Aus dem Frühjahrsgutachten
Institute revidieren Wachstumsprognose

Der Druck auf EZB-Präsident Wim Duisenberg wächst: Jetzt sprechen sich auch die großen Wirtschaftsforschungsinstitute Deutschlands für eine deutliche Zinssenkung im Euro-Raum aus. Für Deutschland erwarten die Forscher ein Wachstum von 2,1 % in diesem Jahr. Das ist eine kräftige Revision der noch im Herbst für 2001 prognostizierten 2,7 %.

uhl/pw BERLIN/FRANKFURT. Die sechs großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben sich den Forderungen an die Europäische Zentralbank (EZB) angeschlossen, den Leitzins zu senken. Im Frühjahrsgutachten schreiben die Institute, eine Senkung des Leitzinses um 50 Basispunkte sei gerechtfertigt. Das Gutachten, das dem Handelsblatt vorliegt, wird am Dienstag in Berlin vorgestellt.

Mit ihrer Forderung nach einer Zinssenkung um 50 Basispunkte gehen die Institute über die Erwartungen der Finanzmärkte für die Sitzung der EZB am Mittwoch hinaus. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg rechnen 13 von 21 befragten Bankvolkswirten nur mit einer Leitzinssenkung um 25 Basispunkte. Zwei Banken erwarten ein Minus von 50 Basispunkten. Derzeit liegt der Leitzins bei 4,75 %.

Die Erwartung einer Zinssenkung wird gedämpft durch den unerwarteten Anstieg der Industrieproduktion im Februar. Getrieben durch eine gute Entwicklung am Bau kletterte die Produktion saisonbereinigt um 0,6 % gegenüber Januar. Volkswirte hatten ein Minus von 0,8 % erwartet. Auch die Erzeugung im verarbeitenden Gewerbe fiel mit einem Minus von nur 0,2 % besser aus als erwartet. Deutschland trägt ein Drittel zur Wirtschaftskraft Euro-Lands bei.

Die Institute prognostizieren in ihrem Gutachten, dass die Wirtschaft im Euro-Raum in diesem und im nächsten Jahr real um jeweils 2,6 % wächst. Damit haben sie ihre Prognose für den Euro-Raum kaum gesenkt; im Herbst hatten sie mit einer Rate von 2,8 % für dieses Jahr gerechnet. Für Deutschland erwarten die Forscher ein Wachstum von 2,1 % in diesem und von 2,2 % im kommenden Jahr. Das ist eine kräftige Revision der noch im Herbst für 2001 prognostizierten 2,7 %.

Vor allem wegen der ungünstigeren Konjunkturentwicklung wird sich der Beschäftigungsanstieg in Deutschland nach Meinung der Institute weiter verlangsamen. Im Jahresdurchschnitt 2001 erwarten die Forscher nahezu 350 000 mehr Erwerbstätige. Die Arbeitslosenzahl soll im Jahresdurchschnitt auf 3,695 Millionen sinken. Ein Jahr später werde die Arbeitslosenzahl 3,47 Millionen betragen. So werde die Arbeitslosenquote von 9,2 % im Jahr 2001 auf 8,2 % im Jahr 2002 sinken.

Die Institute warnen vor einem "hektischen Aktionismus" der Wirtschaftspolitik. Sie lehnen zusätzliche Ausgabenprogramme ab. Es bestehe aber auch kein Anlass, jetzt vermehrt zu sparen oder Abgaben zu erhöhen, weil die Defizite der öffentlichen Haushalte konjunkturbedingt höher ausfielen. Die Lohnpolitik sollte ihren moderaten Kurs fortsetzen.

Die Institute begründen die Forderung nach einer Leitzinssenkung damit, dass sich das Geldmengenwachstum verlangsamt habe. Auch werde sich die Inflation im Euro-Raum wahrscheinlich im Laufe des Jahres 2001 zurückbilden und 2002 unter 2 % sinken.

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