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Aus dem Morgenlande...

Wer gut schmiert, der gut fährt. Wirklich? Amerikas Außenpolitik im Nahen Osten hat seit der Ölkrise vor 30 Jahren nichts dazugelernt.

Dies ist keine Geschichte mit einem guten Ausgang: "Es begab sich aber vor 30 Jahren im fernen Morgenlande. Da kamen die edlen Prinzen des Öls zusammen - und stürzten die Welt in ein großes Chaos." Die Erinnerung an den Beginn der ersten großen Ölkrise im November 1973 ist nicht frisch, aber die steigenden Ölpreise in diesen Tagen helfen beim erkenntniserweiternden Blick zurück.

Die Herren des Erdöls reduzierten damals die Förderung und stellten die Lieferung an die USA vorübergehend ein. Die Preise verdoppelten sich binnen weniger Wochen. In Deutschland durften die Autos sonntags nicht mehr fahren und die Welt stand vor einer schweren Rezession. Das alles, weil die Vereinigten Staaten Israel im Abwehrkrieg gegen Ägypten und Syrien unterstützten. Und heute, 30 Jahre später und mit einem vielfach höheren Ölpreis? Die Analyse des damaligen US-Außenministers Henry Kissinger gilt unverändert: "Nie zuvor war eine kleine Gruppe schwacher Länder in der Lage, mit einer kleinen Protestaktion das Leben so vieler zu verändern."

Wie gesagt, die Analyse stimmt immer noch, weil sich an der geopolitischen Bedeutung des Erdöls nichts geändert hat. Nur: diese Tatsache hat die außenpolitischen Konzepte vor allem der Vereinigten Staaten nicht verändert. Und sie hat auch nichts an der politischen Unentschlossenheit der Europäer geändert. So wird weiter mit Gewalt auf Gewalt reagiert - mit dem Segen Washingtons. Es ist und bleibt keine Geschichte mit einem guten Ausgang. Wenn nicht - gegen alle Widerstände - das Fundament gelegt wird für Verständigung statt Hass, wird sich die Geschichte wiederholen. Und nicht nur die des Ölpreisanstieges.

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