Aufwärtstrend fortgesetzt
Pharmahändler Gehe auf Rekordkurs

Europas größter Pharmagroß- und Einzelhändler Gehe hat seinen Aufwärtstrend auch in den ersten neun Monaten fortgesetzt und sieht sich erneut vor einem Rekordjahr.

Reuters STUTTGART. Das Ergebnis vor Steuern sei in den ersten drei Quartalen um 17,3 Prozent auf 243,0 Millionen Euro gewachsen und habe damit die eigenen Erwartungen übertroffen, teilte Gehe am Mittwoch in Stuttgart mit. Der Gewinn stieg damit erneut schneller als der Konzernumsatz, der um 10,4 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro zulegte. Das Pharma-Geschäft sei relativ konjunkturunabhängig, erklärte Vorstandschef Fritz Oesterle das stetige Wachstum. Das Umsatzwachstum in Deutschland und Frankreich habe sich zuletzt zwar verlangsamt, doch habe Gehe dies auf anderen europäischen Märkten wett gemacht. Elemente des geplanten Sparpakets von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) könnten nach seiner Ansicht zu einer weiteren Konzentration im Pharmahandel führen.

Für das gesamte Jahr 2002 rechnet Gehe weiterhin mit einem acht- bis zehnprozentigen Umsatzwachstum. Das Vorsteuerergebnis solle prozentual mindestens so stark zunehmen wie im Jahr zuvor, hieß es. Das entspräche einem Ergebnis von mehr als 333 (2001: 292,1) Millionen Euro. 2001 hatte Gehe das Ergebnis vor Steuern um 14,3 Prozent ausgebaut. Deutschland hat am Gehe-Umsatz knapp 20 Prozent Anteil.

"Dank der nochmals verbesserten Profitabilität unseres Großhandels und der Umsetzung unserer Wachstumsstrategie im Einzelhandel werden wir auch 2002 neue Rekordmarken für Umsatz und Ergebnis erreichen", erklärte Oesterle. Gehe wolle seinen Wachstumskurs auch 2003 und darüber hinaus aus eigener Kraft fortsetzen. Akquisitionen wollte er nicht ausschließen. "Aber Zukäufe kann ich nicht budgetieren", sagte der Gehe-Chef.

Der Überschuss nach Steuern stieg in den ersten neun Monaten um fast ein Fünftel auf 169,1 Millionen Euro. Im dritten Quartal schwächte sich das Wachstum von Umsatz und Gewinn allerdings wie erwartet etwas ab. Im ersten Halbjahr hatte der Umsatz noch um elf Prozent und der Gewinn nach Steuern um 25 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen. Das interne Wachstum habe in den ersten drei Quartalen bei 5,5 Prozent gelegen, sagte Oesterle. Ohne die notwendigen Investitionen in neue Apotheken wäre das Ergebnis um über 20 Prozent gestiegen.

Die Pläne zu einer erneuten Gesundheitsreform könnten nach Ansicht des Gehe-Chefs zu einer weiteren Konzentration im Großhandel mit Pharmaprodukten führen. Die von Gesundheits- und Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) geplante Abschöpfung der Apotheker-Rabatte durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) verursache einen so hohen Aufwand für die Einzelhändler, dass diese gezwungen seien, sich auf einen Hauptlieferanten zu beschränken, sagte Oesterle. Dies könnte die kleinen privaten Großhändler belasten. "Wozu das führen wird, wird man sehen", sagte der Vorstandschef des Marktführers.

Bisher werden die meisten deutschen Apotheken von zwei oder mehr Großhändlern beliefert. Der deutsche Pharmagroßhandel wird von Gehe, der Mannheimer Phoenix, der Frankfurter Andreae Zahn-Noris (Anzag) sowie Sanacorp dominiert.

Als Großhändler sieht sich Gehe selbst von den Reformplänen nur indirekt betroffen, obwohl Schmidt auch vom Großhandel drei Prozent Rabatt für die GKV als "Großkunde" fordert. Doch höhere Nachlässe könne die Branche nicht geben, sagte Oesterle. "Vom pharmazeutischen Großhandel ist also nichts zu holen." Die im Nebenwerte-Index MDax notierte Gehe-Aktie legte am Mittwoch um ein Prozent auf 37,10 Euro zu und entfernte sich damit wieder von ihrem Jahrestief, dass sie vor rund einer Woche markiert hatte.

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