Auftragseingänge fallen im Juni um 2 %
Krise der US-Industrie belastet Wachstum

Die Schwäche im verarbeitenden Gewerbe dürfte das Wachstum in den USA im zweiten Quartal erheblich beeinträchtigt haben. Fallende Auftragseingänge versprechen kaum Besserung für die kommenden Monate.

bbl DÜSSELDORF. Die Rezession in der US-Industrie dauert an. Einen Tag vor der Veröffentlichung erster Zahlen zum Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal, das heftig unter der Krise im verarbeitenden Gewerbe gelitten haben dürfte, signalisieren neue Daten kein Licht am Ende des Tunnels.

Die Auftragseingänge für langlebige Güter sind nach Angaben des US-Handelsministeriums im Juni um unerwartet kräftige 2 % zum Vormonat zurückgegangen. Damit waren die neuen Orders im zweiten Quartal insgesamt rückläufig - zum vierten Mal in Folge. Bereits seit Jahresbeginn unterschreiten sie ihr Vorjahresniveau.

Vor allem bei den Kapitalgüterherstellern schrumpft das Auftragspolster. Sie leiden unter den gesunkenen Investitionsausgaben der Unternehmen. "Die Unternehmensinvestitionen liegen weit über dem Niveau, das durch die Kapitalrendite gerechtfertigt werden kann", urteilen die Volkswirte der US-Investmentbank Goldman Sachs. Seit dem vergangenen Sommer haben die Unternehmen ihre Ausrüstungsinvestitionen, und hierbei vor allem ihre Ausgaben für IT-Güter kräftig zurückgenommen. "Wir befinden uns mitten in einer Überinvestitionskrise", umschreibt Ulrich Beckmann von DB Global Markets Research die Lage.

Die Industrieproduktion war im Juni im neunten Monat in Folge im Vormonatsvergleich rückläufig. Die Kapazitätsauslastung in der Industrie ist demzufolge in den vergangenen Monaten kräftig gesunken. Im Juni erreichte sie mit 77 % den niedrigsten Stand seit 18 Jahren. Zwar machen die Investitionsausgaben der Industrieunternehmen an den gesamten Unternehmensinvestitionen nur noch knapp 20 % aus. Doch gibt es kaum Anzeichen für einen erneuten Auftrieb bei der Industrieproduktion, der auch die Investitionen wieder beflügeln könnte. Die neuen Auftragsdaten zerstreuen den vagen Hoffnungsschimmer, den die marktrelevanten Industrieumfragen, und hier vor allem der Nationale Einkaufsmanagerindex (NAPM) zuletzt vermittelten. Sie haben im Juni einen deutlichen Sprung nach oben gemacht, zeigen aber noch immer keine Produktionszunahme an.

Zumindest stellt sich von der Kostenseite her Entlastung ein: Der Anstieg der Arbeitskosten, zu denen die Löhne und Gehälter der zivil Beschäftigten sowie die Lohnnebenkosten zählen, konnte im zweiten Quartal leicht gebremst werden. Die Importpreise sind zuletzt merklich gesunken.

Nur bedingt können die Produzenten derzeit auf die Kauflust der privaten Haushalte setzen, dem entscheidende Wachstumsträger. Bei ihnen zeigen sich erste Ermüdungserscheinungen. Die privaten Konsumausgaben sind im Mai kaum noch gestiegen. Die Einzelhandelsumsätze sind ohne Autokäufe im Juni gar zurückgegangen. Negativ auf den privaten Verbrauch wirkt sich vor allem die Lage am Arbeitsmarkt aus, wo die Konjunkturflaute inzwischen erste Spuren hinterlässt. Zwischen April und Juni dieses Jahren hat die Privatwirtschaft ohne Landwirtschaft 271 000 Stellen abgebaut. Der größte Teil hiervon geht auf das Konto des verarbeitenden Gewerbes, wo allein im Juni 113 000 Personen entlassen wurden. Die Zuwächse bei den verfügbaren Einkommen haben sich dementsprechend seit März abgeflacht.

Damit dürfte der mehrheitlich von den Bankvolkswirten erwartete Wachstumsrückgang im zweiten Quartal vor allem auf die schwache Investitionstätigkeit der US-Unternehmen zurückzuführen sein. Von Bloomberg befragte Analysten rechnen mehrheitlich mit einem annualisierten Wachstum von 1 % (rund 0,25 % zum Vorquartal). Viele internationale Banken haben in den vergangenen Wochen ihre Erwartungen für das zweite Quartal hochgesetzt, weil sie stärker als zuvor mit einem kräftigen Wachstumsbeitrag des Außenhandels rechnen. Die US-Importe hatten im Mai unerwartet kräftig abgenommen. Skeptischer geben sich die Volkswirte von Goldman Sachs, die nur ein Wachstum von 0,5 % erwarten. Sie rechnen nicht damit, dass der positive Außenbeitrag für die vermutlich kräftig gefallene Binnennachfrage kompensieren kann. Vielmehr sei die Binnennachfrage durch die Investitionsschwäche negativ ausgefallen.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten könnten der US-Notenbank neue Argumente für eine Zinssenkung bei ihrer nächsten Sitzung am 21. August liefern. Dagegen könnte allerdings das wiedererstarkte Verbrauchervertrauen sprechen, auf das Fed-Präsident Alan Greenspan zuletzt verstärkt geschaut hatte. Rechnet man die Energiepreise heraus, so hat auch die Teuerung zuletzt wieder angezogen. Bislang scheint die geldpolitische Lockerung der Fed die Investitionen allerdings noch nicht zu beflügeln. Seit Anfang des Jahres hat sie die Zinsen bereits um insgesamt 275 Basispunkte auf 3,75 % gesenkt.

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