Aufwertung des Länderrisikos löst Euphorie aus – Bond gut platziert
Chancen Brasiliens an den Märkten verbessert

Mit der Neubewertung Brasiliens durch Standard & Poor?s ist das Länderrisiko deutlich gesunken. Doch trotz der Verbesserung wird das Land wohl noch einige Jahre auf ein Investmentgrade warten müssen. Die Kapitalaufnahmen an den internationalen Märkten ist allerdings schon erleichtert worden.

SÃO PAULO. Glück oder Geschick? - Experten spekulieren, woran es liegt, dass es Zentralbankchef Armínio Fraga stets gelingt, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun. Zwei Wochen bevor die Fed in den USA überraschend die Zinsen senkt, setzte der ehemalige Soros- Manager Fraga einen außergewöhnlich starken Zinsschritt in Brasilien durch, den viele bereits als inflationstreibend kritisierten. Die US- Zinssenkung nahm den Kritikern den Wind aus den Segeln.

Dann lancierte Fraga, der Anfang 1999 zur Rettung des Reals (nach der Abwertung) an die Spitze der Zentralbank gerufen wurde, eine Brasilienanleihe in Höhe von 1,5 Mrd. $ - als erster Emerging-Market in diesem Jahr. Und dies just an dem Tag, als die Rating-Agentur Standard & Poor?s die Auslandsverschuldung Brasilien überraschend von B+ auf BB- aufwertete. Der Bond fand reißenden Absatz und löste eine Welle von weiteren Anleiheemissionen in Lateinamerika aus, in Höhe von insgesamt rund 2,5 Mrd. $.

Betrachtet man die Entscheidungen Fragas, sieht man klar, dass der ehemalige Investmentbanker sowohl auf die Zinssenkung als auch die Rating-Verbesserung langfristig hingearbeitet hat: Er hatte fast ein halbes Jahr abgewartet, bis er Ende 2000 erstmals den internen Leitzins senkte, um Brasiliens Wirtschaft eine Starthilfe für 2001 zu geben. Doch den Schritt unternahm Fraga erst, nachdem sich in Argentinien die Krise entspannt hatte und sicher war, dass Brasilien seine IWF-Ziele souverän eingehalten hatte - sonst wäre die Maßnahme verpufft.

Aufwertung kommt zu günstigem Zeitpunkt

Auch für das Up-grade von Standard & Poor?s hatte Fraga bereits seit Mitte 2000 vorgearbeitet, indem er eine besondere Abteilung für die Beziehungen zu den Rating-Agenturen einrichtete, nachdem Moody?s das Brasilien-Rating zuvor wieder auf die Stufe anhob, auf der es sich vor Beginn den Asien-Russland-Brasilien-Krisen befunden hatte. Als Gründe für die Verbesserung des Ratings gibt S & P u.a. das verbesserte Budgetdefizit (wegen des Primärüberschusses) an, die per Gesetz verankerte eingeführte Ausgabendisziplin der öffentlichen Hand und den noch vor Jahresende verabschiedeten Haushalt 2001 an.

Für Brasilien kommt die Aufwertung zu einem günstigen Zeitpunkt, weil es sowohl für die Republik wie die Unternehmen die Chancen erhöht und den Preis senkt bei der Kapitalaufnahme im Ausland. In Brasilien heißt es, dass vermutlich die Vorjahresstrategie wiederholt werde: Bereits im Januar wurde mehr als die Hälfte der gesamten öffentlichen Kapitalneuaufnahme vorgenommen, um den Rest des Jahres nicht unter Druck zu geraten und auf günstige Gelegenheiten warten zu können.

Anleihen im Wert von insgesamt 5 bis 7 Mrd. $ will Brasilien 2001 aufnehmen. Derzeit hat das Land - wie auch die meisten lateinamerikanischen Unternehmen - vor allem den Eurobondmarkt im Visier. Dort scheinen risikofreudige Investoren eher bereit, "sich einen Schritt tiefer auf der Risikopalette umzuschauen", wie Reid Payne Emerging-Market Chef von ABN Amro in London beobachtet. "Vor allem in Spanien, Portugal und Italien sind südamerikanische Unternehmensanleihen bei institutionellen Anlegern beliebt", stellt Isabelle Martínez von Banco Santander (BSCH) fest.

Sechs Unternehmen planen US-Listing

Wegen des gesunkenen Länderrisikos erwarten Investmentbanken nun auch eine zweite Welle von ADR-Lancierungen brasilianischer Unternehmen in New York, die 2000 zum Stillstand gekommen waren. Sechs Unternehmen planen das Listing ihrer Aktien in den USA als American Depositary Receipts.

Bei aller Euphorie dürfen Investoren jedoch nicht vergessen, dass Brasilien trotz des Up-Grades vier Stufen unter dem Investmentgrade steht. Das hat neben Chile und Uruguay gerade erst Mexiko als drittes lateinamerikanisches Land erhalten - Lateinamerika ist damit die Region mit dem geringsten Anteil an Investment-Ratings weltweit. Wie stark das begehrte Gütesiegel die Kapitalaufnahme verbilligt, zeigt das Beispiel Mexiko: Für eine Dollaranleihe über zehn Jahre in Höhe von 1,5 Mrd. $ bezahlt Mexiko derzeit 374 Basispunkte über vergleichbaren US-Titeln. Brasilien brachte seine fünfjährige Anleihe in gleicher Höhe dagegen nur für 574 Punkte auf dem Markt unter.

Wegen der Bedeutung eines guten Ratings reklamiert Brasilien regelmäßig, dass es im internationalen Vergleich zu schlecht eingestuft würden. Doch die Agenturen argumentieren klar: Entscheidendes Hindernis für ein Up-grade ist Brasiliens hohe externe Verschuldung, "eine der höchsten weltweit", so S & P. Gleichzeitig ist Brasiliens Zahlungsfähigkeit auf diese Außenschuld aus eigener Kraft eingeschränkt: Die Exporte wachsen unterdurchschnittlich, die Steuerreform steckt fest. Noch gleichen hohe Direktinvestitionen die Kapitalbilanz aus, doch dieser Mittelzufluss kann sich bei einer Krise oder durch Vertrauensverlust mittelfristig verringern. "Dadurch besteht weiterhin eine hohe externe Verletzbarkeit", beobachtet Moody?s.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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