter nachgelassen - wenn auch weniger stark als befürchtet, hatte das private US-Forschungsinstitut Conference Board am Dienstag berichtet. Seit Mai verschlechtert sich die Stimmung nun schon. Die Konsumenten haben ihre aktuelle Situation im August negativer beurteilt als noch im Juli. Dagegen blicken sie zum ersten Mal seit Mai wieder positiver in die Zukunft. Pessimistischer als früher sehen die Konsumenten allerdings die Lage am Arbeitsmarkt. Eine zweite große Entlassungswelle sei zwar nicht ausgeschlossen, meint Franke. Bestenfalls werde die Lage am Arbeitsmarkt aber stagnieren. Bis zum Jahresende werde die Arbeitslosenrate auf 6,1 von 5,7 % im August steigen. Die Arbeitslosigkeit könne durchaus zu einem Belastungsfaktor für den privaten Verbrauch werden, warnt Franke.

Bereits zu Wochenbeginn gab es neue Belege für die schwache Verfassung der US-Wirtschaft. Kursverluste an den Börsen und das schwindende Vertrauen der Verbraucher hatten den Index der Frühindikatoren für August in die Knie gezwungen. Das Konjunkturbarometer setzt sich aus zehn wichtigen Wirtschaftsdaten zusammen und wird ebenfalls vom Conference Board ermittelt und ist nun schon den dritten Monat gefallen. Die Daten zeigten auch, dass die Unternehmen mit Investitionen und Neueinstellungen zögern. Die schwache Erholung könnte ins Stocken geraten, falls zudem auch noch die Verbrauchernachfrage nachlässt, sagte Conference-Chefökonom Goldstein.

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