Augenmerk auf Kosten – Analysten kritisieren „mangelnde Transparenz“
Der Deutschen Bank droht ein operativer Verlust

Die Halbjahreszahlen der Deutschen Bank fallen nach Ansicht der Analysten nicht gut aus. Der deutsche Branchenprimus könnte im operativen Geschäft sogar erneut in die roten Zahlen gerutscht sein. Der für Donnerstag vorgesehene Auftritt von Sprecher Josef Ackermann ist auch vor dem Hintergrund der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen interessant.

fs LONDON. Zahlen dürften bei der Pressekonferenz der Deutschen Bank am Donnerstag nur zu Beginn die Hauptrolle spielen. Zwar sind die Halbjahres-Ziffern des deutschen Branchenprimus der eigentliche Anlass für einen der - nach wie vor seltenen - öffentlichen Auftritte des neuen Vorstandssprechers Josef Ackermann. Doch obwohl sie nicht allzu gut ausfallen dürften, steht der Schweizer selbst erneut im Mittelpunkt des Interesses.

Ackermann wird einige Fragen zu dem drohenden Verfahren wegen Untreue "in einem besonders schweren Fall" beantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf kam kürzlich zu dem Ergebnis, ein Anfangsverdacht habe sich "weiter erhärtet". Es geht um die Millionen-Abfindungen für Mannesmann-Manager und-Pensionäre im Rahmen der Übernahmeschlacht von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000. Die Staatsanwälte gehen von überhöhten Zahlungen an die Mannesmann-Seite aus, sie sprechen mittlerweile angeblich von einem Schaden in Höhe von 210 Mill. Mark (gut 107 Mrd. ). Ackermann saß damals im vierköpfigen Aufsichtsrats-Präsidium der Düsseldorfer. Bislang hat sich der Schweizer, der mit großen Hoffnungen im Mai an die Spitze der wichtigsten deutschen Bank aufgerückt war, bedeckt gehalten. Aus dem Institut heißt es dazu lediglich, Ackermann habe sich "weder rechtlich noch moralisch" falsch verhalten. Mehr sagt man auf Grund des laufenden Verfahrens nicht.

Bei den operativen Zahlen erwarten Analysten eine Gratwanderung zwischen einer schwarzen Null, einem leichten Plus und roten Zahlen. Zwar wird die Deutsche am Donnerstag einen Vorsteuer-Gewinn von knapp 2,1 Mrd. für das zweite Quartal ausweisen. Darin enthalten sind jedoch mehrere Einmaleffekte, etwa der Verkauf der Münchener Rück-Anteile im Wert von ca. 1,5 Mrd. . Das Heben stiller Reserven durch den Tausch des Versicherers Deutscher Herold gegen den US-Vermögensverwalter Scudder dürfte 600 Mill. eingebracht haben. "Wenn die Bank diese Positionen nicht gehabt hätte, hätte sie wahrscheinlich einen Verlust eingefahren", sagt Edgar Bettridge von der Investment-Bank Fox-Pitt, Kelton. Ein anderer Analyst einer amerikanischen Investmentbank sagte: "Eine schwarze Null in diesem Quartal liegt im Rahmen der Erwartungen. Liegt die Deutsche Bank darunter, dürfte der Markt enttäuscht reagieren." Gestern verlor die Aktie zeitweise mehr als drei Prozent. Ohnehin spiegelt sich die nach dem Wechsel zu Ackermann anfängliche Aufbruchstimmung in der Deutschen Bank-Aktie derzeit nicht wider: Der Kurs hat nach zwischenzeitlichen Hochs um die 78 mehr als ein Viertel des Wertes verloren.

Interessant sind nach Ansicht der Analysten die Erträge der Investmentbank: "Die hat im ersten Quartal noch ein gutes Ergebnis einfahren können, weil sie sehr stark im Anleihegeschäft sind", sagt Bettridge. Allerdings haben die Resultate vergleichbar starker Banken wie Lehman Brothers schon angedeutet, dass sich der Trend gegen Ende des zweiten Quartal abflacht.

Kosten im Focus

Auch die Kosten werden weiterhin genau von den Analysten beobachtet: "Wenn die Deutsche da nichts reduziert hat, ist die Glaubwürdigkeit von Ackermann dahin", sagt ein Analyst. Der Schweizer war im Mai mit dem Ziel angetreten, innerhalb der ersten zwei Jahren den Kostenblock um zwei Mrd. zu drücken. Bettridge von Fox-Pitt, Kelton geht davon aus, dass der Ausgabenblock im zweiten Quartal um rund 7 % gegenüber dem ersten Quartal (gut 6 Mrd. ). Allerdings sagt das noch nicht viel aus: Durch den Tausch des Deutschen Herold gegen Scudder fällt das Versicherungsgeschäft des Herold aus der Bilanz. Damit entfallen nach US-Gaap-Standards automatisch aufzulistende Kosten in Form etwaiger Versicherungsansprüche weg. Wie stark die Deutsche ihr Bekenntnis zur Kostenreduktion wirklich mit Leben füllt, bleibt den Analysten unklar: Die "Transparenz ist nicht ideal", sagt Bettridge.

Im Fokus bleibt bei den Analysten die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle, die sich im vergangenen Quartal gegenüber dem Vorjahr auf 270 Mill. mehr als verdoppelt hatte. Verwundert zeigten sich einige Analysten über die Aussagen Ackermanns gegenüber dem Betriebsrat, es werde keinen weiteren Stellenabbau geben: "An seiner Stelle würde ich die Gelegenheit des mäßigen Ergebnisses stärker nutzen, um mit den Gewerkschaften zu verhandeln", sagte ein Analyst. Denn bis zu seinem Ziel, die Kosten signifikant zu senken und mittel- bis langfristig den Aktienkurs mehr als zu verdoppeln, ist "der Neue" noch immer weit entfernt.

Quelle: Handelsblatt

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