Augsteins Nachfolge noch offen
Spiegel-Mitarbeiter können das Ruder übernehmen

Nach dem Tod des "Spiegel"-Gründers Rudolf Augstein haben die Mitarbeiter des Hamburger Verlagshauses die Chance, Mehrheitsgesellschafter der Spiegel-Gruppe zu werden. Die Frage nach Augsteins Nachfolger als Herausgeber des "Spiegel" ist noch offen.

Reuters FRANKFURT. Der 79-jährige gebürtige Hannoveraner, der den Journalismus in Deutschland nach dem Krieg wie kein anderer prägte, war am Donnerstag an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Er hinterlässt neben seiner fünften Frau und vier Kindern einen Verlag, der mit einer schweren Krise auf dem Werbemarkt zu kämpfen hat. Schon im vergangenen Jahr war das Anzeigengeschäft zurück gegangen und 2002 sind die Märkte nochmals eingebrochen. "Der Spiegel" ist mit 1,109 Millionen Exemplaren zwar das meistverkaufte Nachrichtenmagazin in Deutschland vor dem "Stern", aber die Auflage sinkt.

Wer in Zukunft das Sagen im Spiegel-Verlag hat, um die wirtschaftliche Flaute zu überwinden, ist daher von elementarer Bedeutung für die Gruppe, zu der auch das "manager magazin", die Fernsehproduktion von "Spiegel TV" und der Berliner Sender "XXP TV" gehört. "Es ist schon spannend, wer jetzt kommt", sagte ein Mitarbeiter.

Augsteins Anteil von 25 Prozent am Spiegel-Verlag fällt an die Erbengemeinschaft seiner vier Kinder, von denen zwei als Journalisten bei der "Süddeutschen Zeitung" arbeiten. Allerdings haben die beiden anderen Gesellschafter, die Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr (G+J) mit ebenfalls 25 Prozent und die Mitarbeiter KG mit 50 Prozent ein Vorkaufsrecht auf gemeinsam ein Prozent an der Gruppe. Ihre Anteile könnten sich damit auf 50,5 Prozent und 25,5 Prozent erhöhen, der Erbengemeinschaft blieben 24 Prozent. Mit der Mehrheit von 76 Prozent könnten die Mitarbeiter, die Augstein 1974 an dem Verlag beteiligte, und G+J Beschlüsse künftig alleine fassen, während bisher alle Entscheidungen einstimmig fallen mussten.

Eine Frage, die den Verlag zur Zeit beschäftigt, ist zum Beispiel, ob die Spiegel-Gruppe dem Konsortium des Bauer-Verlags und der HypoVereinsbank für die Übernahme der insolventen KirchMedia und ihrer Tochter Pro Sieben Sat.1 beitreten soll. Bisher hatte sich vor allem die Mitarbeiter KG gegen solche Pläne ausgesprochen.

Doch eine Entscheidung über die Ausübung des Vorkaufsrecht ist noch nicht gefallen. Dazu sei es noch zu früh, sagte ein Sprecher von Gruner+Jahr. Auch Thomas Darnstädt, Geschäftsführer der Mitarbeiter KG, sagte, ein Kauf wolle gut überlegt sein. Das Recht sei mit der Überlegung eingeführt worden, dass der Verlag auch im Falle eines Erbenstreits handlungsfähig bleiben müsse. Danach sehe es aber nicht aus. "Aus heutiger Sicht lohnt es sich durchaus, darüber nachzudenken, ob man das Vorkaufsrecht ausübt, denn das kostet ja auch Geld", sagte Darnstädt.

Auch die Frage nach Augsteins Nachfolger als Herausgeber ist noch ungeklärt. Chefredakteur Stefan Aust gilt allgemein als Kronprinz. "Er ist sicher der für alle nahe liegende Kandidat, im Verlag aber auch nicht ganz unumstritten", sagt ein Kenner. Angesichts der Konstellation auf Gesellschafterebene beim Spiegel sei das also keine ausgemachte Sache. "Vielleicht macht es auch sein (Augsteins) Sohn oder ein Externer", sagt ein Mitarbeiter. Darnstädt wollte keinen Favoriten nennen. "Ich gehe schon davon aus, dass die Mitarbeiter KG als größter Gesellschafter ein Vorschlagsrecht in Anspruch nehmen werden, aber das müssen wir erst besprechen", sagte er.

Die Entscheidung über die künftige Herausgeberschaft, die sich auch mehrere Personen teilen können, fällt die Gesellschafterversammlung, für deren Sitzung es aber noch keinen neuen Termin gibt. Bis dahin übernehmen Aust und Geschäftsführer Karl Dietrich Seikel die Herausgeberschaft gemeinsam.

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