Augen und Ohren im All, Spione in der Luft
High-Tech-Jagd auf Osama bin Laden

Da würde auch James Bond sicher vor Neid erblassen. Die USA setzen bei ihrer Jagd nach Osama bin Laden High- Tech-Mittel ein, die es vor wenigen Jahren nur in Science-Fiction- Filmen gab. Augen und Ohren im All, Spione in der Luft: Modernste Satelliten und Aufklärungsflugzeuge spielen bei dieser Mission eine zentrale Rolle.

dpa WASHINGTON. Das "Schnüffelpotenzial" ist zum Teil brandneu. Allein in den vergangenen vier Wochen zum Beispiel wurden drei Militärsatelliten gestartet, die Experten zufolge bei der Suche nach El-Kaida-Terroristen und bei der Identifizierung von Taliban-Zielen in Afghanistan eine ganz wesentliche Bedeutung haben könnten.

"Bevor wir Bodentruppen auf den Weg schicken, müssen wir ein Gefühl für die Wetterverhältnisse und das Terrain haben", sagt Admiral James McArthur vom U.S. Space Command in Colorado. Die heute verfügbare Weltraum-Technologie sei "dramatisch besser" als die Mittel, die den Amerikanern im Golfkrieg zur Verfügung gestanden hätten. So könnten neuartige Satelliten Daten weitaus schneller als früher verarbeiten und transportieren. Bodentruppen seien dadurch in der Lage, rascher und gezielter zu agieren - McArthur zufolge eine Errungenschaft von "unschätzbarem Wert".

Satellit wird auf gewünschtes Ziel ausgerichtet

Das vom Admiral genannte Spionage-Wunder verbirgt sich hinter dem Kürzel BRITE, das für Broadcast Request Imagery Technology Experiment steht. Noch im Golfkrieg bereitete es den Militärs Kopfzerbrechen, dass Satelliten-Fotos stets mit großer zeitlicher Verzögerung am Boden eintrafen. Als Folge befanden sich manche Ziele zum Zeitpunkt des Angriffs nicht mehr an der Stelle, an der sie vom Satelliten erspäht worden waren. Das BRITE-System ermöglicht es, per Laptop- Computer mitten aus dem Feld Boden-Koordinaten an die zuständige Satelliten-Kontrollstelle zu senden. Der Satellit kann dann auf das "gewünschte" Ziel gerichtet werden und innerhalb kurzer Zeit Bilder davon an die Bodentruppen senden.

Im Fall Afghanistan wäre es dadurch beispielsweise möglich, ein hinter einem Berg vermutetes Terroristenlager zu sehen und vor einem etwaigen Angriff präzisere taktische Entscheidungen zu fällen. Nach den Worten von McArthur ist das BRITE-System für die geplanten Aktionen in Afghanistan geradezu ideal. Das gelte auch für die "Key Hole"-Satelliten, die Bilder mit hoher Auflösung von bis zu zehn Zentimeter kleinen Objekten am Boden liefern können. Eine neue Version dieser Supersatelliten wurde nach Vermutungen von Experten im September vom Luftwaffenstützpunkt Vandenberg (Kalifornien) aus ins All geschickt. Genau weiß das aber niemand: Geht es um Spionage und Aufklärung, hält sich das Pentagon besonders bedeckt.

Eingeräumt wird in Militärkreisen indes, dass keine der Satelliten-Augen scharf genug sind, um etwa Bin Ladens Gesicht von dem einer anderen Person oder El-Kaida-Mitglieder von einer Flüchtlingsgruppe zu unterscheiden. Die Satelliten werden aber durch verschiedene Aufklärungsflugzeuge unterstützt, die etwa wie die U-2 mit Hilfe von Radar Bewegungen am Boden aufspüren oder wie die Drohne "Predator" schärfste Bilder zur genauen Identifizierung von Zielen liefern können.

Unbemannter Dauerläufer

Nicht ausgeschlossen ist auch der Einsatz von Systemen, die sich noch in einer Testphase befinden. Militärexperten nennen hier vor allem das unbemannte Aufklärungsflugzeug RQ-4A "Global Hawk", das über 40 Stunden lang ununterbrochen in der Luft bleiben und bei großer Flughöhe sogar bei Nacht und bei jedem Wetter Bewegungen am Boden erspähen kann. Hoch sensible Kameras, Infrarot-Geräte und Spezial-Radar machen es möglich.

Bei der Jagd nach Bin Laden setzt das US-Militär aber auch auf gute Ohren - Satelliten und Flugzeuge, die Kommunikation am Boden auffangen können. Der Terroristenchef ist sich allerdings dieser Gefahr offenbar bewusst. Wie es heißt, fand er heraus, dass US- Satelliten von ihm per Mobiltelefon geführte Gespräche "belauschten". Seitdem soll er sich hauptsächlich auf Kuriere und Tonband- sowie Videoaufzeichnungen stützen. "Aber ohnehin glaubt niemand, dass er sich ohne Begleitschutz versteckt hält", erläutert ein Pentagon- Beamter. "Das heißt, er wird sich in einer Gruppe aufhalten. Und wenn auch nur eine einzige Person ein simples Funkgerät benutzt, dann wird unser Netz von Spionagesatelliten und-flugzeugen sie ausfindig machen."

Gern erinnert man sich in diesem Zusammenhang an die Jagd auf den ehemaligen kolumbianischen Drogenboss Pablo Escobar. Ein US- Spezialkommando schlug zu, nachdem Escobar mit seiner Familie telefoniert hatte. Dank amerikanischer Lausch-Technologie gelang es, seinen Aufenthaltsort aufzuspüren, und das Netz zog sich zu.

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