Auktion für Werkstatt- und Ersatzteilkette läuft
Auto-Teile Unger sucht Käufer

Die größte freie Werkstattkette in Deutschland steht nach Informationen aus Finanzkreisen zum Verkauf. Als Preis für das Unternehmen sind rund eine Milliarde Euro im Gespräch.

DÜSSELDORF. In den deutschen Markt der Autowerkstätten kommt Bewegung. Die A.T.U. Auto-Teile Unger GmbH & Co. KG, Weiden, sucht einen Käufer für das Unternehmen. Das erfuhr das Handelsblatt von Finanzinvestoren.

ATU ist mit weit über einer Milliarde DM Umsatz die größte unter den freien Werkstattketten, die nicht an einen Autohersteller gebunden sind. Zu den möglichen Kaufinteressenten zählen nach Handelsblatt-Informationen neben Finanzinvestoren auch Autohersteller.

Peter Unger, Geschäftsführer der ATU, wies auf Anfrage des Handelsblatts Verkaufspläne kategorisch zurück. "Das ist falsch", sagte er auf Anfrage. Weitere Angaben wollte er nicht machen. Ein Insider der Werkstattbranche widerspricht jedoch: "Er will das Unternehmen auf den Markt bringen." Nach Angaben aus Finanzkreisen hat die A.T.U. mit der Organisation des Verkaufsprozesses die Düsseldorfer Investmentbank HSBC Trinkaus & Burkhardt KGaA beauftragt. Das Institut wollte dazu keine Stellung nehmen.

"Etliche Investoren haben ihr Interesse an ATU geäußert", hieß es in mit dem Verkaufsprozess vertrauten Kreisen. Als Preis sei eine Summe nahe an einer Milliarde Euro zu erwarten, doch der Deal werde wohl erst im kommenden Jahr abgeschlossen. Wie bei solchen Transaktionen inzwischen auch in Deutschland üblich, veranstaltet die beauftragte Investmentbank eine Auktion. Sie unterbreitet sowohl institutionellen als auch Finanzinvestoren Verkaufsangebote und wählt Interessenten aus, die in die engere Auswahl aufgenommen werden.

Laut Mergermarket, einem Londoner Fachinformationsdienst für Fusionen und Übernahmen, sind unter den Kaufinteressenten die europäische Beteiligungsgruppe Apax Partners und der Wolfsburger Autokonzern Volkswagen AG. Weder Apax Partners noch VW wollten den Bericht kommentieren.

Nach Handelsblatt-Informationen hat es bereits Kontakte zwischen VW und Unger gegeben, bei denen man sich aber offenbar nicht sehr nahe kam. ATU hat nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform 1999 gut 1,3 Mrd. DM umgesetzt. Neuere Angaben liegen nicht vor, Branchenkenner schätzen den Umsatz inzwischen aber auf nahezu zwei Mrd. DM. A.T.U. beschäftigt in der Zentrale und 330 Filialen insgesamt 11 000 Menschen.

Für die Autohersteller werden die freien Ketten immer wichtiger, denn sie sichern den Zugang zu den Besitzern älterer Autos. Seit die Margen der Autoproduktion schrumpfen, bauen die Hersteller ihr Servicegeschäft aus. Dafür brauchen sie dauerhafte Kundenbeziehungen. Im Moment endet der Kontakt zum Kunden jedoch meist nach drei Jahren. Die älteren Wagen werden nur noch selten in die vermeintlich teurere Vertragswerkstatt gebracht. Sie landen bei den freien Werkstätten.

Der US-Autokonzern Ford hat schon vor Jahren die Konsequenzen gezogen und die internationale Reparaturkette Kwik-Fit gekauft. Sie ist in Deutschland mit der Marke Pit-Stop vertreten. Der Umsatz wuchs hier von 40 Mill. DM 1990 auf 169 Mill. DM im vergangenen Jahr. Im Gegensatz zu A.T.U. betreibt Pit-Stop allerdings keinen Teilehandel.

VW hat versucht, mit der eigenen Kette "Stop&Go" nachzuziehen, ist damit bisher aber über wenige Niederlassungen in Ballungsräumen nicht hinaus gekommen. In der Werkstattbranche gilt der Versuch bereits als gescheitert. "Als Marktführer muss VW jetzt etwas machen", heißt es dort.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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