Augenmerk der Kommunalwahlen in Belgien auf Antwerpen
Pakt gegen Aufstieg des rechtsgerichteten Vlaams Blok

ap BRÜSSEL. Wenn sieben Mill. Belgier am Sonntag zur Kommunal- und Regionalwahl gehen, richtet sich das Augenmerk vor allem auf Antwerpen. In der boomenden Kultur- und Hafenstadt Flanderns siegte vor sechs Jahren der rechtsgerichtete Vlaams Blok mit 28 % der Stimmen. Gegen einen weiteren Aufstieg der Nationalisten haben die demokratischen Parteien von den Christsozialen über Liberale und Grüne bis zu den Sozialisten einen Pakt geschlossen, mit dem rechten Außenseiter nicht zu koalieren. Die jüngsten Umfragen geben zwar keine Entwarnung, doch sehen sie das Wählerpotential für den Vlaams Blok erschöpft.

Die am vergangenen Samstag veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Dimarso unter rund 2 000 Antwerpener Bürgern ergab, dass der Vlaams Blok bei 27,4 % der Wählerstimmen stagnieren wird. Ermutigend erschien dabei, dass die Nationalisten vor allem unter den jungen Wählern zwischen 18 und 24 Jahren keinen Zulauf finden. Hier schnitt der Blok, der für die Unabhängigkeit Flanderns von Belgien eintritt, mit 14 % weit unter Durchschnitt ab. Die Erstwähler wenden sich der Erhebung zufolge eher der grünen Partei Agalev oder den Liberalen zu, die mit Guy Verhofstadt seit einem Jahr den Ministerpräsidenten auf nationaler Ebene stellen. Die Tageszeitung "La Libre Belgique" warnte allerdings davor, die Rechnung ohne den Wirt zu machen. Die Zustimmung für den Vlaams Blok sei schon häufiger unterschätzt worden, da viele rechte Wähler sich in Umfragen nicht trauten, sich zu ihrer politischen Gesinnung zu bekennen.

Antwerpen ist nur eine von 589 Kommunen in Flandern und Wallonien, in denen die Bevölkerung am Sonntag zur Wahl gerufen wird. Auch die Regierungen von zehn Provinzen müssen neu gewählt werden. Zugewinne erhoffen sich vor allem die Liberalen, die in Flandern schon seit Beginn der neunziger Jahre im Aufwind sind. Sie wollen von den Steuergeschenken und der wirtschaftlichen Stabilitätspolitik auf nationaler Ebene profitieren. Die in der Regierungskoalition mit vertretenen Sozialisten haben es da schwerer. Die Sozialisten wie die Christsozialen des vorherigen Premierministers Jean-Luc Dehaene verzeichnen schon seit den 70er Jahren einen stetigen Wählerrückgang. Unbeschwert können ansonsten nur die Grünen in die Wahl ziehen. Sie legten zuletzt bei den Parlamentswahlen in Belgien vor einem Jahr kräftig zu, als sie im Windschatten der Dioxin-Krise segelten.



Zwtl: Deutsche in Belgien sind Wahlmuffel



Erstmals zur Kommunalwahl aufgerufen sind auch die 500 000 Bürger anderer EU-Länder, die in Belgien leben. Davon profitieren rund 34 000 Deutsche, von denen etwas weniger als 7 000 in der Hauptstadt Brüssel leben, die meisten hingegen in Ostbelgien nahe der deutschen Grenze. Einen Wahlzettel haben nach Auskunft des Innenministeriums aber nur 3 867 Deutsche beantragt, was einer Quote von elf Prozent entspricht. Auf die meisten wirkt offenbar abschreckend, dass in Belgien Wahlpflicht herrscht: Einmal beantragt, muss der Wahlzettel auch abgegeben werden - egal, was dazwischenkommen mag. Damit sind die Deutschen aber keine schlechteren "Belgier" als die anderen EU-Ausländer. Nur rund ein Zehntel ließen sich insgesamt registrieren. Die größte Wahlbegeisterung machte sich unter den Italienern breit, von denen etwas mehr als die Hälfte ihren Bürgermeister in der Fremde wählen wollen - gefolgt von Franzosen und Niederländern. Mit Abstand das geringste Interesse zeigten die Finnen.

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