Auftritt bei AC Mailand: Eine Frage der Ehre

Auftritt bei AC Mailand
Eine Frage der Ehre

Nur ein kleines Wunder kann den deutschen Fußball vor der größten Europacup-Pleite seit fast 20 Jahren bewahren. Nach dem unrühmlichen Abschneiden der restlichen "Botschafter" in Champions League und UEFA-Cup ist Borussia Dortmund der einzige deutsche Club, der noch theoretische Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale besitzt.

HB/dpa DORTMUND. Gelingt dem BVB am Dienstag beim AC Mailand (18.30 Uhr/Premiere) kein Sieg und leistet Lokomotive Moskau im Duell mit Real Madrid nicht zeitgleich Schützenhilfe, finden die Runden der letzten acht Mannschaften auf internationaler Bühne erstmals seit der Saison 1983/84 ohne Bundesliga-Beteiligung statt.

Diesen Supergau würde BVB-Manager Michael Meier liebend gern verhindern: "Ein Erfolg im Giuseppe-Meazza-Stadion wäre nicht nur für uns, sondern auch für andere deutsche Mannschaften enorm wichtig." Die Minimal-Chance, in der Fünf-Jahres-Wertung der UEFA die Engländer oder Italiener aus den Top drei zu verdrängen und den vierten Champions-League-Startplatz für 2004/2005 zurückzuerobern, soll unter allen Umständen gewahrt werden. Schließlich hatte die Bundesliga noch im letzten Jahr dank der Finalteilnahmen von Bayer Leverkusen (Champions League) und Dortmund (UEFA-Cup) reichlich Boden gutgemacht. Trotzig fügte Meier hinzu: "Wir werden für eine Sensation sorgen."

Die Dortmunder Profis sehen es als eine Frage der Ehre an, gegen den 16-maligen italienischen Meister zu bestehen. Seit dem 0:1 im "Hinspiel" am 11. Dezember ist noch eine Rechnung offen. "Da haben wir den Gegnern vor Ehrfurcht fast noch die Schuhe zugemacht", klagte Trainer Matthias Sammer und kündigte für den Showdown in der Gruppe C der Zwischenrunde eine forschere Gangart an. Sammer setzt auf einen Reifeprozess seiner Mannschaft: "In den beiden Spielen gegen Madrid haben wir dazugelernt." Auch ohne den noch immer verletzten Spielmacher Tomas Rosicky (Bluterguss im Oberschenkel) will der Coach in der "Höhle des Löwen" auf Sieg spielen.

Angesichts des Ein-Punkte-Rückstandes auf Real und den Nachteilen im direkten Duell bleibt ihm auch keine andere Wahl. Hoffnungen schöpfen die Borussen aus der Gewissheit, dass die Minimalisten vom AC Milan bereits fürs Viertelfinale qualifiziert sind. Deshalb könnten sie gegen Dortmund einige Stammspieler schonen, um der höher eingeschätzten Konkurrenz aus Madrid im weiteren Verlauf des Wettbewerbs aus dem Weg zu gehen. Von solchen Spekulationen hält Sammer jedoch wenig: "Mir ist es egal, ob Milan mit acht oder zehn Spielern antritt. Wichtiger ist es, dass wir auswärts besser spielen als zuletzt."

Wenn sich der Abschied aus dem Schlaraffenland schon nicht verhindern lässt, soll er wenigstens ehrenvoll sein. "Stellt euch mal vor, wir verlieren in Mailand und Madrid in Moskau. Das wäre das schlimmste, was passieren könnte. Daran möchte ich gar nicht denken", sagte Nationalspieler Torsten Frings. Doch ein Blick auf die bescheidene Bilanz in den letzten neun Bundesliga-Auswärtsspielen stimmt bedenklich: Immerhin trat der Revierclub die Heimreise sechs Mal als Verlierer an.

Die Hoffnung der Borussen, auf einen wenig motivierten Gegner zu treffen, könnte sich ohnehin als trügerisch erweisen. Nach der 1:3- Schlappe in Madrid und dem enttäuschenden 0:0 bei Reggina Calcio sehnen sich die Milan-Fans nach einem Erfolgserlebnis. Schließlich verspielte der Tabellendritte der Serie A mit dem torlosen Remis gegen den Aufsteiger die wohl letzte Chance auf die Meisterschaft. Weil der ruhmreiche Club in der Rückrunde nicht mehr Punkte als Abstiegsaspirant Como gewann, ist die Geduld von Vize-Präsident Adriano Galliani langsam aber sicher aufgebraucht: "Vor der Winterpause haben wir sogar noch ganz Europa begeistert. Unsere Stärken können doch nicht von heute auf morgen verschwunden sein." Unterliegt Trainer Carlo Ancelotti am Dienstag gegen Dortmund und am Wochenende gegen Spitzenreiter Juventus Turin dürften seine Tage gezählt sein.

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