Aufwärtstrend für Portalanbieter verzögert sich
Internet-Provider mit starken Müttern gefragt

"Der heftige Kursanstieg der Internetportalbetreiber bis März 2000 war mindestens ebenso unrealistisch wie jetzt der Abstieg", sagt Kai Kaufmann, Analyst der Dresdner Kleinwort Wasserstein.

DÜSSELDORF. Denn damals habe man die Unternehmen meist relativ zum Kurs vergleichbarer Unternehmen des Sektors bewertet. Als deren Kurse kletterten, zogen alle anderen mit. Es sei jetzt an der Zeit, Unternehmen aufgrund absoluter Zahlen wie Kapital und Kundenbindung zu bewerten, stellt die Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) in einer Studie fest. Derzeit sei der überwiegende Teil der Internetportalbetreiber zumindest mit "Halten", in Ausnahmefällen sogar mit "Kaufen" zu bewerten.

Für das Gedeihen von Internetportalen, die 75 % ihrer Einnahmen durch Werbung und elektronischen Handel erzielen, ist die Größe des Online-Werbemarktes entscheidend. Die volkswirtschaftlichen Rahmendaten haben sich aber weiter verschlechtert.

Als empfehlenswerter gelten daher die Werte von Internet-Zugangsanbietern, den Providern, die ihre Einnahmen mit den Grund- und Verbindungsgebühren erzielen. Auch die Anbieter von Branchenverzeichnissen gelten als lukrativ.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt Kaufmann zurzeit Wanadoo zum Kauf. Die Internet-Tochter des französischen Telekommunikationskonzerns France Telecom betreibt die Gelben Seiten in Frankreich. Sie setzte in den ersten drei Quartalen 1,03 Mrd. Euro um. Langfristig werde sie von der Verbreitung des schnellen Breitbandzugangs ADSL der Mutter profitieren, schätzt Kaufmann.

Auch Seat Pagine Gialle SpA, Internettochter der Telecom Italia, betreibt ein Gelbe-Seiten-Verzeichnis für Italien und bezieht 75 % seiner Erlöse aus Gebühren, ist also vergleichsweise defensiv. Gleichwohl stuft DKW sie nur mit "halten" ein.

Auf die Sicht von zwölf Monaten prognostiziert die Studie ein Wachstum des Online-Werbemarktes um 5 % in diesem und 12 % im nächstem Jahr. In europäischen Unternehmen betragen die Online-Werbeausgaben erst 1 % der Werbe-Etats. In den USA sind es 4 %. Weil die Zahl der Internetanschlüsse zunehme - von 30 % aller europäischen Haushalte auf mindestens 48 % wie in den USA, werde dieses Segment interessanter, zumal sich online Zielgruppen besser ansprechen ließen.

Ein unter diesen Voraussetzungen attraktiver Kandidat sei der Karlsruher Portalbetreiber Web.de, den DKW mit "halten" einstuft. Seine Stärke liege in der hohen Barreserve von 120 Mill. Euro, sagt Ernst Scheerer von DKW. Das um einen Abschlag von 20 % reduzierte Kursziel der Aktie sieht er bei 7,4 Euro.

Mit "verkaufen" wird dagegen der ohne Telekom-Mutter dastehende Portalbetreiber Tiscali eingestuft. Die Strategie der Firma, andere Internetfirmen aufzukaufen, sei falsch. Besser sollten die bestehenden Beteiligungen ausgebaut werden, um nennenswerte Marktanteile in einzelnen Ländern zu erreichen.

Gleichfalls mit "halten" eingestuft sind die Portalbetreiber Scandinavian Online und Terra Lycos, die Internettochter der spanischen Telefonica, die den spanischsprachigen und portugiesischen Raum abdeckt. Beide könnten nicht in gleichem Maße wie T-Online und Wanadoo von ihrem Mutterunternehmen profitieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%