Aufwand für Altersvorsorge steigt 2003 um bis zu 600 Millionen Euro
Daimler muss dickes Pensionsloch stopfen

Der Aktiencrash hat bei Daimler-Chrysler ein Loch von 5,5 Mrd. Euro in die Pensionsvorsorge gerissen. Der Autokonzern reagiert gelassen. Die Auswirkungen halten sich bisher in Grenzen.

STUTTGART. Obwohl es Daimler Chrysler - wieder spürbar besser geht, macht dem Konzern eine große Lücke in den Rückstellungen für seine Pensionäre zu schaffen. Die Unterdeckung in den Pensionsverpflichtungen wird zum Jahresende etwa 5,5 Mrd. Euro betragen, wie das Unternehmen gestern bei der Vorlage der neuen Quartalszahlen bekannt gab. Finanzchef Manfred Gentz erklärte, bis Jahresende werde entschieden, ob Daimler-Chrysler Geld nachschieße. Allerdings werde aufgrund der niedrigeren Erträge aus dem Vermögen der Pensionsfonds der Aufwand für die Altersversorgung im kommenden Jahr vor Steuern insgesamt um 400 bis 600 Mill. Euro steigen. Noch bis Ende 2001 gab es keine Probleme. Die Pensionsverpflichtungen von damals 24 Mrd. Euro im Ausland und 10 Mrd. Euro in Deutschland waren durch Vermögen und Rückstellungen fast gedeckt.

Dennoch steht Daimler-Chrysler deutlich besser da als die großen US-Konkurrenten General Motors (GM) und Ford. Bei GM beträgt die Lücke nach Berechnungen der Rating- Agentur Standard & Poor?s (S&P) insgesamt 26 bis 28 Mrd. $, bei Ford 10 Mrd. $. Allein für die nordamerikanischen Beschäftigten klafft bei GM derzeit ein Loch von bis zu 23 Mrd. $. Weit geringer fällt der Fehlbetrag bei Ford mit 6,5 Mrd $ aus, während es bei Daimler-Chrysler rund 3,0 Mrd. $ (3,1 Mrd. Euro) sind.

S&P hat deshalb bereits das Rating von GM, die Benotung der Kreditwürdigkeit, von BBB+ auf BBB abgesenkt. Bei Ford sieht S&P die Restrukturierung skeptisch. Daher stellten die Bonitätsprüfer dem Autokonzern eine Verschlechterung der bisherigen Note BBB+ in Aussicht. Dass sich Daimler-Chryslers Rating von ebenfalls BBB+ verschlechtern und sich damit die Geldbeschaffung verteuern könnte, ist nach den guten Quartalszahlen nicht zu erwarten.

Finanzchef Gentz gibt sich trotz der rechnerischen Milliardenlücke gelassen. Zwar sieht das US-Gesetz zur Sicherung der Mitarbeiter-Renten ERISA (Employee Retirement Income Security Act) eine Mindestdeckung des US-Pensionsfonds von 90 % vor. Doch vorerst besteht keine Nachschusspflicht, denn ERISA hat eigene Berechnungsmethoden. Eine Dotierung zum Jahresende wäre damit freiwillig. Zudem stehen derzeit nach Daimler Chrysler-Angaben - keine Beitragserhöhungen der staatlichen US-Pensionsversicherung PBGC (Pension Benefit Gurantee Corporation) an.

Gentz will die Lücke gemäß den Grundsätzen der US-Rechnungslegung (US-GAAP) erst einmal durch Umbuchungen in der Bilanz ausgleichen, indem er Pensionsrückstellungen zu Lasten des Eigenkapitals bildet. Diese Buchung wirkt sich nicht auf den Ertrag aus. Zudem fällt die Lücke aufgrund einer anderen Berechnungsmethode in der Bilanz geringer aus. Die Eigenkapitalquote des Konzerns wird trotz Umbuchungen nach Unternehmensangaben etwa auf dem Niveau des Vorjahres von gut 18 % bleiben. Ohne die Belastungen wäre sie gestiegen.

Dass die Kapitalerträge der Pensionsfonds aufgrund der zusammengebrochenen Aktienmärkte nicht mehr sprudeln, wird jedoch auf den Gewinn durchschlagen. Die Folgen wirken sich aber erst nächstes Jahr aus. Denn die US-GAAP versuchen, kurzfristige Ausschläge zu vermeiden - handelt es sich doch bei den Pensionsverpflichtungen um sehr langfristige Anlagen. Deshalb beinhalten die US-Bilanzregeln viele Glättungsmethoden. So werden nicht die tatsächlichen Erträge oder Verluste des Jahres 2002 aus dem Fondsvermögen herangezogen, sondern die langfristig erwarteten Erträge. Sie werden dann zu Jahresanfang auf Basis des Vorjahres berechnet. Im Klartext: Die Folgen des diesjährigen Kurssturzes an den Börsen auf die Fondserträge wirken sich nicht 2002, sondern 2003 aus.

Daimler-Chrysler denkt aber darüber nach, den Zinssatz für die langfristig erwarteten Erträge aus dem US-Fonds von 10,5 % auf weniger als 8,5 % zu senken; dadurch ergeben sich im wesentlichen die angekündigten zusätzlichen Pensionsbelastungen von 400 bis 600 Mill. Euro im nächsten Jahr.

Zusätzlich muss Gentz entscheiden, ob der Abzinsungsfaktor für die US-Pensionsverpflichtungen von derzeit 7,4 % gesenkt wird; die deutschen Pensionsverpflichtungen werden mit 6 % abgezinst. Sinkt der Zins, steigt zwangsläufig der Barwert der Ansprüche, und zusätzliche Pensionsaufwendungen werden fällig. Das ist kein Klacks, doch auch hier setzen die US-GAAP auf Glättung. Denn auch diese Veränderung wirkt sich nicht in diesem Jahr aus. Und wie auch weitere Belastungen kann der Konzern diese über einen langen Zeitraum verteilen. Sie haben deshalb nur einen geringen Effekt.

Quelle: Handelsblatt

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