Aus dem Negativtrend befreit
Iberia verspricht den Aktionären Wachstum

Die Spanische Fluggesellschaft hat sich von einem lahmen Entlein zu einem stolzen Vogel gemausert. Das Krisenjahr 2001 hat er vergleichsweise gut überstanden. Risiken für die Aktie stecken in möglicherweise weiter steigenden Ölpreisen und in Streiks streitlustiger Piloten.

MADRID. Als Iberia Lineas Aereas de España S.A. vor gut einem Jahr an die Börse in Madrid ging, war das Interesse an Spaniens größter Fluggesellschaft gering. Internationale Investoren und private Anleger zeigten der Airline die kalte Schulter, nachdem sie ihr Börsendebüt zuvor mehrmals verschoben hatte. Der Ausgabepreis lag bei schwachen 1,19 Euro - am untersten Ende der Preisspanne. Tatsächlich machte das Papier den Aktionären zunächst wenig Freude. Die Aktien dümpelten an der Börse zunächst vor sich und wurden nach den Terroranschlägen in den USA ebenso wie die Papiere der Konkurrenz in einen Abwärtsstrudel gerissen.

Womit kaum jemand gerechnet hat: Iberia ist es in den Folgemonaten gelungen, sich aus dem Negativtrend zu befreien. Die Spanier, die noch Mitte der 90er Jahre vor der Pleite gestanden hatten, wiesen im Krisenjahr 2001 als eine der wenigen Airlines weltweit einen Gewinn von immerhin 50 Mill. Euro aus (minus 75 %). Trotz der schwierigen Marktlage konnte Iberia den Umsatz um 5,5 % auf 4,7 Mrd. Euro steigern. Seit Anfang 2002 hat die Aktie um mehr als 50 % auf 1,75 Euro zugelegt - die "beste Entwicklung unter den Fluggesellschaften in Europa", kommentiert Jacobo Pascual von Dresdner Kleinwort Wasserstein in Madrid dieses Abschneiden. Das Handelsvolumen hat sich deutlich ausgeweitet. Mittlerweile gilt Iberia als Anwärter für die Aufnahme in den wichtigsten spanischen Aktienindex Ibex35. Die nächste Korrektur des Indizes steht im Sommer bevor.

"Iberia fliegt weniger in die USA, dafür häufig nach Lateinamerika", erklärt Pascual das bessere Abschneiden der Spanier im Vergleich zu Konkurrenten wie Lufthansa oder British Airways. Dementsprechend litt Iberia weniger unter dem gesunkenen Passagieraufkommen auf der Nordatlantik-Route.

Vorstandschef Ángel Mullor äußerte sich vergangene Woche positiv über die Geschäftsentwicklung in den ersten drei Monaten des Jahres. Wie bereits in den ersten beiden Monaten will die Airline ihre Marktanteile im gesamten Jahr nicht nur im Heimatmarkt und auf europäischen Strecken erhöhen, sondern auch im Lateinamerikaverkehr. Zumindest in Spanien dürfte das schwierig werden: Hier liegt der Marktanteil bereits bei 60 %, (Lateinamerika 16 %).

Auch bei der erwarteten Konsolidierung in der Luftfahrtbranche will Iberia nicht abseits stehen: Mullor kündigte an, die Verbindungen zu British Airways und American Airlines, Aktionäre von Iberia und gleichzeitig Hauptpartner in der Allianz Oneworld, intensivieren zu wollen. Die Frage der Zusammenschlüsse stellt sich derzeit jedoch nicht akut: eine solche Konzentration sei aufgrund einer "protektionistischen Gesetzgebung" einzelner Länder sowie "bilateraler Schutzabkommen" noch immer unmöglich, sagte Mullor. "Iberia kann in den kommenden Jahren sicher auch allein überleben", meint Jacobo Pascual von Dresdner Kleinwort Wasserstein, der auf einen weiter steigenden Kurs bis Jahresende setzt. "Aber es wird schwieriger, gegen die Großen zu bestehen."

Gift für die Airline ist der derzeitige Anstieg der Ölpreise. Die Treibstoffkosten sind einer der großen Kostenfaktoren der Fluggesellschaften. Die Analysten von Ibersecurities in Madrid etwa empfehlen Iberia zum "Kauf". Kleinere Kursbewegungen nach unten wegen weiter steigender Ölpreise wollen sie aber nicht ausschließen. Druck könnte auch von anderer Seite kommen: Erneut scheint die Auseinandersetzung mit den Piloten von Iberia aufzuflammen. Sie gelten als äußerst fordernd und streiklustig. Zwar hatte ein Schlichter die Flugzeugführer im vergangenen Jahr zu einer vierjährigen Friedenspflicht verdonnert. Analysten sind jedoch skeptisch, ob es bei dieser Vereinbarung bleiben wird.

Für das Image von Iberia wäre das verheerend: Viele Fluggäste verbinden den Namen der spanischen Fluggesellschaft schon heute mit erheblichen Verspätungen.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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