Aufträge und Finanzierung werden ausgelagert
Modell der IKB schont die Bilanz

Das Partnerschaftsmodell der IKB Deutsche Industriebank ist ein Kind der Praxis und hat seinen Ursprung in der KfZ-Zulieferbranche. In den vergangenen Jahren nahm die Belastung der Zulieferer laufend zu. Die Aufträge der Automobilkonzerne wurden immer anspruchsvoller und komplexer; mehrjährige Entwicklungszeiten und Vorleistungen in zweistelliger Millionenhöhe waren und sind keine Ausnahme.

nw/pk FRANKFURT/M. "Während die Aufwendungen sofort anfallen, gehen die Einnahmen teils mit erheblicher zeitlicher Verzögerung ein", sagt Direktor Olav van Lier, der das Partnerschaftsmodell über die IKB Fonds GmbH betreut. Daraus resultiere ein Teufelskreis, denn die Finanzkraft des Zulieferers lässt nach, die Bilanzstruktur leidet und das wiederum führt zu schlechteren Konditionen für neues Fremdkapital.

Zu diesen branchenspezifischen Problemen kommen die Herausforderungen unter dem Stichwort "Basel II" hinzu. Die Kreditnehmer bekommen künftig ein Rating, dass die Bonität widerspiegelt, wobei hier die Bilanzrelationen eine große Rolle spielen. Wer seine Entwicklungsprojekte außerhalb der Bilanz darstellen kann, vermeidet eine Belastung des Ratings.

Hier setzt das Partnerschaftsmodell an und bietet eine so genannte off balance-Lösung, die eine Finanzierung ohne Bilanzbelastung ermöglicht. Dreh- und Angelpunkt ist die Gründung einer Projektgesellschaft, in die der Entwicklungsauftrag verlagert wird. Diese Projektgesellschaft nimmt bei der IKB ein Darlehen auf und agiert als technischer Partner. Durch diese Konstruktion erfolgt keine Konsolidierung der Projektgesellschaft in der Bilanz des Zulieferers, denn die IKB hält gleichzeitig die Mehrheit an der neuen Gesellschaft. "Wir wollen das Heft im Hinblick auf das Projektrisiko in der Hand behalten", erklärt van Lier.

Das Partnerschaftsmodell eignet sich laut IKB für Aufträge ab 20 Mill. Euro, die Bilanzsumme des Zulieferers sollte mindestens 125 Mill. Euro betragen und die Gewinnmarge darf 3,5 % nicht unterschreiten. Außerdem werden die Mittel nur für den Entwicklungsauftrag bereit gestellt: "Die IKB vergibt aus ihrem Selbstverständnis heraus grundsätzlich keine allgemeinen Betriebsmittelkredite, sondern finanziert nur projektbezogene Investitionen", erklärt IKB-Manager van Lier. Die Transaktionskosten des Zulieferers, die für die Einrichtung und die laufende Verwaltung der Projektgesellschaft anfallen, liegen laut IKB im niedrigen einstelligen Prozentbereich des Investitionsvolumens. Daneben fallen nur noch die Finanzierungskosten an.

Das Modell ist flexibel ausgelegt, so dass sich beispielsweise Zulieferer und Automobilhersteller an den Projektgesellschaften beteiligen oder Investoren mit Eigenkapital einsteigen können. Bedenken, das Modell könne wegen der Skandale in den USA - bei denen ging es ebenfalls um übertragene Aktivitäten auf so genannte Partnerships - kritisiert werden, weist van Lier zurück. Hier gehe es nicht nur um die Bilanzierung, sondern um echte projektbezogene Finanzierungsströme. Außerdem hätten Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer das IKB-Modell auf seine Zulässigkeit laut HGB und auch US-GAAP/IAS geprüft.

Für das laufende Jahr wird die IKB drei Projekte mit einem Finanzierunsgvolumen von 70 Mill. bis 100 Mill. Euro realisieren. Außerdem soll das Modell auch auf den Maschinenbau übertragen werden.

Matthias Meitner vom ZEW Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim hat Zweifel, ob der Kern des Modells - die Ausgliederung aus der Bilanz - langfristig Bestand haben wird. Nach jetzigem Gesetzesstand mag das Modell nicht konsolidierungspflichtig sein. Nach dem Vorschlag des FASB (Financial Accounting Standards Board) für eine Neuerung in der Bilanzierung von Objektgesellschaften, der ab 2003 gilt, könne es aber Probleme geben, die Projektgesellschaft aus der Bilanz des Zulieferers zu halten. Den IKB-Vorschlägen zufolge erscheine die Projektgesellschaft wirtschaftlich abhängig und der Meistbegünstigte sei bei der derzeitigen Struktur der Zulieferer.

"Die Folge: Die Konsolidierung beim Zulieferer sei verpflichtend", sagte Meitner. Die internationalen Rechnungslegungsstandards IAS würden vermutlich nachziehen. Möglicherweise sei das IKB-Modell veränderbar, so dass eine Konsolidierung auch weiterhin unterbleiben kann. "Das ist aber nicht so einfach."

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